Autor Thema: Spielwiese  (Gelesen 3438 mal)

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Re: Spielwiese
« Antwort #270 am: September 12, 2011, 09:00:32 Vormittag »
Ein Seufzer entfuhr der jungen Frau.
"Alles klar, dann mal los. Nicht, dass wir unnötig Zeit verschwenden." Mit diesen Worten trat Fia voran und machte sich auf den Weg.
'Hoffentlich finden wir dieses Mal, wonach wir suchen.'
Man merkt erst, wie wertvoll etwas ist, wenn man es nicht mehr besitzt.

Offline Isara

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Re: Spielwiese
« Antwort #271 am: September 14, 2011, 12:15:45 Vormittag »


Lythill stand am Eingang eines kleinen Raumes. Dampfschwaden waberten umher und es herrschte eine brütende schwüle Hitze. Überall an der Decke hingen die verschiedensten Kräuter und die Regale an den Wänden waren bis auf den letzten Zentimeter mit Schriftrollen und Ampullen voll gestellt. An der hinteren Seite des Raumes stand ein flaches Becken voll glühender Kohlen und faustgroßen Granitsteinen. Ein kleiner Mann stand über das Becken gebeugt, nahm eine Kelle voll Wasser aus einem daneben stehenden Eimer und goss sie über die Steine. Ein lautes Zischen ertönte und eine große Dampfwolke stieg auf.
Fasziniert blickte sich Lythill um. Dieses Zimmer war der Traum eines jeden Alchemisten. Wer weiß welche Rezepte und seltenen Kräuter hier wohl ruhten?
Dann drehte sich der Mann um und kam mit langsamen Schritten auf Sie zu.
Mit einer für seine Statur ungewöhnlich kräftigen Stimme sagte er: „Es freut mich euch kennenzulernen, Waldläuferin Lythill. Ich bin Noah.“
„Es ist mir eine Ehre.“, sagte sie und deutete eine Verbeugung an.
Keraphs Vater musste mindestens 60 Jahre alt sein, wenn nicht sogar älter. Selbst Lythill wusste, dass dies für einen Bürger dieses Standes ein außergewöhnlich hohes Alter war. Mit einer unauffälligen Bewegung strich sie über ihre Halskette und begann ihren Zauber zu weben.
Ein Zucken huschte über Noahs Gesicht doch er sagte nichts und führte Lythill zu einem kleinen Schreibtisch an der rechten Wand. Auf ihm standen bloß eine kleine Kerze, ein paar leere Papierbögen, ein Tintenfass und eine lange geschwungene Schwanenfeder.
Er setzte sich und schaute sie an. „Keraph erzählte mir, dass ihr euch für Alchemie interessiert?“
„Ja, das ist richtig. Auf meinen Reisen war mir die Alchemie stets eine nützliche Fertigkeit und ich würde gerne von euch lernen.“
„Ich habe seit Jahren keinen Lehrling mehr gehabt und ich denke auch nicht, dass ihr eine Ausbildung überhaupt wollen würdet.“
Verwunderung ergriff Lythill, als sie bemerkte, dass ihr Amulett warum wurde, sich jedoch keine Aura um Noah bildete.
Er schien ihren irritierten Blick bemerkt zu habe, denn ein Grinsen schlich sich auf sein Gesicht. „Euer kleiner Zauber wird nicht funktionieren.“
Instinktiv richtete sie sich auf. Der alte Mann war nicht zu unterschätzen.
Doch Noah schien nicht verärgert zu sein, im Gegenteil. Ein freundlicher Ausdruck legte sich auf sein Gesicht. „Macht euch keine Sorgen, ich nehme es euch nicht übel. Stetige Wachsamkeit ist löblich, aber in diesem Fall unnötig. Auch wenn mein Geist vor Magie geschützt ist, so stelle ich doch keinerlei Gefahr dar.“
Er zog einen kleinen Goldring von seinem Finger und plötzlich bildete sich um ihn ein grünlicher Schimmer. Lythill entspannte sich, er war ungefährlich.
