Autor Thema: Die Charaktererstellung  (Gelesen 1170 mal)

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Die Charaktererstellung
« am: Juni 11, 2010, 02:49:29 Nachmittag »

Ich möchte betonen, dass es nur meine Meinung ist. Ich möchte meine Worte nicht als Wahrheit abstempeln, es ist lediglich ein Prozess, der mir bei der Charaktererstellung enorm hilft
.


Das Vorwort:

1.0  An wen richtet sich dieses Tutorial?
1.1  Was sind die Ziele dieses Kurses und warum sind atmende Charaketere so wichtig?
1.2  Vorraussetzungen


Der Charakter

2. Die erste Charakterskizze
3. Der Name
4. Outfit & Styling
5. Die Vergangenheit
6. Die Einstellung und seine Gesinnung
7. Die Konstitution
8. Das Köpfchen
9. Soziales Umfeld
10. Das Selbstbewusstsein
11. Besondere Merkmale
12. Der Konflikt
13. Der Härtetest - Alltag
14. Die Umsetzung
15. Die Entwicklung
16. Tipps & Tricks

Ein abschließendes Wort

Danke, fürs Lesen!

Ein Nachtrag

Die Quintessenz für Faulpelze


Für das Protokoll:

28.07.2011 11:27 Uhr -> Quintessenz für Faulpelze hinzugefügt
08.10.2010 11:53 Uhr -> Startpost editiert
04.10.2010 15:40 Uhr -> Das abschließende Wort online --> Endlich fertig xD
04.10.2010 15:03 Uhr -> Charakter: 14 Die Umsetzung + Entwicklung + Tipps & Tricks online
04.10.2010 14:47 Uhr -> Charakter: 13 Der Härtetest - Alltag online
04.10.2010 14:37 Uhr -> Charakter: 12 Der Konflikt online
02.10.2010 16:48 Uhr -> Charakter: 11 Das besondere Merkmal online
02.10.2010 15:42 Uhr -> Charakter: 10 Das Selbstbewusstsein online
02.10.2010 15:22 Uhr -> Charakter: 9. Das soziale Umfeld online
02.09.2010 21:08 Uhr -> Charakter: 8. Das Köpfchen online
17.06.2010 13:39 Uhr -> Charakter: 7. Die Konstitution online
12.06.2010 21:23 Uhr -> Charakter: 6. Die Einstellung und seine Gesinnung online
12.06.2010 11:48 Uhr -> Links für Charakter 2. Vor und Nachnamen hinzugefügt, ein paar Formulierungen geändert
11.06. 2010 -> 1.0 Vorwort und Charakter Punkt 2 - 5 online

« Letzte Änderung: Juli 28, 2011, 11:28:01 Vormittag von Ryoki »
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Offline Ryoki

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Re: Die Charaktererstellung
« Antwort #1 am: Juni 11, 2010, 02:49:38 Nachmittag »
1. An wen richtet sich dieses Tutorial?

Im Grunde an alle Schreiberlinge, aber vor allem an jene, die planen eine längere Geschichte, wie z.B. einen Roman, zu schreiben. Ich versuche hiermit eine Hilfestellung zu geben, wie ihr mit einer beachtlichen Menge Arbeit Situationen vermeiden könnt, in denen eure Charaktere nicht wissen wie sie reagieren sollen, was sie tun sollen und wie ihr doofe, logische Verstrickungen ausmerzt.
Aber auch Autoren, die bereits ein funktionierendes System zur Charaktererstellung haben, können sich hier vielleicht den ein oder anderen zusätzlichen Tipp abgreifen.

Solltet ihr jedoch ein überzeugter Minimalist sein, kann ich euch nur davon abraten weiter zu lesen. Es kommt wirklich einiges an Text und Arbeit auf euch zu.
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Re: Die Charaktererstellung
« Antwort #2 am: Juni 11, 2010, 03:04:27 Nachmittag »
1.1 Was sind die Ziele dieses Kurses und warum sind atmende Charaketere so wichtig?

Wie bereits erklärt ist das Ziel dieses Tutorials die Erschaffung eines lebenden Charakters.
Um das zu erreichen, müsst ihr quasi alles über die Figur wissen, ihre Vergangenheit, ihre Wünsche, Träume, Ängste, Schwächen, Stärken, aber auch ihre Einstellung zu Politik, den Grad ihres Allgemeinwissens, ihre Einstellung zu anderen Menschen und so weiter und so fort.

Aber warum das Ganze? Reicht es nicht, wenn man ein Bild im Kopf hat und sich dann alles weitere beim Schreiben entwickelt? Ehrlich gesagt dachte ich das zuerst auch. Aber zumindest in meinem Fall war das ein Irrtum.
Solch ein großer Irrtum, dass ich eine Geschichte, die bereits etwa 60 Seiten lang war, zur Seite legen musste, weil ich mit meinen Charakteren nicht klar kam. Sie haben sich in seltsame Konflikte verstrickt, die nicht zu ihrem Wesen passten und wurden dann selbst für mich als Autor unglaubwürdig. Und wenn man das als ihr "Vater" schon sagt, was soll dann erst der Leser sagen, der nur das kennt, was der Autor ihnen vorsetzt?

Wisst ihr aber alles über eure Figur, dann können solche Fehler nicht passieren, da der Charakter euch quasi ein Stoppschild vor den Latz knallt und schreit: "Spinnst du? So etwas würd ich doch niemals tun! Das musst du so und so machen!"


Und das merkt auch der Leser. Zwar werdet ihr wahrscheinlich nur 10 % von dem, was ihr für dieses Tutorial leisten werdet, letzendlich dem Leser verraten, aber ihr müsst es trotzdem wissen, damit die Figur in verschiedenen Situationen ihrem Wesen treu bleibt und das tut, was seinem Charakter entspricht und was der Leser vielleicht sogar erwartet.
Er wird merken, dass der Charakter sehr detailliert ausgearbeitet wurde und wird euch diesen "Tiefgang" auch durch begeistertes Weiterlesen danken. ;)


Also merken wir uns: Charaktere sind die Essenz jeder Geschichte! Egal wie ausgereift der Plot ist, wenn die Charaktere nicht dazu passen, kann die gesamte Geschichte nichts anderes als ein Flopp werden.
« Letzte Änderung: Oktober 02, 2010, 08:32:45 Nachmittag von Ryoki »
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Re: Die Charaktererstellung
« Antwort #3 am: Juni 11, 2010, 03:20:47 Nachmittag »
1.2 Die Vorraussetzungen

Die grobe Grundidee eurer Geschichte sollte bereits stehen. Ihr braucht nichts genaues, sondern nur etwas wie: "Y verliebt sich in X, aber Y ist ein fettes Pummelchen und X der unerreichbare Schulschwarm"
Ihr braucht hier nicht weiter zu machen. Macht euch keine Gedanken über den weiteren Plot oder gar über die Botschaft eures Romans. Alles was ihr braucht ist diese Idee.
Denn die Charaktere kommen noch vor allen weiteren Gedanken.

Man kanns gut mit der ersten Verabredung vergleichen. Um dich richtig mit deinem Gegenüber unterhalten zu können, musst du ihn auch erst richtig kennen lernen.


Anmerkung am Rande

Es kann vielleicht passieren, dass du an der ein oder anderen Stelle dieses Tutorials stecken bleibst und keine Antwort auf die Frage findest. Aber keine Angst, das liegt nicht an dir, sondern wahrscheinlich an meiner Form der Darstellung, da ich versuchen werde alles so zu ordnen, dass es aufeinander aufbaut. Aber manche Punkte sind so eng miteinander verflochten, dass es oft nicht möglich ist eine Aussage zu dem einen Punkt zu treffen, wenn man vorher noch nicht über den anderen nachgedacht hat.
Also macht euch da am besten eine Notiz, trefft eine willkürliche Entscheidung und kommt später noch einmal zu diesem Punkt zurück.

Ach und ich empfehle es wirklich handschriftlich zu machen. Ist vielleicht nur ein Tick von mir, aber ich fühl mich da irgendwie näher an der Figur. ;-)


Aber genug der Vorworte, jetzt geht es ans Eingemachte!
« Letzte Änderung: Juni 12, 2010, 11:39:29 Vormittag von Ryoki »
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Re: Die Charaktererstellung
« Antwort #4 am: Juni 11, 2010, 03:50:08 Nachmittag »
2. Am ersten Tag erschuf Gott den Stereotypen!

Das Einfachste ist es am Anfang mit einem totalen Stereotypen zu beginnen. Eine leere Hülle, die dann nach und nach von uns mit Leben und Einzigartigkeit gefüllt wird.
Nehmen wir also den männlichen Protagonisten aus meinem anfänglichen Plotbeispiel vom Typ: Cooler Frauenschwarm

Natürlich ist es auch möglich ohne Stereotyp anzufangen, aber das bedeutet zusätzlichen Aufwand.

Es ist bei der Charaktererstellung sehr viel einfach mit etwas anzufangen, das bereits Ähnlichkeiten mit dem gewünschten Resultat hat.
Man braucht nur noch die fehlenden Details auszuarbeiten und ihm Leben einzuhauchen.


Die Freundschaftsprobe

Eine andere Art mit der Charaktererstellung anzufangen ist es, verschiedene Eigenschaften aus deinem Bekanntenkreis (Freunde, Famillie, etc.) zu nehmen und dann einfach für deinen Charakter zusammenzusetzen. Natürlich ist dies nicht endgültig, aber es macht die Figur symphatischer und für manche ist es vielleicht auch einfacher, mit solch einem Charakter zu arbeiten, wenn sie sich nicht mit dem abgedroschenen und leblosen Stereotypen anfreunden können.
Nicht vergessen. Die Eigenschaften sind noch immer nur vorübergehend! Ihr könnt sie später noch immer ändern, rausschmeißen oder verfeinern.

Hier allerdings noch eine Amerkung: Wenn ihr Eigenschaften von euren Freunden/Famillie nehmt und diese eure Geschichten auch lesen, dann müsst ihr davon ausgehen, dass ihr irgendwann damit "auffliegt".
Bei so manch einer Figur ist dies vielleicht noch ganz schmeichelhaft, aber sobald ein Freund für das picklige, eklige und schon fast psychophatische Mobbingopfer der halben Schule Modell stehen muss, wird seine Reaktion nicht unbedingt positiv ausfallen...
Eine gute Methode, um das zu umgehen, ist die gründliche Vermischung stark verschiedener Eigenschaften. Das schafft einen interessanten Charakter und senkt zugleich die Chancen, dass du bei deinem "Eigenschaftenklau" erwischt wirst.

Was ist mit Charakteren, die bereits existieren?

Wir sind noch immer bei der Skizze, also kannst du ruhig einen bereits vorhandenen Charakter nehmen. Wenn du alles richtig machst, wird am Ende eh ein total anderer Charakter mit einem eigenen Leben herauskommen. Aber nicht vergessen, dass wir bis jetzt wirklich nur eine rohe Skizze erschaffen.

