Autor Thema: Die Geschichte der Serena P. -erzählt aus dem Leben einer 17jährigen-  (Gelesen 598 mal)

0 Mitglieder und 2 Gäste betrachten dieses Thema.

Offline MysticRose

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 4
  • Geschlecht: Weiblich
Hallo Leute!
Hier kommt wie gesagt der erste Text von mir, bevor ich euch meinen Horror-Stoff aufzwänge  :D Ich hoffe, ich poste alles richtig, wenn nicht, meckert nicht mit mir, ich muss mich erstmal zurecht finden  :D
"Die Geschichte der Serena P." ist der Arbeitstitel meines aktuellen Werkes, dass ich als Melodram mit Elementen aus Psychothrillern und Horror bezeichnen würde. Das Exposé für diesen Roman steht bereits fest, d.h. ich habe den kompletten Ablauf der Geschichte vor Augen, jedoch noch nicht fertig verfasst.
Die Geschichte hat überhaupt nichts mit mir selbst zu tun. Parallelen zu real lebenden Personen sind reiner Zufall und alle Handlungen des Romanes entspringen einzig und allein meinem "bösen" Fundus.
Worum geht es? Eigentlich möchte ich (noch) nicht verraten, worum die ganze Geschichte geht, weil ich ehrlich gesagt selbst nicht weiß, wie ich das beschreiben soll. Es geht um die 17jährige Schülerin Serena P., deren Mutter schwer alkoholkrank ist und ihre täglichen Erlebnisse.

Ich hoffe, ihr nehmt es mir nicht übel, dass ich nicht mehr sage, aber vielleicht versteht ihr mich, wenn ihr anfangt, die Geschichte zu lesen. Ich kann es wirklich nicht besser beschreiben.
Viel Spaß beim Lesen!

_________________________


Dienstags; 17:38 Uhr im Stadtteil B. von W.

"Mutter? Mutter? Bist du da?"
O nein. Ich befürchte nichts Gutes. Wenn meine Mutter mir keine Antwort gibt, gibt es nicht viele Möglichkeiten zur Auswahl, warum es so ist. Entweder ist sie mal wieder stockbetrunken oder sie schläft oder sie ist außer Haus. Das schlimmste ist, wenn alle drei Möglichkeiten eintreffen.
Ich schmeiße meinen Sportbeutel neben die Haustür, ziehe mir mein Hosenbein hoch und betrachte mit schmerzverzerrtem Gesicht mein pochendes Knie. Dann humple ich in die Küche und lege mir einen Eisbeutel auf mein Knie. Ich seufze.
Heute war ein komischer Tag in der Schule gewesen. Um genauer zu sein: Ich habe Angst. Tierische Angst. Ich fürchte mich davor, alleine zu sein. Diese Angst ist riesengroß. Anna verhält sich so komisch. Ich weiß nicht warum. Anna Klein ist meine beste Freundin. Meine allerbeste. Schon seit der achten. Oder sie hatte heute nur einen schlechten Tag. Wer weiß. Nichtsdestotrotz beschleicht mich das Gefühl, dass sich zwischen uns immer dickere Mauern aufbauen. Und das schlimmste: Ich weiß nicht den Grund. Anna redet so wenig in letzter Zeit. Vor allem mit mir. Ich weiß, dass etwas nicht mit ihr stimmt. Irgendwie geht es mir heute sehr schlecht. Ich mag diese Bedrücktheit in meinem Bauch nicht. Sie geht ncht weg. Es ist verrückt: Meine Stimmung gleicht einem Jojo: Mal oben, im nächsten Moment wieder unten. Aber das scheint niemand zu merken. Leider. Ich habe Angst, alleine zu sein. Große Angst. Ich frage mich, ob diese Angst krank ist. Ich glaube aber nicht. Oder? Was für ein beschissenes Gefühl.
Meine Knieschmerzen lassen nicht nach und ich mache mir langsam ernsthafte Sorgen um Mutter. Ich hoffe nicht, dass sie wieder bei Ricky zu Hause ist. Ricky ist ihr neuer Freund. Seit drei Wochen geht sie mit ihm aus. Ricky ist ein Schwein, aber nicht für Mutter.
Als Ines (so heißt Mutter) ihn vor drei Wochen anschleppte und mit ins Haus brachte, war sie wieder stockbetrunken, sodass sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Ich verzog mich auf mein Zimmer (wie immer, wenn Mutter neue Männer anschleppte) und drehte meinen iPod auf volle Lautstärke. H.I.M.s "Don´t fear the Reaper" eignet sich bestens zum Entspannen und so auch an diesem Abend, bis ich Ines so laut schreien hörte, dass sie sogar Ville Valos wunderbare Stimme übertönte.
Normalerweise nehme ich so eine Situation nicht ernst. Entweder hat sie nichts mehr zum Anziehen oder (und das war meistens der Fall) wir haben keinen Alkohol mehr im Haus. Dann rastet Ines aus. Das bin ich gewohnt.
Als sie aber nach einer gefühlten Stunde immer noch schrie, wollte ich der Sache auf den Grund gehen, schloss meine Zimmertür auf und rief nach ihr. Als ich keine Antwort erhielt, ging ich die Treppe runter und sah, wie Ricky Ines kreuz und quer durch die Bude prügelte.
Jetzt weiß ich nicht mehr, was in dem Moment in mir vorging. Ich weiß nur, dass ich mich in mein Zimmer verschanzt und die Bullen gerufen habe.   
Zwei Polizisten überwältigten Ricky und nahmen ihn mit auf die Wache. Ich war so erleichtert. Eine Nacht Ruhe vor diesem Typen. Aber ich wusste nicht, wie Ines drauf war. Sie wollte mir mit voller Wucht ins Gesicht schlagen, schaffte dies nur nicht, weil sie benommen und betrunken zur Seite kippte und ich - obwohl ich nicht gerade die Schnellste bin - ausgewichen bin. Sie war ernsthaftig sauer, weil ich die beschissenen Bullen angerufen habe, so ihr Originalton.
Bevor Ines ihren kompletten Frust an mir auslassen kann, renne ich hoch in mein Zimmer und verriegele zwei Mal die Tür. Wieder drehe ich meinen iPod auf volle Lautstärke und lausche Ville Valos wunderbarer Stimme. Ich schließe meine Augen und stelle mir vor, ich sei auf meiner Lieblingslichtung im Wald und die Sonne würde mir ins Gesicht scheinen und ich hätte meine Ruhe.
Vor Rick.
Aber vor allem vor Mutter selbst.
Oh nein. Trotz der lauten Musik höre ich, wie sie an meine Tür ballert und sinnloses Zeug vor sich hin lallt. Plötzlich Ruhe. Oh Gott, so etwas habe ich schon oft erlebt. Ich wette, sie ist umgekippt und eingeschlafen oder sie hat Alkohol gefunden und gibt ihre Ruhe.
Wie dem auch sei. Ich schaue aus dem Fenster und weiß, dass ich nicht an meiner Lieblingslichtung im Wald bin und nicht meine Ruhe vor Rick und ihr habe. Wenigstens aber schläft sie und ich habe somit ein bisschen Zeit für mich.