Mit einem Lächeln schob sich Noah seinen Ring, welcher irgendeine Art von Medium sein musste wieder auf den Finger.
„Wisst ihr, ich war früher genau wie ihr Mädchen. Immer unterwegs auf der Suche nach neuen Abenteuern.“
Fragend blickte Lythill ihn an. „Abenteuer, als Alchemist?“
Als Antwort krempelte Noah den rechten Ärmel seines Lederwamses hoch und entblößte dabei ein in seinen Arm tätowiertes Schwert.
„Was bedeutet das?“, fragte Lythill.
Er schob seinen Ärmel wieder über die Tätowierung und fing an zu erzählen:
„Früher war ich Mitglied einer Söldnergilde, den Stahlklingen. Es ist eine kleine aber bekannte Vereinigung hier in Methila. Sie gehören zu den wenigen Söldnergilden die sich noch anständig verhalten. Damals war ich noch jung und hatte gerade meine Ausbildung zum Heiler abgeschlossen. Ein Anwerber macht mir ein Angebot und so wurde ich Söldner. Bin durch ganz Selsedon gereist und habe andere Söldner bei ihren Einsätzen unterstützt. Ich habe zu der Zeit die verschiedensten Dinge erlebt. Banditenüberfalle, Ghorne….. Einmal habe ich sogar eine Serafie gesehen.“
Lythill hatte schon von dieser mystischen Rasse gehört. Ihre magischen Fertigkeiten sind einzigartig, doch sie zeigten sich nur selten den Menschen.
Noah sprach weiter: „Nun sind diese Zeiten jedoch vorbei. Ich habe eine Familie gegründet und verkaufe der Bevölkerung Mixturen deren Wert sie selbst nicht zu schätzen wissen.“
Ein Hauch von Traurigkeit lag in seiner Stimme.
„Doch nun genug von mir. Was führt euch nach Methila?“
Lythill begnügte sich mit einer Kurzfassung ihrer Erlebnisse und endete schließlich mit dem Satz: „…und nun suche ich irgendeine Arbeit hier in Methila. Allerdings bin ich nicht sicher ob ich hier etwas finde, dass mir das gibt was ich suche.“
Ein nachdenklicher Ausdruck legte sich auf Noahs Gesicht.
„Lythill, ich möchte euch um etwas bitten.“
Verwundert antwortete sie: „Aber natürlich, worum geht es?“
„Nach all den Jahren pflege ich immer noch Kontakte zu den Stahlklingen. Ihr würdet mir einen großen Gefallen tun, wenn ihr dem Gildenmeister ein Paket für mich überbringt.“
Er griff in eine Schublade und holte ein in Leder eingeschlagenes Päckchen hervor.
„Ich schreibe noch schnell eine Nachricht und dann könnt ihr es überbringen.“
Lythill nickte und es vergingen einige Minuten bis Noah mit dem Brief fertig war. Er faltete das Blatt zusammen und steckte es unter die Verschnürung des Pakets.
Sie nahm das Päckchen und wollte sich schon verabschieden doch Noah hielt sie zurück. Wartet noch einen Moment, ich möchte euch etwas geben. Er schlurfte zu einem Regal und als er zurückkam hielt er ein dünnes Büchlein in der Hand. Er reichte es Lythill.
„Dieses Buch stammt noch aus meiner Zeit bei den Stahlklingen und enthält einige Formeln und Rezepte welche euch das Leben in der Wildnis vielleicht ein wenig erleichtern sollten.“
Am liebsten hätte Lythill sofort angefangen das Buch zu lesen, doch sie würde sich gedulden müssen.
„Ich danke euch sehr Noah. Das wird mir sicher helfen.“
Der alte Mann lachte. „Keine Ursache, auch mir war es eine Freude.“
Schließlich verabschiedete sie sich noch von Keraph und verließ das Haus. Draußen wurde es langsam dunkel und die Kälte breitete sich aus. Die Nacht war angebrochen.
Das Leben ist wie ein Buch. Einmal angefangen richtig zu lesen kann man nicht mehr aufhören.