Eine interessante Möglichkeit hierbei ist es auch die Eigenschaften dieser Person einfach zu spiegeln. Er ist ordentlich? Dann mach aus ihm eine Verkörperung vom Begriff Schwein.



So viel zu der Gestaltung der ersten Charakterskizze.
« Letzte Änderung: Februar 17, 2011, 03:27:52 Nachmittag von Ryoki »
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Re: Die Charaktererstellung
« Antwort #5 am: Juni 11, 2010, 04:00:16 Nachmittag »
3. Der Name

Herzlichen Glückwunsch! Im ersten Teil diesen Tutorials habt ihr das erste Mal eine Charakterskizze erstellt und habt somit ein neues Kind bekommen. :-)
Es fehlt nur noch ein passender Name und ihr habt jegliches Recht ein/e stolze/r Mutter/Vater zu sein.

Der Vorname

Wohl eins der häufigsten Wörter, die ihr in eurer Geschichte benutzen werdet, ist der Vorname eures Protagonisten. Nicht wirklich überraschend, oder? Außerdem, und noch viel wichtiger, ist es, dass es eins der ersten Dinge sein wird, die der Leser überhaupt über euren Charakter erfährt.
Der Vorname ist wichtig und hat einen heftigen Einfluss auf den Leser!

Dementsprechend kann man mit ihm auch einiges beim Leser erreichen, wie z.B. durch

Vorurteile

Meiner Ansicht nach gibt es kaum etwas, das mehr Vorurteile bei einem weckt, als der Vorname eines Menschen. Ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber bei Namen wie "Gisela, Gunther, Klaus, Ushi, Herbert usw." zuckt mir immer ein anderes Bild durch den Kopf. Es ist natürlich abhängig von der Person, aber Fakt ist, dass man bei bestimmten Namen direkt an bestimmte Bilder oder sogar Eigenschaften denkt.
Ich kann mir zum Beispiel keine Ushi vorstellen, die noch nie wegen ihrem Namen gehänselt wurde und deswegen auf solche Witze nicht verägert/genervt reagiert. Es geht einfach nicht. Ich wette ihr habt solche ähnlichen Namen auch.

Wenn ich jetzt aber weit darüber nachdenke, könnte ich mir denken, dass sie eine "Scheiß-egal" Haltung entwickelt hat und darauf gar nicht mehr reagiert.


Es so wie im richtigen Leben. Lernst du einen Menschen kennen, wird der Vorname eines der ersten Dinge sein, die du über ihn erfährst und automatisch, egal ob du willst oder nicht, wirst du zumindest unterbewusst bestimmte Dinge mit diesem Namen und damit auch mit dem Charakter deines Gegenübers verbinden.
Wenn ihr euch besser kennen lernt, wirst du vielleicht sehen, dass diese Eigenschaften bei ihm nicht zu finden sind. Genauso wird es auch den Lesern ergehen.


Allerdings gibt es jetzt auch sehr stark belastete Namen. Wunderbares Beispiel: Adolf
Ich bezweifle stark, dass es jemand gibt, der diesen Namen nicht direkt mit "Rechts" und "Verderben" etc. verbindet. Allerdings hat man als Schriftsteller die Möglichkeiten dagegen vorzugehen. Und das macht man am Besten direkt und schnell.
Es hat keine Wirkung, wenn der Leser es nicht beim "Ersten Eindruck" erfährt.

Beispiel:
Zitat
"Ich hätte nie gedacht, dass er wirklich Adolf hieß. Dynamisch ordnete er sich der Masse der Demokraten unter und kämpfte gegen die religöse Diskriminierung."



Ausgefallen VS. alltäglich

Auch ein wichtiger Punkt der Nameswahl ist die Außergewöhnlichkeit. Außerdem wird die Namenswahl stark durch die Genrewahl und den sozialen Hintergrund des Charakters beeinflusst.
Lêyurykêtâmo ist vielleicht für einen Fantasyroman eine gute Idee, aber in einem Thriller werden dir deine Leser mit Freuden den Kopf abhacken, wenn sie so etwas lesen.
Auch wenn man außergewöhnliche Namen mag, ist dies eindeutig die falsche Lösung. Kannst du dich übrigens jetzt noch an den Namen erinnern ohne nachzusehen? Also ich nicht und ich habe ihn geschrieben.

Allerdings solltest du auch solche Namen, die gerne in Beispielen verwendet werden, wie Max Mustermann oder Gretchen Müller, möglichst vermeiden, außer du hast einen triftigen Grund, sie zu verwenden.
Du musst immer daran denken, dass dein Charakter die ganze Geschichte über mit dem Namen leben muss. Genauso wie der Leser. Bei den ersten drei Mal wird er es vielleicht noch lustig finden, aber danach wird es nur noch nervig.

Die Bedeutung

Wer hätte so etwas denn nicht gerne? Einen Namen mit so einer richtig "coolen" Bedeutung? So einen, mit dem richtig bei seinen Freunden angeben kann.
Wenn ihr euren Charakteren gerne so einen geben würdet, dann spricht da auch im Grunde nichts gegen.

Solltet ihr deswegen allerdings auf einen sehr ausgefallen oder auf einen Namen, der nicht zu seinem sozialen Hintergrund passt, ausweichen müssen, dann lasst es lieber!
Eine strenggläubige bayrische Familie wird ihren Sohn garantiert nicht nach irgendeiner ostasiatischen Gottheit benennen. Wahrscheinlich wissen sie noch nicht einmal, dass dieser Name überhaupt existiert!
Es macht euren Charakter unglaubwürdig.

Ausländische Namen

Hier gibt es Ähnlichkeiten mit Namen, die eine Bedeutung haben. Ein ausländischer Name muss zum Hintergrund des Charakters passen. Warum sollte die bayrische Familie, die ihr schönes Land noch nie verlassen hat, ihr Kind nach einem japanischen Nationalhelden benennen?
Viel wahrscheinlicher und authentischer ist es, dass sie ihrem Kind den Namen eines Heiligen oder einen national beliebten Namen geben.
Der Name muss zu seiner Umgebung und zu seinem Hintergrund/Vergangenheit passen

Der Klang

Meiner Meinung nach der wohl wichtigste Punkt. Ein Name mit schönem Klang hilft dem Leser wunderbar sich mit dem Charakter zu identifizieren, ihn zu mögen.
Außerdem lässt sich vom Klang teilweise sogar schon auf den Charakter an sich schließen.
Denk ich da an unseren "Frauenschwarm" zurück, so denk ich gleich an einen etwas stärkeren, härteren und selbstbewussten Klang. Vielleicht sogar etwas englisches um einen Hauch von "Coolheit" reinzubringen. "Connor" oder "Blake" oder "Brandon" gefallen mir in diesem Zusammenhang ganz gut.
Ich entscheide mich hier für Connor, da mir einfach die Kombi aus dem "K" und "R" - Laut ganz gut gefällt.

Jedoch sollte man sich nicht direkt festlegen, sondern sich den Namen nur im Hinterkopf behalten. Warum? Ganz einfach, weil die andere Hälfte noch fehlt. Der Vorname muss mit dem Nachnamen eine Einheit bilden und daher ist es nicht schlecht, wenn die Namen der Protagonisten abgestimmt sind und eine "Klangeinheit" bilden.
Ja, ich weiß, dass es sich recht abstrakt anhört, aber achtet doch mal drauf und ihr werdet merken, was für einen Einfluss Vor und Nachnamen auf den Eindruck beim Leser haben.

Der Nachname

Hier gilt im Grunde das Gleiche wie beim Vornamen. Nur mit einem Unterschied, den ich bereits angesprochen habe. Der Nachname muss mit dem Vornamen eine Klangeinheit bilden.
Außerdem ist bei dem Nachnamen die Herkunft deines Charakters von recht großer Bedeutung. Jemand der im Irak, in einer gebürtigen Familie geboren wurde, wird wohl kaum einen deutschen Namen haben.

Im Zusammenhang mit Connor, der ja recht klotzig klingt, habe ich mich für einen Namen mit einem weichen "s" entschieden.
"Connor Segers" soll er also heißen.


Links

So wie versprochen gibt es ein paar Seiten mit Links für die Namensgebung.

Vornamen:

1. http://www.beliebte-vornamen.de/lexikon Gute Seite mit Statistiken zur Beliebtheit der verschiedenen Namen. Allgemein sehr gute Informationsquelle.
2. http://www.mein-vorname.com/ Ähnlich wie die erste und sogar mit Suchfeld. :D
3. http://www.baby-vornamen.de/ Recht lange Ladezeiten, wenn man eine langsame Verbindung hat, dafür stehen aber auch die Bedeutungen der Namen dabei.
4. http://www.vornamenlexikon.de/ In allen Bereichen recht simpel.
5. http://www.da-direkt.de/frame/index.jsp?header_id=4&content_id=669 Eine einfache Liste zu allen Namen
6. http://www.thinkbabynames.com/ Namenssuche, Zufallsnamengenerator, Bedeutung und Häufigkeit

und schließlich der foreneigene Namensthread mit den Lieblingsnamen unserer Mitlglieder.

Nachnamen:

1. http://www.aggsh.de/ger/pag/qk/qk-index.htm
2. http://www.echtenamen.de/kategorie.php4?id=3

Für weitere Seiten wäre ich dankbar. Finde beide nicht optimal.
« Letzte Änderung: November 05, 2010, 10:01:01 Nachmittag von LovingMusic »
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Re: Die Charaktererstellung
« Antwort #6 am: Juni 11, 2010, 04:00:19 Nachmittag »
Outfit und Styling

Jetzt mal Hand aufs Herz und ehrlich sein. Wenn ihr einen Menschen zum ersten Mal trefft, ist das allererste Beurteilungskriterium sein Äußeres. Menschen fällen ihr erstes Urteil über jemanden innerhalb der ersten drei Sekunden! Da könnt ihr euch ausmahlen, wie wichtig der erste Eindruck ist, den der Charakter auf den Leser macht, aber mindestens genauso wichtig ist der Eindruck, den euer Charakter auf andere Figuren eurer Geschichte macht.
Wenn sie ihn das erste Mal sehen, musst du wissen, wie sie ihn beurteilen werden und was sie denken.

Ich kanns nicht oft genug wiederholen:

Der erste Eindruck

ist einer der wichtigsten Punkte innerhalb der Charakterentwicklung!
Jetzt schließ mal deine Augen und denk an irgendetwas... Den Zoo, eine Kuh, deine meckernde Mutter oder dein Haustier, irgendetwas halt.
Dann zappst du wie beim Fernsehen auf deinen Charakter um und stellst ihn dir bildlich vor.

Was ist das Erste, was dir durch den Kopf schießt?