Kurze Zeit später fasse ich all meinen Mut zusammen und öffne meine Tür. Ich sehe, wie sie schläft und betrachte ihr Gesicht. Ihre Wimperntusche ist über die ganzen Wangen verschmiert. Wenn ich so nahe vor ihr stehe, sehe ich oft, wie sehr sie sich bemüht, so jung wie ich auszusehen. Als ich wieder in mein Zimmer gehe, frage ich mich, was mit Rick ist und ob er morgen wieder kommen wird oder ob er meine Mutter verlassen wird. Ich hoffe natürlich letzteres, obwohl für Mutters Wohlbefinden - so krank es sich auch anhört - das erste besser wäre. Ines fühlt sich nicht begehrenswert und unattraktiv, wenn sie keinen Mann an ihrer Seite hat. Mit Rick wollte sie sich wieder beweisen, das sie attraktiv ist und sich auch jüngere Männer nach ihr umschauen. Rick sieht gut aus, wie alle Männer von Ines. War er überhaupt ihr Mann? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall macht er lange genug mit ihr rum, sodass ich ihn als ihren Neuen bezeichnen kann. Erst letzten Donnerstag, als ich von der Schule kam, habe ich die beiden beim Sex im Wohnzimmer erwischt - nicht, dass sie sich geschämt hätten. Umso mehr aber ich. Mutter war wieder so betrunken, dass sie mich nicht einmal bemerkt hat. Rick ist erst fünfundzwanzig und hat wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen drei Jahre gesessen. Ines ist sechsundreißig, aber der Alkohol hat sie um Jahre altern lassen. Das versucht sie durch Solarium, Haarfärbungen und junge Männer auszugleichen. Rick nimmt sie aus, wie eine Weihnachtsgans. Früher hat mich das fertig gemacht. Heute nicht mehr. Natürlich habe ich Angst vor ihm. Große Angst. Das ist eines der Gründe, warum ich oft im Wald bin. Wenn Rick da ist, möchte ich nicht nach Hause.



Allmächtiger.
Heute ist Donnerstag, das heißt, dass ich um achtzehn Uhr einen Termin bei Dr. Winkelmann habe. Dr. Winkelmann ist Psychologe. Ines hat mir geraten, zu ihm zu gehen. Das ist ihre Art, sich von jeglichen Schuldgefühlen loszusprechen.
Ich gehe zügig in die Praxis.     
-Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. -

 

SimplePortal 2.3.3 © 2008-2010, SimplePortal