Offline Ryoki

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Re: Spielwiese
« Antwort #272 am: September 14, 2011, 09:41:25 Nachmittag »
Der Vermummte nickte, während sie durch die Straßen gingen.
Dann malte er mit den Fingern in die Luft: "Das hoffe ich auch... Je schneller dieser Auftrag erledigt ist, umso besser." Es entstand eine unangenehme Stille, in der er schnell dazuschrieb: "Nicht wegen dir. Bitte nicht falsch verstehen. Es liegt an diesen Adeligen."
Dabei beließ er es dann aber auch, denn sie hatten die erste Taverne, ein schäbiges, dem Anschein nach schon halb zusammengefallenens, Konstrukt erreicht.
"Auch wenn das hier nicht unbedingt viel besser ist... Ich hoffe du verstehst, wenn ich das Reden dir überlasse? Mich würden sie wohl kaum ernst nehmen... Oder?"
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Offline Saga

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Re: Spielwiese
« Antwort #273 am: September 15, 2011, 05:34:56 Nachmittag »
Nach einer kurzen Minute des Überlegens nickte Fia bestimmt. Sie hätte gerne mehr von ihrem stummen Begleiter erfahren, doch das würde sie zu gegebener Zeit noch einmal ansprechen.
Seufzend löste sie ihr Haargummi und schüttelte die Lockenmähne ein wenig auf. Dann öffnete sie die Tür und trat allen voran in die fragwürdige Spelunke. Direkt hinter der Tür blieb sie einen Moment lang stehen und schaute sich in dem kleinen Schankraum um. Es war laut und die Gäste sahen nicht vertrauenswürdig aus, doch was sollte sie tun? Auftrag war eben Auftrag. So straffte sie sich noch ein paar Zentimeter und trat selbstsicheren Schrittes - und streng die Blicke der betrunkenen Gäste ignorierend - auf die Theke und den schmuddeligen Wirt dahinter zu.
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Offline Isara

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Re: Spielwiese
« Antwort #274 am: September 23, 2011, 12:06:50 Nachmittag »