Du brauchst an diesem Punkt noch keine genaue Vorstellung von deinem Charakter zu haben. Du erinnerst dich, wir sind noch immer bei der Skizze. Es ist lediglich der erste Eindruck den du gewinnen würdest, wenn du ihm zufällig irgendwo begegnet wärst.

Zitat
Conner Segers
ist ein absolut typischer Frauenschwarm. Braun gebrannt, trainierter Körper, Sixpack, Hemd entweder nur locker drübergeworfen oder die Knöpfe an der Brust gelöst, markantes Gesicht, Sonnenbrille, allgemein lässige Kleidung. Verdammt cooler Typ.

Hier ist es wichtig, genau das richtige Wort zu benutzen. Es ist etwas, mit dem ich selbst noch Schwierigkeiten habe, aber versucht einfach genau das Wort zu finden, das genau das beschreibt, was ihr sagen wollt.

Auf der Straße

Jetzt haben wir schon einmal deinen ersten Eindruck. Jetzt fehlt uns aber noch den Eindruck, den andere von deinem Charakter haben. Dafür lassen wir ihn einfach mal durch die gut besuchte Fußgängerzone gehen. Dabei ist es egal ob er ein Alien ist oder sich nie in der Fußgängerzone blicken lassen würde, es ist ein einfaches Gedankenexperiment.
Was ist das erste woran du denkst, wenn er an dir vorbei geht? Ist er symphatisch/unsymphatisch? Attraktiv oder hässlich? Fällt er auf, oder bemerkt man ihn erst, wenn du ihn umrennst?

Zitat
Connor Segers
Würde er durch die Straße laufen, würde er es gewiss in Begleitung von Freunden oder einem Mädchen tun. Er gibt sich lässig, offen und zieht durch sein ungezwungenes Lachen einige Blicke auf sich. Auf den ersten Blick wirkt er durchaus symphatisch, aber man hat eine Vorahnung, das sich dahinter ein Macho versteckt.

Seine Wohnung auf einen Blick

Stellen wir uns vor, dass du mit einer kleinen Kamera eine Sekunde lang in seine Wohnung/sein Zimmer schauen könntest. Aber die Kamera bewegt sich so schnell, dass du keine Einzelheiten der Einrichtung erkennen, geschweige denn die Titel der Buchrücken lesen kannst. Und wieder mal sollst du deinen ersten Eindruck beschreiben.

Zitat
Connor Segers Zimmer
Sein Zimmer ist sehr hell und freundlich, ein großes Fenster. Es scheint recht sauber zu sein, aber trotzdem würde ich es nicht darauf anlegen und von dem Boden essen. Riechen tut es nach nichts besonderem, außer er hat vorher trainiert, dann kann man den Schweißgeruch riechen. Ich hätte nichts dagegen mich dort aufzuhalten, aber wirklich gefallen würde es mir nicht.


Orte, an denen du ihn dir gut vorstellen kannst

Überleg dir ganz spontan fünf verschiedene Orte an denen du ihn dir super vorstellen kannst. Manche Charaktere gehören einfach in eine düstere Kneipe an einem nebeligen Fluss und andere gehören einfach mit einem Buch auf das Sofa.
Wo ist deiner?

Zitat
Connor Seger
1. Schwimmbad
2. Schulhof
3. Bett
4. Muki-Bude
5. Einkaufszone

Was macht er dort und mit wem ist er da?

Der Charakter ist kein steifer Autocrash Dummy. Er bewegt sich, handelt, hat Hobbies und wahrscheinlich auch einen Grund, warum er dort ist.
Nimm dir also die fünf Orte von gerade und beschreibe kurz und bündig mit wem er dort ist und was er dort macht.

Zitat
Connor Seger
1. Im Schwimmbad zieht er zum Training seine Bahnen und flirtet danach oder dabei mit den Mädchen, oder misst sich mit den anderen Jungs.
2. Auf dem Schulhof während der Pause ist er umringt von seinen Freunden und Bewunderern. Er scherzt, lacht und flirtet mit ihnen.
3. Im Bett schläft er alleine oder beglückt eins der Mädchen, mit denen er zuvor geflirtet hat.
4. In der Muki-Bude ist er meist alleine und stemmt Gewichte. Er nutzt die Zeit alleine um einen klaren Kopf zu bekommen.
5. In der Einkaufszone ist er immer in Begleitung seiner Freunde bzw. Freundinnen anzutreffen. Er lacht offen und hat sichtlich Spaß mit ihnen.


Aussehen

Jetzt kommen wir langsam zum eigentlichen Ding. Ich möchte jedoch vorher etwas los werden, was unter anderem auch den Schreibstil angeht.

Es gibt zwei Fraktionen: Einmal die, die sagen, dass man die Charakter bildlich beschreiben sollte, damit sich der Leser das Kunstwerk gut vorstellen kann und dann gibt es noch die, die sagen, dass man dem Leser Raum lassen soll sich den Charakter selbst symphatisch zu machen.

Ich kann mich mit keiner der beiden Stellungen so wirklich anfreunden, deswegen habe ich mir meine eigene Mischung der beiden Varianten geschaffen. Ich zeige nur die wichtigsten Dinge des Charakters. Hat er lange Haare? Attraktives oder hässliches Gesicht? Besondere Merkmale? Allgemeiner Körperbau? Grober Kleidungsstil?

Warum ich nicht alles dem Leser überlasse? Weil dann ganz einfach Wirkungen auf andere Charaktere der Geschichte falsch interpretiert werden können.
In unserer Kultur ist ein Symbol für weibliche Anziehungskraft, wenn sie lange Haare besitzt. Aber natürlich gilt das nicht für alle Männer. Deswegen interpretiert der Leser, der auf kurze Haare steht in eine "Sexbombe" halt kurze Haare hinein, während sich aber die Charaktere in der Geschichte auf lange Haare beziehen.
Deswegen setzte ich immer nur einen groben Rahmen fest und lass dem Leser dann in diesem völlige Freiheit.

Was ihr allerdings unter allen möglichen Umständen vermeiden solltet, nein sogar müsst, ist eine Inventur des Kleiderschranks! Jeder Leser schläft verdammt noch mal ein, wenn ihr bei der ersten Erwähnung eines Charakters direkt eine detailierte Beschreibung seines Outfits, seiner Nasenfügelchen oder etwaiger Ringe und Ketten gebt.
Solch eine Aufzählung reißt jeden aus der eigentlichen Geschichte raus und hemmt den Lesefluss drastisch.


Beschränke dich also auf das Notwendige und lass dem Leser so viel Freiraum wie möglich.

Haare und Augen

Etwas das ich in langen Geschichte verfluche. Die übliche Beschreibung sieht so aus: "Er hatte blaue Augen und kurze schwarze Haare."
...
Ehrlich könntest du dich nach der Vorstellung von 10 Charakteren, die alle auf die gleiche Art beschrieben werden, noch an die Augen - Haar Kombination eines bestimmten Chars erinnern? Also ich kann das nicht. Und das nervt mich an so manch einer Geschichte.
Aber okay das ist eine subjektive Sache und persönlich würde ich es wohl nicht so schreiben. Ich würde wahrscheinlich die Augenfarbe komplett dem Leser überlassen und mich lediglich etwas genauer um die Haarlänge kümmern. Welche Farbe die Haare dann haben, kann der Leser wieder entscheiden, falls es nicht in der Geschichte eine wichtige Bedeutung haben sollte.

Trotzdem musst du für dich beide Sachen wissen.

Zitat
Connor Seger
dunkel braune Haare, blaue Augen.
(mal ehrlich... Könntest du ihn dadurch vorstellen?)


Gesicht und Körperbau

Jetzt kommen wir der Sache wieder näher. Allerdings gibts wieder etwas, das du dir vorher überlegen solltest. Welche Nationalität hat dein Charakter? Dieser Faktor hat einen großen, wenn nicht den größten Einfluss auf das Aussehen und sollte daher nicht vernachlässigt werden.

Und endlich sind wir bei den Details. Wie sieht sein Gesicht aus?  Ist es lang und schmal oder grob und kantig? Hat er eine Stupsnase oder eine Hexennase? Oder macht er gar Pinoccio Konkurrenz? Wie stehen seine Augen? Sind sie zu eng, klein oder groß? Wie sind seine Lippen geformt und seine Ohren? Wie groß sind sie? Sind die Ohrläppchen angewachsen oder sind sie lose? Was hat er für eine Frisur? Wie groß ist seine Stirn? Hat er ein vorspringendes oder ein fliehendes Kinn? Wie stark ausgeprägt sind seine Wangenknochen? Und so weiter und so fort. Stell dir jede Kleinigkeit seines Gesichts vor.

Hast du das geschafft, geht es an den Körper an sich. Fahre deinen Charakter wieder zurück auf eine leblose Schaufensterpuppe und stell ihn dir komplett nackt vor. Auch wenn es die Frauen nicht gerne hören, hier geht es wirklich nur um seinen Körper und um nichts anderes. Deswegen steht er auch ganz steif mit ausgestreckten Armen und du kannst ihn ohne Probleme von allen Seiten betrachten.
Sind seine Schultern schmal oder breit, ist sein Kreuz schmal oder breit? Wie stark sind seine Muskeln ausgeprägt? Ist er ein Bodybuilder oder eher der typische "Waschbärbauch"- Vertreter, oder ist er gar übergewichtig bzw. ungesund schlank? Hat er einen prallen Knackpoo oder einen Hängearsch?

Das Gleiche machst du auch mit dem Intimbereich. Bei einem Mann muss du wissen wie groß/lang sein bestes Stück ist und bei einer Frau musst du die Körbchengröße wissen. Warum? Weil all das Einfluss auf das Selbstvertrauen und auf die soziale Akzeptanz hat. Wir erinnern uns an den ersten Eindruck zurück.
Aber das wird in einem späteren Kapitel dieses Tutorials noch einmal aufgefasst.

Zitat
Connor Seger
Nationalität: Europäer, beide Elternteile Deutsche, seine Haut also hell, aber mit gesunder Sonnenbräune. Er ist 1,80m groß, also schon recht gut gewachsen. Er ist sportlich, aber nicht übermäßig muskulös, eine gute Mischung aus Beidem. Man sieht ihm an, dass er oft zur Muki-Budi geht. Er wiegt so um die 78kg, also Normalgewicht und hat definitiv einen Knackpo. Er hat recht markante Gesichtszüge, ein markantes Kinn und eine verhältnismäßig große Nase (nicht zu groß). Seine Stirn ist normal groß und seine Wangenknochen sind recht stark ausgeprägt. Seine Ohrläppchen sind nicht angewachsen, seine Augenbrauen recht kräftig aber nicht buschig, seine Wimpern ungewöhnlich lang. Seine Oberlippe ist eher schmal, seine Unterlippe fast doppelt so dick, weich und rosig. Sein Haar ist aufgestylet, meist mit Gel, aber trotzdem nicht sonderlich lang. Intim ist er recht gut bestückt und liegt knapp über dem Durchschnitt. Im großen und Ganzen wird er als sehr gut aussehend empfunden.
Wenn ich das in einer Geschichte geschrieben hätte, wärst du vor Langweile doch beinahe eingeschlafen oder nicht? Also bitte darauf verzichten. Es bringt einfach nichts.

Seine Kleidung

So, jetzt kennen wir seinen Körper besser und können damit auch Aussagen über seinen Kleidungsstil treffen. Trägt er hautenge Sachen, um seine Muskeln, Po, Busen zu betonen? Oder eher weitere Sachen, um sein Übergewicht zu verstecken? Lange Hosen oder Röcke? Hemd oder Pullover? Turnschuhe oder Absätze? Du musst es wissen, du bist heute Gott.


Schmuck

Dieser Punkt trifft gewiss nicht auf alle Menschen zu, aber manche tragen halt Schmuck und wenn sie es tun, musst du es wissen und auch sagen können, um welchen es sich handelt. Sei es nun ein Ohrring oder ein Ganzkörpertattoo. Dazwischen gibt es unglaublich viele Abstufungen. Auch keinen Schmuck zu tragen ist ein Statement. Wie sagte ein berühmter Psychologe so treffend: “Du kannst nicht nicht kommunizieren“. (Sollten manche hier auch aus dem Deutschunterricht kennen :D)

Das besondere Merkmal

Einer der wohl wichtigsten Punkte.
Du weißt jetzt fast alles über das Aussehen deines Charakters. Aber wenn du deinem Leser aber das alles bei der ersten Gelegenheit vor den Latz knallst, wird er entweder einschlafen oder dich in deinen Alpträumen heimsuchen.

Bis jetzt sind es einfach nur alles Dinge, die du wissen musst, um deinen Charakter authentisch zu gestalten. Aber deinen Leser interessiert es wirklich einen Sc****dreck.
Und deswegen überlegt man sich ein besonderes Merkmal, das dem Charakter einen einzigartigen Wiedererkennungswert verpasst und gleichzeitig bei Verwendung das Vertrauen des Lesers zum Schriftsteller stärkt.

Wenn von einer blitzförmigen Narbe die Rede ist, denkt auch jeder direkt an Harry Potter. Also sei kreativ und überleg dir etwas. Bei meinem Beispiel Charakter kann es zum Beispiel das bunte Hawaii-Hemd sein, dass seine lustige Natur und Lässigkeit ausdrückt.

Außerhalb des Alltags

Jetzt weißt du wie dein Charakter sich normalerweise kleidet und wie er aussieht. Aber wie steht es, wenn er auf Partys geht? Oder wenn er arbeiten muss? Wenn auf irgendeiner Tanzveranstaltung ist usw.. Aber auch wie schläft er? Nackt, mit Unterwäsche oder aber mit Pyjama? Oder aber auch wie ist es im Winter, wenn er keine dünnen Sachen mehr anziehen kann?

Schreibt es auf, ihr müsst schließlich wissen, wie eure Figur aufwacht oder?


An dieser Stelle empfiehlt es sich einen Charakterbogen zusammenzustellen in dem alle Informationen enthalten sind, die ihr anhand dieses und der vorherigen Schritte erarbeitet habt.

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« Antwort #7 am: Juni 11, 2010, 04:00:23 Nachmittag »
Die Vergangenheit

Bis hierhin weißt du wie dein Charakter heißt, welchen Stil er hat, wie er sich kleidet und welchen Eindruck er hinterlässt.

Langsam wird es aber Zeit vom Äußeren weg zu kommen und die leere Hülle endlich mal mit ein wenig Leben zu füllen. Und was eignet sich dafür besser als die Geburt selbst?
In diesem Abschnitt werden wir der Figur eine Vergangenheit geben. Wo wurde er geboren? Wo hat er gelebt? Wie hat er gelebt? Was hat ihn geprägt?


Die Forscher und Philosophen sind sich uneinig, aber eins ist Fakt: Die Vergangenheit prägt deinen Charakter in einem sehr hohen Maß. Alle Ereignisse in der Vergangenheit können starken Einfluss auf die Gegenwart der Geschichte haben, so hat dein Charakter bestimmt Angst vor engen Räumen oder Höhen, wenn er als kleines Kind mit seiner hysterischen Mutter in einem Fahrstuhl stecken geblieben ist.

Aber darum soll es jetzt erstmal nicht gehen. Die verschiedenen Möglichkeiten, wie der Charakter darauf reagieren kann, werden später noch einmal besprochen. Hier in diesem Kapitel geht es allein darum, was bis jetzt überhaupt in seinem Leben passiert ist. Nackte Fakten, der Einfluss auf die Figur kommt erst später dran.

Wenn die Ideen natürlich schon fließen, dann verstoße sie nicht, sondern mach dir eine Randnotiz, aber beschäftige dich nicht weiter damit. Wenn du nicht wissen solltest, wie der Charakter dazu steht, dann auch gut, das kommt später von ganz alleine.

Herkunft

Die hatten wir ja schon bei der Namensgebung und bei dem Aussehen angesprochen. Du weißt also schon welche Nationalität er hat, aber das klärt nicht unbedingt die Frage wo er wirklich herkommt. Wo wurde er geboren? Staat? Land? Ort? Krankenhaus? Auf der Straße? In der Mittelschicht oder in die High Society?

Dem schließt sich dann die Frage an, wie sein Wohnverhalten ist. Hat er beständig an einem Ort gelebt? Oder ist er ständig umgezogen? Wenn ja, immer nur im gleichen Gebiet oder quer über die gesamte Welt? Wie oft ist er dann umgezogen?

Zitat
Connor Seger
wurde am 1. April 1991 in Bonn geboren. Seine Eltern wohnten zu der Zeit beide zusammen in einem typischen Einfamilienhaus. Die Geburt verlief früher als geplant. In einem benachbarten Krankenhaus wurde ein Kaiserschnitt ohne Komplikationen durchgeführt. Er lebte immer mit seinen Eltern zusammen in Bonn. Nur einmal sind sie von einem kleineren in ein größeres Haus umgezogen.

Familie, Freunde und andere Einflüsse

Das, was viele Menschen wohl am Meisten prägt, ist ihre Familie, selbst dann, wenn sie nie eine hatten. Danach kommen direkt die Freunde und Bekannten, die soenannte "Peergroup".
Du musst dir hier also überlegen, wo diese Personen wohnen, ob überhaupt Kontakt besteht, wenn ja, dann wie regelmäßig, wie intensiv und wodurch? Wie heißen diese Kontakte? Wo wohnen sie? Und wie stark ist ihr Einfluss auf die Figur?

So, und hier ist ein weiterer Knackpunkt, warum ich gesagt habe, dass dies nichts für Minimalisten ist. Ich empfehle für jeden Charakter, der wirklich großen Einfluss auf den Protagonisten hat, einen eigenen Charakterbogen anzulegen. Auch diese Figuren brauchen ein Leben, damit deren Einfluss für den Leser auch authentisch wirkt.
Sie brauchen natürlich nicht ganz so ausführlich zu sein, aber das wichtigste zu jeden Punkten sollte schon drin stehen.

Du musst dir also folgende Fragen stellen: Hat er Geschwister, Großeltern, Tanten, Onkel? Welche Beziehung hat er zu ihnen? Mag er sie? Wie stehen sie zu ihm? Hatte er früher viele Freunde? Wie heißen die, wo kommen sie her, was für Menschen sind das? Wer war/ist seine engste Kontaktperson? Hatte er einen Rivalen? Wer oder was hat ihn geprägt? Musik? Ein Mensch? Ein Lehrer?

Sollte es solche Charaktere geben, kann ich euch aber beruhigen. Man könnte vielleicht den Gedanken bekommen, dass diese Unmengen an Charakterbeschreibungen nicht zu bewältigen sind und so Gefahr läuft aus seiner Figur einen sozialen Außenseiter zu machen, aber das ist Quatsch.
Oft reichen für Charaktere die nicht selbst in der Geschichte vorkommen einfach nur ein paar Stichworte oder ein Satz als Erinnerungsstütze völlig aus.

Zitat
Connor Seger
hat keine Geschwister. Seine Eltern heißen Susan (geborene Millmann) und Jack Seger. Das Verhältnis war immer recht gut. Er musste zwar ständig hohen Erwartungen entsprechen und war der Stolz der beiden, aber sie haben ihn nie unnötig unter Druck gesetzt. Zu Verwandten bestand jedoch wenig Kontakt, seine Mutter hatte sich nach ihrer Heirat von ihrer Familie distanziert, aus der Familie des Vaters lebt nur noch seine Schwester, Brigitte Seger, die sich die meiste Zeit des Jahres in Amerika aufhält. Mit ihr hat Connor eine sehr innige, freundschaftliche Beziehung und fragt sie oft über das Internet oder über Telefon um Rat.
In der Schule war er immer sehr beliebt. Sein bester Freund war und ist Mike Landmann. Sie haben alles zusammen unternommen, sogar studiert. In der Schule hingen sie immer zusammen mit Michael Weber und Tom Starkel, aber das verlief sich kurze Zeit nach dem Abitur.


Ausbildung und Beruf

Simpel aber wichtig. Kann dein Charakter schreiben? Nein? Dann wird es ihm wohl sehr schwer fallen, einen Job zu finden oder allgemein seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Hat er studiert? Ja? Hat er einen Doktor? Ist er dabei oder macht er sogar seinen Professor? Oder hat er eine Ausbildung? Ja? Welche? Mit einer kaufmännischen Ausbildung wird er nicht bei einem chemischen Labor antanzen können.

Die Bildung ist das Fundament auf dem das Leben der Figur aufbauen wird. Überleg dir also gut, welche Bildung er haben soll.
Welchen Schulabschluss hat er, wenn er überhaupt einen hat. Wie ist sein Abitur ausgefallen?
Hat er irgendwelche Zusatzqualifikationen, Fortbildungen oder andere Zeugnisse vorzuweisen, einen Motorradführerschein zum Beispiel oder einen Schwarzen Gurt in Judo? Ist er anerkannter Rettungsschwimmer?

Zitat
Connor Seger
machte sein Abitur im Alloisiuskolleg für Jesuiten, in Bonn und möchte danach Sprachwissenschaften an der Bonner Universität studieren. Seine Noten sind durchschnittlich und er läuft nicht Gefahr, sitzen zu bleiben. In seiner Freizeit hat er sich in allen Sportarten versucht. Seine Eltern wollten ihn immer zu Fußball überreden, aber am Ende ist er immer wieder beim Schwimmen und der Muki-Bude geblieben.