Obwohl Keraph ihr ungefähr beschrieben hatte wo das Gebäude der Stahlklingen-Gilde stand, so kam es Lythill vor als ob sie sich immer weiter in dem Gewirr der Gassen und Straßen verirrte. Hinzu kam, dass sie je weiter sie sich vom Stadtkern entfernte immer weniger Menschen begegnete. Hier patroulierten kaum Wachen und sie erinnerte sich an Garlows Worte als sie die Taverne verlassen hatte. Er hatte sie gewarnt, dass Methila gefährlich sei und die Nacht machte es wahrscheinlich nur noch schlimmer.
Ständig blickte sie sich um, in der Erwartung, dass sich gleich jemand auf sie stürzen würde. In der Natur hätte sie sich wie ein Schatten bewegen können, unsichtbar für Feinde, aber hier?
Plötzlich ertönte vor ihr ein Geräusch. Ein leichter metallisches Klappern schien sich auf sie zu zu bewegen. Schnell duckte sie sich in einen dunklen Gasseneingang und versuchte etwas in der Dunkelheit vor sich zu erkennen. Dann löste sich auf einmal eine dunkle Gestalt aus der Schwärze welche die Straße bedeckte. Die Gestalt schritt langsam über die Straße und an Lythills Versteck vorbei, immer begleitet von dem metallischen Klappern. Erst jetzt bemerkte sie, dass das Geräusch von einem langen Schwert verursacht wurde welches der Mann auf dem Rücken trug. Ohne sich umzusehen ging er weiter und verschwand schließlich wieder in der Dunkelheit. Lythill wartete noch bis sich das Klappern endgültig entfernt hatte und kam dann wieder aus ihrem Versteck hervor. Wer das wohl gewesen sein mochte? Eine Wache war es auf jeden Fall nicht.
Sie atmete tief durch. Warum war sie so paranoid? Nichts hatte auf eine Gefahr hingedeutet und sie hatte sich versteckt wie ein Kind.
Sie beschleunigte ihre Schritte und ging weiter die Straße entlang. Sie musste schnell die Gilde finden sonst würde sie hier noch verrückt werden. Den Blick starr nach vorne gerichtet eilte sie die Straße entlang. Wäre sie aufmerksamer gewesen hätte sie vielleicht die rote Blutspur entdeckt die sich über das gesamte Steinpflaster zog, doch davon sah sie in ihrem Ärger nichts.
Es schienen Stunden vergangen zu sein als Lythill endlich an dem von Keraph beschriebenen Gebäude ankam. Immer noch war es sehr dunkel und das Ende der Nacht schien noch nicht nahe zu sein.
Sie war erleichtert endlich von den Straßen herunterzukommen. Man konnte sagen was man wollte, nachts war Methila unheimlich. An der Eingangstür war ein großer metallischer Ring befestigt. Lythill hob ihn an und klopfte dreimal gegen die Tür. Nun hieß es warten.
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Re: Spielwiese
« Antwort #275 am: Oktober 01, 2011, 12:41:45 Nachmittag »
"Guten Abend, werter Herr.", begrüßte Fia ihn, als sie die Theke erreicht hatte. Die junge Frau hatte keineswegs den Eindruck, als hätte dieser Mensch eine solch nette Begrüßung verdient, doch sie wollte sicher gehen, dass sie seine ungeteilte Aufmerksamkeit hatte.
"Guten Abend, was verschlägt denn ein junges Ding wie Sie in diese zwielichtige Gegend?" Fia sah dem schmierigen Grinsen auf dem Gesicht des Wirtes an, dass seine gespielte Sorge keineswegs ernst gemeint war.
"Ein wichtiges Anliegen führt mich hierher." Sie beugte sich noch ein Stückchen weiter über die Theke und verfolgte neugierig den Blick des Wirtes, welcher verriet, dass ihre Geste die Wirkung nicht verfehlte. Verschwörerisch senkte sie die Stimme und informiete ihren Gegenüber:
"Ich könnte Ihre Hilfe gebrauchen, was die Beschaffung eines wichtigen Gegenstandes angeht."
Abwartend schaute sie ihn an.
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Offline Isara

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Re: Spielwiese
« Antwort #276 am: November 29, 2011, 10:42:38 Nachmittag »
Innerlich fluchte Lythill über ihre eigene Dummheit.
Warum hatte sie das Päckchen noch diese Nacht überbringen wollen?! Jetzt stand sie in der Dunkelheit und niemand öffnete ihr die Tür. Erneut klopfte sie dreimal mit dem schweren Eisenring gegen die Tür. Nichts regte sich in dem Gebäude.
Je länger sie sich auf offener Straße aufhalten würde, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass irgendein Räuber oder Dieb sie überfallen würde und das war das letzte worauf Lythill wert legte. Allerdings würde sie von hier aus in der Dunkelheit auch nicht mehr zur Taverne zurückfinden. Sie saß in einer Zwickmühle. Egal wofür sie sich entscheiden würde, es würde eine gefährliche Nacht werden.
Schließlich suchte sie sich eine geschützte Ecke hinter einem Stapel Kisten in einer Gasse und kauerte sich zusammen, den Umhang fest um sich geschlungen. Hier war sie hoffentlich sicher vor Wind, Regen und allem was die Finsternis der Nacht noch für sie bereit hielt. Trotzdem zog sie eines ihrer Messer und legte es griffbereit neben sich auf den Steinboden.
„Vorsicht hat mir noch nie geschadet.“, flüsterte sie vor sich hin.
Lythill versuchte solange wach zu bleiben wie möglich, doch irgendwann fielen ihr die Augen zu und sie verfiel in einen leichten Schlaf. Die lange Zeit die sie in der Wildnis verbracht hatte ließ sie nicht mehr richtig zur Ruhe kommen und so schreckte sie bei jedem kleinsten Geräusch das sie hörte immer wieder hoch. Das würde eine sehr lange Nacht werden.
Das Leben ist wie ein Buch. Einmal angefangen richtig zu lesen kann man nicht mehr aufhören.

 

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