Liebe, Sex und Zärtlichkeit

War dein Charakter jemals so richtig verliebt? Was könnte einen Menschen mehr prägen als tiefe Emotionen? Ganze Existenzen sind schon an einer unerwiderten Liebe gescheitert. Vielleicht geht es in deiner Geschichte sogar genau darum (siehe anfängliches Beispiel). Aber selbst wenn nicht, du solltest wissen wie es um die Gefühle deines Charakters steht. Ist da jemand in seiner Vergangenheit, dem er immer noch nachtrauert? Oder ist er ein eiskalter Macho?

Dann ist da noch “das erste Mal“, hat es das schon gegeben? War es grandios, ist es einfach nur passiert oder war es sogar ein voller Reinfall? Wie oft hat dein Charakter Sex und mit wem? Sind es immer nur feste Beziehungen, geht es um Zärtlichkeit oder kann es auch Mal eine Prostituierte sein? Oder ist es das sogar regelmäßig?

Wenn er ein Casanova ist, dann solltest du nur die Anzahl wissen, aber wenn er erst ein paar Freundinnen hatte, ist eine kleine Liste mit ihren Namen und wichtigen Eigenschaften vielleicht hilfreich. Erinnere dich, du brauchst keinen ausführlichen Bögen für sie zu entwerfen, wenn sie nicht direkt in der Geschichte vorkommen. Ein paar Stichwörter reichen völlig aus.


Außergewöhnliches

In jedem Leben gibt es etwas außergewöhnliches, das passiert ist. Es kann sein, dass es etwas ist, das jeder für außergewöhnlich hält. Vielleicht hast du einen Flugzeugabsturz überlebt oder eine Bank ausgeraubt.
Aber es gibt auch Dinge, die nur für dich etwas außergewöhnliches sind. Vielleicht hast du das Mädchen angesprochen, in das du schon immer verliebt warst, vielleicht bist du Aufzug gefahren obwohl du Platzangst hast, oder vielleicht hast du deinem Erzfeind die Meinung gegeigt.

Hier geht es nicht in erster Linie um wirkliche Leistungen oder Nahtoderfahrungen, sondern um Dinge, die deinen Charakter bewegt und geprägt haben. Was war das Größte, Beste, Schönste, Tollste, das ihm je widerfahren ist? Und was war das Schlimmste, Fieseste, Schrecklichste?


Anmerkung am Rande:

Die Recherche kann (und wird) auch helfen einen glaubhaften Charakter zu erstellen. Die genannten Schulen bzw. die Universität gibt es wirklich und bietet auch diese Fächer an. Das Leben des Charakters steht also auf festen Füßen, natürlich existiert er selbst nicht, aber es wäre möglich, dass er existiert.
« Letzte Änderung: November 05, 2010, 10:21:06 Nachmittag von LovingMusic »
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Re: Die Charaktererstellung
« Antwort #8 am: Juni 11, 2010, 04:00:42 Nachmittag »
Einstellung & Gesinnung

In diesem Teil wird es größtenteils darum gehen, wie der Charakter eingestellt ist und wie er es mit sich selbst so aushält. Was sind seine Hobbies? Was macht er den ganzen lieben langen Tag lang, wenn er nicht gerade im Plot eurer Geschichte steckt? Bei was geht er an die Decke und was liebt er? Wie ist seine Einstellung zum Leben?


Vorlieben und Abneigungen

Was macht dein Charakter gerne? Woran hat er Spaß? Trifft er sich gerne mit Freunden, oder mag er sich lieber den ganzen Tag alleine seinen Gedanken nachzuhängen?

Am einfachsten ist es diesen Fragen auf den Grund zu gehen, wenn man sich das ganze als erstes selbst fragt. Was sind deine Vorlieben, was magst du an anderen Menschen?

Warum das wichtig ist? Ganz einfach, damit du deinen Charakter wirklich kennen kannst, musst du wissen wie er denkt über bestimmte Sachen denkt. Erst dann kannst du wirklich vorhersagen, wie er sich verhalten wird!

Was bringt ihn zum Brodeln? Was hasst er und was liebt er? Was weckt tiefe Emotionen? Was für Musik mag er? Das kreischen eines Metalers gefällt vielleicht seinem Nachbarn, aber er kann es nicht mehr hören und geht deswegen regelmäßig in die Luft. Ein bekannten Beispiel ist auch der Nachbar, der lautstark mit seiner Freundin Sex hat. Freut er sich für die beiden und schläft einfach ein, oder regt es ihn unheimlich auf und er schlägt wild gegen die Wand? Oder reagiert er völlig anders?

Wie ist es mit seinen Lieblingsfarben? Seinem Lieblingsmuster? Und so weiter und so fort.

Hat er Hobbies? Wenn ja welche? Wo, wann, wie, mit wem, warum betreibt er sie?

Kleine Laster & Co.

Wie steht es mit seinem Appetit? Ist er das kleine Schleckermaul, das keine Schokoladentafel liegen lassen kann, der totale Fast Food Junky oder überzeugter Vegetarier? Denk immer daran, dass selbst so kleine Entscheidungen Einfluss auf deine Geschichte haben werden.
Wie sieht es zum Beispiel mit Allergien aus? Hat er eine gegen Gräser so wird er im Sommer von Heuschnupfen geplagt und kann bei weitem nicht mehr seine normalen Leistungen erbringen.

Wo geht er am liebsten feiern? Wo übt er seine Hobbies aus? Sollten dir diese Fragen gestellt werden, kannst du wahrscheinlich wie aus der Pistole geschossen antworten, aber kannst du das auch für deinen Charakter? Nein? Dann solltest du diesen Schritt gründlich bearbeiten.

Was mag er? Was kann er nicht leiden?
Wie steht er zu Männern/Frauen? Macht er gerne neue Kontakte oder ist er eher der Einzelgänger? Gibt es Eigenschaften, die er absolut nicht leiden kann oder in die er sich sofort verliebt? Welchen Typ Mann/Frau findet er sympathisch und welchen unsympathisch?
Wie steht er zum Thema Sex? Ist es ein No - Go Thema oder steht er öffentlich zu seinen Fetischs/Fantasien und schämt sich nicht dafür? Lebt er sie ungezwungen aus? Was erwartet er in dieser Hinsicht von anderen?

Was ist mit Drogen, Aufputschmitteln und Alkohol? Verurteilt er sie aufs schärfste oder nimmt er sie regelmäßig? Wie steht er dazu? Wurde ihm vom Arzt ein Medikament verschrieben, dass er nehmen muss?

Ich kann hier weiß Gott nicht alle Themen abdecken und euch fragen wie euer Char zu jeder Einzelheit in seinem Leben steht, also seid kreativ und geht dabei am besten an eurem eigenen Leben entlang.

Der Alltag mit seinen Gewohnheiten

"Der Mensch ist ein Gewohnheitstier."
Also wie steht es mit deinem Charakter? Was sind seine Gewohnheiten?
Was macht er z.B. als erstes wenn der Wecker klingelt? Hat er überhaupt einen Wecker, oder hat er sich angewöhnt mit den ersten Sonnenstrahlen aufzustehen? Wenn er aufwacht, was macht er dann? Wirft er seinen Wecker quer durchs Zimmer, damit das blöde Ding endlich Ruhe gibt, dreht er sich erst einmal drei bis vier mal um, verkriecht sich unter der Decke und schläft noch einmal ein, oder steht er direkt auf und ist top fit? Wann steht er auf? Und wann geht er dann wieder ins Bett? Wie ist es am Wochenende, wenn er lange schlafen kann? Kann er das überhaupt oder muss er da auch früh raus?

Wie ist es um seine Hygene bestellt? Duscht oder badet er? Wie oft tut er es und wann? Wäscht er sich die Hände, wenn er von der Toilette kommt? Wie verrichtet er es als Mann? Im Stehen pinkeln oder doch lieber im Sitzen? Wie ist es mit seiner Wäsche? Wechselt er sie täglich? Wenn nicht, was ist dann mit der Unterwäsche? Immer sauber, oder kann sie auch mal müffeln?
Liegt sie chaotisch verstreut im gesamten Haus rum, oder legt er sie immer gleich in den Wäschekorb und wäscht gewissenhaft?
Sind Spülmaschine, Trockner und Waschmaschine im regelmäßigen Einsatz? Hat er überhaupt welche oder spült/wäscht/trocknet er von Hand oder lässt es wo anders machen?

Hat er irgendwelche Ticks? Irgendwelche zwanghaften Verhaltensmuster? Z.B. einen Sauberkeitswahn und Angst vor Bakterien? Oder verspürt er immer einen Drang sich die Hände oder Füße zu waschen? Macht ihn ein Dreitagebart nichts aus, oder kann er ihn zum verrecken nicht leiden und rasiert sich jeden Morgen? Was macht er den ganzen Tag lang? Wie macht er es, wann macht er es und wo macht er es?
Und ganz wichtig, was würde er nie machen?



Die Gesinnung

Nein wir befinden uns hier nicht in einem schelchten Computerspiel oder einer Fernsehserie für Kinder. Gesinnung bedeutet sehr viel mehr als nur "Gut" und "Böse".
Es ist viel mehr der Standpunkt im Leben, die Auffassung von Gut und Böse.

Wie steht dein Charakter also zur Politik? Findet er, dass alle Politiker Vollidioten sind, oder glaub er, dass sie einen guten Job machen? Findet er Politik überhaupt wichtig oder ist sie ihm egal? Was ist mit Kindern? Mag er sie? Oder hat er kein Problem damit sich Bilder von Kinderarbeit im Osten anzusehen? Ist er vielleicht radikal? Wie steht er zum Fortschritt? Unnötig? Schlecht? Gut?
Ist er sozial? Schließt er gerne neue soziale Kontakte oder ist er der Eremit aus dem Bilderbuch?

Wir hatten uns ja schon über den Stil unterhalten. Gibt es bestimmte Gruppen in denen du ihn einordnen würdest? Metaler? Rocker? Punk? Hopper? Diva? Emo? Transvestit oder "Schwuchtel"? Hat er bestimmte Voruteile gegen andere Gruppen? Ist er Rassist? Oder kann er nur Leute mit bestimmten Eigenschaften nicht leiden?

Wie steht zum Thema körperiche Fittness? Sport = Mord? Da kann man direkt noch einmal drüber nachdenken wie es nun um seine Ernährung bestellt sein soll. Stopft er alles wahllos in sich hinein oder achtet er darauf, was er isst?

Ist er religiös? Wenn ja wie stark? Welcher Glaubensrichtung gehört er an? Ist er Christ, Jude oder der nächste Buddha? Ist er Atheist, ist es ihm völlig egal, oder mag er nur die Verschriftlichungen des Glaubens (Bibel, Kouran) nicht? Akzeptiert er Leute mit anderem Glauben?

Es mir unmöglich hier alle Fragen zu stellen, aber ich bin mir sicher, dass du zu diesem Punkt bereits weißt, was wirklich wichtig für deinen Charakter ist.


Ziele und Wünsche

Was treibt deinen Charakter an? Was ist sein sehnlichster Wunsch? Was will er in seinem Leben erreichen? Wo will er leben, wie soll seine Karriere aussehen? Wie wichtig ist ihm Geld und was würde er mit dem Lotto Hauptgewinn anstellen?

Was ist sein Sinn des Lebens? Was ist sein höchstes Glück?



So jetzt darf ich dich beglückwünschen. Wenn du bist hierhin durchgehalten hast, hast du ein Drittel des Kurses geschafft und hast nun einen groben Gesamteindruck von deinem Charakter. Dieser letzte Schritt ist nun dein Tor zu seiner Gedankenwelt. Du musst diesen Schritt gewissenhaft bearbeitet haben, damit du herausfinden kannst, wie dein Charakter tickt und was er in welcher Situation denkt.
« Letzte Änderung: Juni 12, 2010, 09:23:00 Nachmittag von Ryoki »
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Re: Die Charaktererstellung
« Antwort #9 am: Juni 11, 2010, 04:00:47 Nachmittag »
Die Konstitution
Triathlon? Ist doch was für Schlappis...

In diesem Teil geht es um die körperliche Verfassung eures Charakters. Warum dem ein ganzer Punkt gewidmet wurde? Ganz einfach, weil dem Charakter durch seine körperlichen Fähigkeiten Grenzen gesetzt sind. Eine 2 Meter Kante kann vielleicht ohne Probleme etwas schweres Heben, aber dafür passt er unter keinen Umständen in einen engen Lüftungsschacht.


Die Kraft

Wurde ja oben schon angesprochen. Wie stark ist dein Charakter? Kann er ohne Probleme 90 kg stemmen oder geht ihm schon die Puste aus, wenn er einen Kasten Mineralwasser die Treppe herunter tragen muss?
Hier gilt auch wieder, dass es am einfachsten ist, wenn man von sich selbst aus auf den Charakter schließt. So erhält man eine vernünftige Relation. Also wie stark bist du? Um das herauszufinden kannst du z.B. das mit dem Wasserkasten ausprobieren. Ist so ein voller Kasten mit 9 vollen Wasserflaschen ein Fliegengewicht für euch oder eine ernsthafte Herausforderung?

Die Ausdauer

Hier gilt das selbe wie bei der Kraft. Wie ausdauernd ist dein Charakter?
Wie weit kannst du rennen ohne aus der Puste zu kommen? Was schaffst unter aller größter Anstrengung und wann ist bei dir endgültig Schluss? Wie lange braucht ihr für 5 km? Schafft ihr es überhaupt? Also ich nicht ohne am Ende völlig tot zu sein. Wisst ihr dies könnt ihr auch auf euren Charakter schließen.


Also? Wie sportlich ist euer Charakter?

Die körperlichen Grenzen

Alte Menschen haben es oft mit den Gelenken und können nur schwerlich rennen oder gar Treppen steigen. Kleine Kinder kommen unter Umständen vielleicht nicht einmal an die Türklinke, wenn es schellt, passen dafür aber wunderbar in enge Räume. Manche sind so riesig und massig, dass sie nur einen Faustschlag brauchen um jemanden zu Boden zu schicken, aber dafür werden sie oft Probleme mit Platz und Türen bekommen.

Wo sind also die körperlichen Einschränkungen deines Charakters?

Ist er vielleicht sogar blind, taub oder in irgendeiner anderen Form benachteiligt? Muss er den ganzen Tag in einem Rollstuhl verbringen? Läuft er mit Krücken?

Wenn euer Charakter solch Einschränkungen hat, müsst ihr aber auch sichergehen, dass ihr wisst, was das bedeutet. Mit anderen Worten: Ihr müsst/solltet Erfahrungen sammeln. Wenn euer Charakter blind ist, dann lauft doch mal eine Zeit lang mit einem Tuch vor den Augen durch die Gegend.
Aber ihr solltet aufpassen. Das kann unter Umständen ganz schön gefährlich sein und ich möchte nicht plötzlich eine Klage wegen Ermutigung zur Selbstverstümmelung am Hals haben. ;-)



Das Wohlbefinden

Wie steht es mit eventuellen Krankheiten deines Charakters? Ihr müsst nicht die ganze Krankengeschichte auswendig kennen, aber ihr solltet wissen, ob er schnell krank wird oder ob das Schlimmste, was er jemals bekommen hatte eine mikrige Erkältung war. Jemand der oft und schnell krank wird, wird wohl eher schwächlich sein, hat sich vielleicht sogar AIDS eingefangen und wird vielleicht auch weniger Selbstvertrauen/Selbstzufriedenheit haben, als jemand, der so gut wie immer kerngesund ist.

Vergesst hier auch nicht die Allergien. Jemand mit Heuschnupfen hat in den warmen Jahreszeiten eindeutig ein schwereres Leben als jemand ohne.

Ihr solltet euch auch überlegen wie es mit Verletzungen aussieht. Hatte er schon einmal ein Bein gebrochen? Oder die Nase? Hat er noch seine Mandeln und seinen Blinddarm oder wurden die bereits entfernt? Wenn ja, war es provisorisch oder weil sie sich schon stark entzündet hatten?


Die Körperbeherrschung

Was kann dein Charakter gut und was kann er gar nicht? Manche können ohne lange zu üben einen Vorwärtssalto oder einen Flickflack hinlegen, während andere noch nicht einmal einen Handstand oder gar eine vernünftige Vorwärtsrolle hinkriegen. Andere sind Schlangenmenschen ähnlich und extrem gelenkig. Andere können ohne große Mühe mehrere Meter weit springen, wo andere nur staunen können.

Dann gibts auch solche, die dank ihrer Gene besondere Tricks auf Lager haben. Es gibt Leute die können ihre Zunge rollen oder falten. Ich kann z.B. mit den Ohren wackeln.

Also was kann dein Charakter besonders gut und was kann er gar nicht?
« Letzte Änderung: Juni 17, 2010, 01:38:13 Nachmittag von Ryoki »
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Re: Die Charaktererstellung
« Antwort #10 am: Juni 11, 2010, 04:00:51 Nachmittag »
Das Köpfchen
Weltformel? In der Mittagspause.

Hier geht es darum wie schlau bzw. dumm euer Charakter ist. Das Allgemeinwissen und das Fachwissen hat großen Einfluss auf die Fähigkeit des Charakters zu kommunizieren. Ein Bauer wird sich schlecht mit einem Brückenbauer über die Tragkraft von speziellen Konstruktionen unterhalten können.
Aber auch dem Schulabbrecher wird es unter Umständen schwierig fallen einer Diskussion zwischen Gymnasiasten zu folgen.


Das Allgemeinwissen

Im Moment geht es nur darum festzulegen wie gut das allgemeine Wissen eures Charakters ist. Stellt euch vor er würde bei "Wer wird Millionär" sitzen. Was schätzt ihr, wie weit würde er kommen? Und was für eine Frage, aus welchem Themengebiet würde das Ende für ihn bedeuten?

Eine etwas genauere Möglichkeit das Wissen festzulegen wäre dies:
Stellt euch vor, ihr stellt eurem Charakter 10 Fragen zum Allgemeinwissen. Wenn er davon
0-3 weiß ist er strohdoof
4-6 weiß, befindet er sich im gesunden Mittelfeld und bei
7 - 10 ist er ein kleines Genie.

Lasst mich hier anmerken, dass für einen "normalen" Charakter die beiden Extreme (0-3/8-10) möglichst vermieden werden sollten. Ein strohdoofer oder ein super schlauer Charackter ist immer schwierig glaubwürdig in Szene zu setzen, ohne dass der Leser nach einer Zeit genervt oder gelangweilt ist.

Abgesehen davon gibt es auch immer Fragen auf die du sofort, wie aus der Pistole geschossen antworten kannst. Wie stehts mit deinem Charakter? Kann er dir das Massenwirkungsgesetz im Schlaf rauf und runter rattern? Und wie schauts aus, wenn gerade aufgewacht ist? Was für Fragen kann er beantworten, wenn seine grauen Zellen gerade erst anfangen warm zu werden?


Das Fachwissen

Hier gibts eine ganz einfache Regel. Schreibe niemals über etwas, wovon du keine Ahnung hast!
Ist dein Charakter ein Physiker auf dem höchsten Level, dann stell sicher, dass du weißt, was solch ein Physiker können muss. Auch wenn es viel verlangt ist, das Optimum ist erreicht, wenn du als Autor mehr über das Fachwissen deines Charakters weißt, als er selbst.
Du willst einen kompetenten Manager darstellen? Dann schau dir an, was der Beruf erfordert, beschaff dir Material und interviewe am besten jemanden mit Praxiserfahrung.
Du kannst nie genug über deinen Charakter wissen. Aber dein Charakter kann niemals mehr wissen als du!


Noch kein Genie ist vom Himmel gefallen

Wie ist dein Charakter zu seinem Wissen gekommen? Wurde es ihm von seinen Eltern eingetrichtert bis er kotzen musste? Dann ist es wahrscheinlich, dass er das erlangte Wissen nur ungern verwendet, sobald die Eltern den Einfluss auf ihn verloren haben.
Liebte er in der Schule das Fach Deutsch? Dann ist es wahrscheinlich, dass er recht gut schreiben kann. Wenn er Mathe mochte, dann kann er wohl auch gut rechnen.
Leute tendieren in den Sachen gut zu sein, die sie interessieren.

Niemand ist perfekt

Weder dieser Guide, du, ich, mein Kaninchen und schon gar nicht dein Charakter. Jeder Mensch hat Schwächen. Ausnahmslos! Er kann nicht auf jede Frage sofort die Antwort wissen, kann nicht wissen wie man jede schwierige Situation meistert und er kann auch nicht jeden Konflikt auf Anhieb lösen!
Schwächen und Fehler machen die Charaktere erst wirklich interessant. Niemand will wissen wie Mr. Perfect seine 1337 te Frau rumgekriegt hat. Der bucklige Glöckner, der sich in die schöne Zigeunerin verliebt, ist da doch gleich viel interessanter, oder nicht?

« Letzte Änderung: September 02, 2010, 09:08:14 Nachmittag von Ryoki »
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Re: Die Charaktererstellung
« Antwort #11 am: Juni 11, 2010, 04:00:55 Nachmittag »
Das soziale Umfeld

Wir haben uns ja bereits mit der Vergangenheit des Charakters auseinandergesetzt und nun wird es Zeit auf das Hier und Jetzt einzugehen. Wie steht es mit seinem Freundeskreis und wie verhält es sich mit seiner Arbeit? Hat er überhaupt eine, oder ist er arbeitslos? Hat er Feinde oder ist er ein beliebter Typ, der sich mit der gesamten Stadt verträgt?


Die Arbeit

Vielen ist nicht klar, wie wichtig die Arbeit für den Charakter ist. Philosophen haben ganze, bücherfüllende Theorien zu dem Verhältnis von Arbeit und Mensch aufgestellt, also erwartet nicht, dass ich hier ins kleinste Detail gehe.
Man muss unterscheiden zwischen der Arbeit an sich, wie gerne der Charakter sie ausführt, ob sie fordernd ist, oder nur aus Fließbandarbeit besteht und dem finanziellen Aspekt. Hier ein Beispiel anhand des Fließbandarbeiters

Ein Fließbandarbeiter tendiert dazu unzufriedener zu sein, weil er 1. keinen Spaß bei der Arbeit hat und 2. nur schlecht bezahlt wird. (Je nach Charakter können hier noch andere Punkte mit einfließen, aber das könnt ihr zu diesem Zeitpunkt besser beurteilen, als ich.) Dafür ist aber vielleicht der Stress, der von der Arbeit ausgeübt wird nicht so groß. Immerhin muss immer nur bestimmte Handgriffe ausführen, die keine bestimmten Fähigkeiten erfordern und mit ein wenig Übung auch stressfrei zu bewältigen sind.
Da muss man jetzt allerdings den finanziellen Aspekt beachten. Der Lohn wird nicht unbedingt sehr hoch sein, also kann es durchaus passieren, dass die Bezahlung für die Umstände unter denen der Charakter lebt nicht ausreicht. Das bedeutet auch wieder Stress für den Charakter, der sich entweder darin äußerst, dass er einen weiteren Job annehmen muss oder in Schulden gerät und dabei psychisch belastet wird. Die genauen Auswirkungen müsst ihr selbst festlegen. Nur ihr kennt euren Charakter gut genug, um zu wissen, wie er das handhaben wird.

Im Gegensatz dazu steht z.B. ein Manager einer Topfirma. Er hat Leute unter sich, die er koordinieren muss, muss Geschäfte abschließen, trägt einen Haufen Verantwortung und muss bestimmte Erwartungen, die von der Geschäftswelt gestellt werden erfüllten.
Dort ist Stress im Job integriert. Der Charakter muss Erwartungen gerecht werden, seinen Job erfüllen und gleichzeitig die Verantwortung für seine Taten übernehmen und das in einem Maßstab, den der Fließbandarbeiter in seinem ganzen Leben niemals kennen wird.
Und natürlich ist die Bezahlung um Welten besser, was nicht nur einen Einfluss auf den Charakter an sich, sondern auch auf das soziale Umfeld hat.


Eine Gemeinsamkeit bei beiden Arbeiten stellt jedoch die Tatsache dar, dass der Charakter in beiden Jobs Kollegen und Vorgesetzte hat. Diese sind aber auch keine leeren Puppen, sondern haben ihren eigenen Charakter, ihr eigenes Leben, wodurch die Möglichkeiten besteht, dass sie bei der Interaktion mit dem Charakter entweder freundlich, feindlich oder neutral sind.
Wie ist das Arbeitsklima im Job? Hat der Charakter Konkurrenten/Feinde? Hat er Freunde auf der Arbeit, mit denen er sich zum Bowlen verabredet? Oder ist gar seine Freundin die Sekretärin [...]?

Wie sind die Arbeitszeiten? Hat er Zeit für seine Familie, falls er eine haben sollte? Kann er gut im Team arbeiten oder ist er der lonesome Rider? Macht er öfters Überstunden? Oder ist froh, wenn er endlich Zuhause ist? Usw...


Das Liedchen vom Geld

Anhand der Bezahlung sind viele Dinge festzumachen, die die soziale Stellung, wie auch den Lebensstandard betreffen. Ein Fließbandarbeiter wird wohl niemals im Reichenviertel der Stadt wohnen, wo die kleinste Villa eine Miete von 300.000 € hat.
Wohnung, Wohnort und Job stehen in direktem Zusammenhang. Also überlegt euch an dieser Stelle, wie und wo euer Charakter wohnen soll. Ihr könnt gerne ins Detail gehen. Der Fließbandarbeiter wird wohl eher in einem ärmlicheren Viertel wohnen und die Einrichtung der Wohnung ist garantiert auch nicht so prächtig. Wahrscheinlich wird er eher von einem neuen Duschkopf, als von vergoldeten Wasserhähnen träumen.
Es ist eine gute Idee an dieser Stelle die Wohnung des Charakters ganz genau zu beschreiben. Es sollte euch mittlerweile nicht mehr schwer fallen die Wohnung dem Geldbeutel und dem Geschmack entsprechend einzurichten.

Beachtet dabei die Vorlieben des Charakters, so wie auch seine Fähigkeit mit Geld umzugehen. Jemand der sein Geld für den erstbesten Schrott aus dem Fenster schmeißt, wird wohl mit dem gleichen Geld eine andere Einrichtung haben, als jemand der geduldig auf seine Traumeinrichtung spart.



Der Charakter in der Gesellschaft

Dieser Punkt ist nur bedingt wichtig. Besser gesagt ist er nur wichtig, wenn dein Charakter prominent, politisch engagiert oder ein Geschäftsmann ist.
Wie wird er gesehen? Als Wohltäter oder als Taugenichts, oder gar als Krawallschläger? Wird sein Gesicht überhaupt auf der Straße erkannt? Oder ist er ein normaler Mensch, wie du und ich? Wie reagiert man, wenn man seinen Namen hört?

Etwas allgemeiner, was auch für andere, nicht prominente Charaktere wichtig ist: Wie integriert er sich selbst in die Gesellschaft? Kommt er mit seinen Briefträgern gut aus, oder hält er sich extra eine Bulldogge... Oder vielleicht kennt die Postboten ja doch mit Vornamen und hält jeden Morgen ein kurzes Schwätzchen mit ihnen. Und beruht dies auf Gegenseitigkeit? Oder ist er einfach nur nervig, weil er keine Freunde hat?


Freunde und Feinde

Mit welchen Leuten aus seiner Vergangenheit hat dein Charakter noch Kontakt? Vielleicht ist das kleine Mädchen, mit dem er früher immer gespielt hatte, ja jetzt zu seiner Frau geworden? Oder aber der beste Freund von damals ist nun zu dem größten Arschloch mutiert, das dein Charakter kennt.
Wie stehts mit der Familie? Hat er regelmäßig Kontakt zu seiner Mutter, seinem Vater und/oder seiner Schwester?

Wer kann ihn leiden, wer wünscht ihm die Pest an den Hals? Wie sehen die Beziehungen im Einzelnen aus? Gibt es sowas wie "Hasslieben"? Oder ist jegliche Liebesbeziehung und Freundschaft nur vor geheuchelt?
Versucht er den Konflikten mit seinem Umfeld aus dem Weg zu gehen, oder sucht er den offenen "Kampf"?



Fazit:

In diesem Teil solltest du nun so weit gekommen sein, dass du weißt wer dein Charakter zu Beginn deiner Geschichte ist. Was kommt dabei raus, wenn man ihn fragen würde: "Wer bist du?"
Darauf sollte er nun eine detaillierte Antwort geben können.
Du solltest dir auch im Klaren darüber sein, was dein Charakter zu Beginn deiner Story macht, wie es um ihn steht und wie das Verhältnis zu seiner Arbeit und zu der restlichen Welt ist.
« Letzte Änderung: Oktober 02, 2010, 03:21:23 Nachmittag von Ryoki »
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Offline Ryoki

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Re: Die Charaktererstellung
« Antwort #12 am: Juni 11, 2010, 04:00:58 Nachmittag »
Das Selbstbewusstsein

Hier wagen wir uns an einen weiteren und verdammt wichtigen Punkt ran.


Was hält dein Charakter von sich selbst?
Eine einfache Frage, deren Antwort du dir aber sehr genau überlegen musst. Es reicht nicht ein "Ich find mich gut" als Antwort. Denn bevor du das sagen kannst, müssen ein paar Fragen vorher beantwortet werden:

  • Wie finde ich meinen Namen?
  • Bin ich zufrieden mit meiner Kleidung und mit meinem Aussehen?
  • Wie stehe ich zu meiner Vergangenheit? Habe ich aus ihr etwas gelernt oder ist sie mein größter Altpraum?
  • Stehe ich zu meiner sexuellen Ausrichtung? Bin ich stolz auf sie? Akzeptiere ich sie? Ist sie mir peinlich? Rede ich offen über sie? Verstecke ich sie?
  • Sage ich, was ich denke? Stehe ich zu meinen Gedanken (z.B. politische Gesinnung)?
  • Bin ich stolz auf meinen Körper? Oder ist er mir peinlich? (Diese Frage ist sehr allgemein. Jemand kann seinen Oberkörper gerne zeigen, weil er super stolz auf den ist, versteckt aber seine Plattfüße wo es nur geht.)
  • Weiß ich, dass ich schlau oder dumm bin? Stehe dem offen gegenüber? Lasse ich mich gerne eines besseren belehren?
  • Halte ich zu meinen Freunden?
  • Bin ich stolz und/oder eitel? Prahle ich gerne mit meinem Können oder meinem Vermögen?

Steht dein Charakter zu all seinen Eigenschaften, zu seinem Können und seinen Macken?


Selbstwertgefühl

Jemand mit geringem Selbstwertgefühl, der meint, er kann einfach nicht Schreiben (egal ob das jetzt stimmt oder nicht) könnte sich niemals gegenüber einem ernsthaften Kritiker behaupten.
Und das lässt sich auf alle Bereiche des Lebens anwenden.
Die Zufriedenheit und das Selbstwertgefühl beeinflussen uns in allem, was wir tun. Sie legen fest wie schnell wir uns herumkommandieren lassen, oder wie schnell wir andere davon überzeugen können uns einen "Gefallen" zu tun.

Also lasst euch Zeit, während ihr über diese Punkte nachdenkt und zieht alle vorherigen Erkenntnisse über euren Charakter in eure Überlegungen mit ein.

Und am Ende solltet ihr die folgende Fragen beantworten können:
Zitat
Ist dein Charakter zufrieden mit dem was er ist? Sagt er zu sich selbst “Ich bin was ich bin und das ist gut so“?
« Letzte Änderung: Oktober 02, 2010, 03:41:30 Nachmittag von Ryoki »
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Re: Die Charaktererstellung
« Antwort #13 am: Juni 11, 2010, 04:01:01 Nachmittag »
Das besondere Merkmal
Kennen wir uns nicht?

Herzlichen Glückwunsch. Wenn du es bis hierhin geschafft hast, dann bist du so gut wie fertig mit deinem Charakter. :-)

Es fehlt nur noch der letzte Feinschliff, der aber für die Lebendigkeit und auch für das spätere Schreiben an sich sehr wichtig ist.


Das Merkmal

Dies ist einer der, für mich schwierigsten Punkte im Prozess der Charaktererstellung.
Es ist sehr vorteilhaft, wenn ihr euch für euren Charakter ein bestimmtes Merkmal aussucht, welches ihn die ganze Geschichte über begleiten wird. Das kann alles mögliche sein. Es ist egal ob es die überdimensionale Hexennase ist, die sich schon zwei Meter vor dem Körper des Charakters durch die Tür schiebt, oder ob es der silberne Armreif ist, der eine schlichte Eleganz ausstrahlt.

Der aufmerksame Leser hat es vielleicht schon gemerkt. Ich habe bei den Beispielen schon in gewissem Maße meinen Charakter charakterisiert. Und zwar durch die Wirkung, die die Beispiele auf den Leser haben.
Ihr solltet also darauf achten, dass das besondere Merkmal zu dem Charakter passt. Außer natürlich ihr wollt extra einen falschen Eindruck erwecken oder Gegensätze hervorheben. Aber das ist dann wieder gänzlich euch und eurem Charakter überlassen.


Die Bedeutung für das Schreiben

Habt ihr also nun euer besonderes Merkmal, könnt ihr es, je nach dem wie ihr es vorher eingeführt habt, als ein Synonym für euren Charakter benutzen. So könnt ihr eine Szene umschreiben ohne direkt die Namen der Pro und Antagonisten zu erwähnen. Das kann gerade dann nützlich werden, wenn ihr eine Szene schreiben wollt, deren Interpretation stark vom Leser selbst abhängen soll, oder die sich erst später aufklären soll (z.B. Krimi).
Natürlich könnt ihr dadurch auch eine stärkere Identifizierung des Lesers mit dem Charakter erreichen, denn Wiederholungen schaffen Vertrauen.

Aber die wohl wichtigste Funktion bietet das Merkmal für den Beginn der Geschichte. Es ist nämlich unglaublich langweilig als aller erstes eine Kleiderschrankaufzählung des Charakters vorgelegt zu bekommen. Das interessiert auf gut Deutsch keine einzige Sau. Es ist schlich und ergreifend ätzend und langweilig.
Wenn ihr aber nun ein besonderes Merkmal habt, das zu eurem Charakter passt, könnt ihr durch eine einzige Erwähnung dessens, ein Bild im Kopf des Lesers hervorrufen, das eurem Charakter ähnelt.
Bei dem schlichten, aber eleganten Armreif denke ich z.B. als erstes an eine selbstsichere Geschäftsfrau. Natürlich können sich andere jetzt andere Geister, anderes darunter vorstellen, aber das ist nicht weiter schlimm, da der wichtigste Punkt einfach die Reizung und Forderung der Fantasy des Lesers ist. Wird er angehalten sich mit dem Charakter zu beschäftigen, sich selbst Gedanken zu machen, dann wirkt die Geschichte, und gerade der Anfang, interessant. Sollte die erste Einschätzung falsch sein, wird der Leser denken: "Ach so war das gemeint! Das wirft ja ein total neues Licht auf den Charakter!" und nicht "Bäh wie langweilig... Ich will nicht den Kleiderschrank der Witzfigut auswendig kennen, sondern eine Story lesen."

In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig eure Beschreibungen in die Handlung einzubauen und nicht sie vorher einfach zu erzählen. Das ist langweilig und will niemand lesen.
Also keine: "Sein Hut war schwarz und bis ins Gesicht gezogen. Dazu trug er eine dunkel braune Lederjacke, zu der er passende, braune Schuhe und eine schwarze Jeans trug." ---> Langweilig
Darauf gehe ich aber später in einem anderen Post noch genauer ein.



« Letzte Änderung: Oktober 02, 2010, 04:43:46 Nachmittag von Ryoki »
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Re: Die Charaktererstellung
« Antwort #14 am: Juni 11, 2010, 04:01:04 Nachmittag »
Der Konflikt
Vom Konfliktpotential und dem Hexenkessel

In einem Thread, den ich ganz allein dem Konflikt gewidmet habe, bin ich bereits gründlich auf den Sachverhalt eingegangen.

Ich gehe zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass ihr diesen Thread gelesen habt, oder euch unter "Konflikt" konkret etwas vorstellen könnt. Damit wir das Ganze aber auf unseren Charakter übertragen können, zitiere ich noch einmal die beiden wichtigsten Aussagen für diese Übertragung.

Zitat
Jeder Konflikt muss sich anhand des Charakters erklären lassen!

Zitat
Leser sind Zufällen gegenüber äußerst skeptisch


Warum Konflikte wichtig sind, sollte klar sein. Aber wie wende ich dies nun auf meinen Charakter an?


Das Konfliktverhalten

Nachdem ihr nun soweit gekommen seid und euren Charakter in und auswendig kennt, solltet es für euch ein Leichtes sein, euch euren Charakter in einer Situation vorzustellen, die ihn einfach nur an Decke gehen lässt. Etwas, das ihn ohne weiteres zur absoluten Weißglut treibt. Das kann der schwerhörige Nachbar sein, der seine Volkslieder in einer unerträglichen Lautstärke hört, weil er zu stolz/doof ist sein Hörgerät zu benutzen, oder es kann der "assige" Türke von der Straße sein, der alles und jeden anpöbelt. Hier sind die Grenzen, mal wieder, allein durch den Charakter und eure Fantasie definiert.

Jetzt schließt sich allerdings eine weitere Frage an. Wie geht der Charakter mit solchen Konfliktsituationen um? Versucht er überhaupt sie zu handhaben oder zieht er vorher den Schwanz ein? Handelt er ganz nach dem Motto "Wer nicht springt, kriegt was auf die Fr****!" oder ist er das wortgewandte Verhandlungstalent? Vielleicht ein Mittelding?

Gehen wir also davon aus, dass er sich seinen Konflikten immer mit erhobenem Kopf stellt. Hier ist es dann an der Zeit sich detailierte Gedanken darüber zu machen, wie genau er seine Probleme zu lösen versucht. Gewalt mag in dem ein oder anderen Fall funktionieren, vielleicht sogar die "beste Lösung" sein, aber in den meisten Fällen handelt er sich damit mehr Probleme ein, als das er löst. Außerdem hat diese Art der Konfliktlösung Einflüsse auf sein soziales Umfeld, auf seinen Ruf.
Der "Händler" dagegen wird diese Probleme nicht haben. Er wird wahrscheinlich zivilisierter angesehen und wird allgemein eher akzeptiert als ein wilder Schläger. Zumindest in unserer Gesellschaft.
Wählt also die Methode aus, die am besten zu eurem Charakter passt.

Was ist nun aber die Vorgehensweise bei Charakteren die immer vor ihren Problemen weglaufen? Die immer weiter vermeiden den zentralen Konflikt der Geschichte auszutragen?
Dafür gibt es die sogenannten Schmelzkessel. Erschafft eine Situation, in der sich der Charakter dem Konflikt stellen muss.

Ein Beispiel dafür wäre z.B. der Fahrstuhl, der gerade dann stecken bleibt, wenn die schüchterne Sekretärin, die seit Anbeginn aller Zeiten in ihren genialen Chef verliebt ist, mit eben diesem allein unterwegs ist. Sie müssen sich verständigen. Sie müssen interagieren.

Jedoch ist dieses Beispiel zugleich ein Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Jetzt mal ehrlich, dieser Fahrstuhltrick ist doch alt, ausgelutscht, nichtssagend und langweilig oder? Der wird doch in jeder drittklassigen Soap bis zum Abwinken gebraucht.
Es ist also wahrscheinlich, dass der Leser diesem Schmelzkessel gegenüber vorgeprägt ist. Abgesehen davon ist dieses Steckenbleiben noch immer ein riesiger Zufall, der natürlich genau passend für unsere Storyentwicklung passiert oder? Genau zum richtigen Zeitpunkt gibt der mehrfach geprüfte Aufzug seinen Geist auf. Unsere Sicherheitsmaßnahmen sind wirklich scheußlich schlecht. (Wer die Ironie gefunden hat, ist gut. ^^)

Zufälle sind unglaubwürdig. Natürlich können sie passieren. Aber sie dürfen niemals, ich wiederhole, niemals aus dem Nichts einfach passieren. Beim Schreiben gibts keinen Gott, außer euch selbst! Legt den Grundstein für den "Zufall" in einer Handlung des Charakters.
So kann die Sekretärin doch eine Freundin haben, die sowohl mit ihr, als euch mit dem Chef befreundet ist. Vielleicht hat sie ja sogar durch sie den Job bekommen.
Diese Freundin hat ein Kind, jedoch hat der Aufpasser für ihr Kind abgesagt und sie hat einen wichtigen Termin, den sie nicht absagen kann. Sie ruft den Chef an und fleht ihn an, auf das Kind aufzupassen. Dieser ist jedoch nicht unbedingt sicher im Umgang mit Kindern und fleht seinerseits die Sekretärin an nach dem Feierabend mitzukommen und ihm zu helfen.

---> Schmelzkessel
Sie kann seine Bitte nicht abschlagen, immerhin ist er der Traummann für den sie alles tun würde. Sie kann das Kind ihrer Freundin nicht unbeaufsichtig lassen.
Sie muss also über ihren Schatten bringen und außerhalb ihres Jobs mit ihrem Chef interagieren.


Das Konfliktpotential

Unabhängig von dem Konfliktverhalten gibt es das, von mir sogennante, Konfliktpotential.
Es gibt Menschen, die allein durch ihr Äußeres Konflikte provozieren. Sei es jetzt der kugelige, fettige Nerd mit der 5 Meter dicken Hornbrille, der von der ganzen Schule gemobbt wird, oder die scharfe, unglaublich heiße Cheerleaderin, die selbst nicht unbemerkt durch die Straßen gehen kann, wenn sie sich von Kopf bis Fuß vermummen würde.
Es gibt also Menschen, die auffallen und diese, die es nicht tun. Beides muss man berücksichtigen, wenn man sich mögliche Konflikte überlegt. Bei dem Chearleader ist wohl ein Konflikt mit einem Stalker wahrscheinlicher, als dass sie wie der Nerd die ganze Zeit gemobbt wird.

Jeder Mensch besitzt ein einzigartiges Konfliktpotential. Und es ist an euch zu erkennen, welches eurem Charakter innewohnt. Durch die Bestimmung seiner Eigenschaften, seines Aussehens und seines sozialen Umfelds, so wie der sozialen Stellung, habt ihr eigentlich schon alles, was euren Charakter ausmacht. Ihr müsst es lediglich noch erkennen und euch diesem Potential bewusst werden, sodass ihr die restlichen Charaktere in eurer Geschichte korrespondierend dazu ausrichten/gestalten könnt.


Zum Schluss dieses Teils, sei zusammenfassend und mahnend zugleich gesagt, dass sich jeder Charakter über seine inneren und äußeren Konflikte definiert. Anhand dieser entwickelt er sich und treibt die Geschichte voran.
Je mehr authentische Konflikte ein Charakter austragen muss, desto interessanter wird er.
« Letzte Änderung: Oktober 04, 2010, 02:36:51 Nachmittag von Ryoki »
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