Autor Thema: Das Schwert des Mantikor  (Gelesen 330 mal)

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Offline LordLei´Cill

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Das Schwert des Mantikor
« am: Juni 27, 2010, 11:37:11 Nachmittag »
Link zum Disku: http://www.weg-des-stifts.de/smf/der-diskussionthread/das-schwert-des-mantikor-267/
Beschreibung: Nun, es geht um einen jungen Reiter der seiner eigenen Welt den Rücken zugedreht hat und nun schon seit mehr als 3 Jahren in der neuen Welt herumstreift ohne eine genaue Bleibe zu haben.
Aber langsam scheint sein Leben sich zu verändern und er erfasst einen Neubeginn.

  • Kapitel 1
  • Kapitel 2
  • Kapitel 3

[  ] kapitel 4
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[?] Kapitel ??(vorraussichtlich 10)
« Letzte Änderung: November 01, 2010, 07:12:22 Nachmittag von LordLei´Cill »
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Re: Das Schwert des Mantikor
« Antwort #1 am: Juni 27, 2010, 11:39:12 Nachmittag »
Kapitel 1 "Erinnerungen - Vâl-mah"

Sein Blick besah die flammende Ferne im Osten, dort wo die roten Zungen der Zerstörungen wüteten und den Himmel leckten. Die Erde brannte und das Gras war nur noch Asche. Miran, das riesige Kaltblut stampfte auf der Stelle und hob immer wieder den Kopf, um seinem Reiter das Zeichen zum Gehen zu geben. Doch vergeblich, ein in einen schwarzen Umhang gehüllter Mann musterte den Himmel ohne sein Reittier zu bemerken. Er machte keine Anstalten sich vom Fleck zu bewegen und so gab Miran es auf. Mit aufgeblähten Nüstern stellte sich das Kaltblut neben seinen Reiter und wieherte.  Der Himmel ergab sich den flammenden Zungen und färbte sich nach und nach rot und in mitten des roten Samtes des Himmels, betteten sich die zwei obskuren Monde der Nachtwelt.
Miran erhob sich auf seine Hinterbeine, als das Feuer plötzlich vor ihren Füßen ausbrach. Der vermummte Reiter bewegte sich kein Stück und so als ob er einen Kampf gegen das Feuer führte, so hielt sich dieses auch zurück. Als wäre eine Barriere da, die das Feuer sammeln und es sich zu einer Wand aufstellen ließ.
Die züngelnden dünnen Flammen, die empor stachen zum Himmel, schnalzten immer wieder ein paar Mal. Der Reiter holte seine Hand unter dem Umhang hervor, der seinen Körper verdeckt hielt und streckte sie zu Miran an die Seite, ohne ein Stück zu zittern oder vor den Flammen zurück zu weichen. Das Pferd näherte sich der Hand und legte seine breite Schnauze in die behandschuhte Hand.
Die Minuten vergingen und der Reiter wandte sich von den Flammen ab, als ob es langweilig geworden war. Vor ihm erhellte die Sonne den Platz. Er stieg im Gehen auf das Pferd hinauf und packte die Zügel fest an. Die kleinen Glöckchen und Federn baumelten im Takt des Trabens des Pferdes. Sein Umhang legte sich über den Rücken des Pferdes und wärmte diesen. Mit leisem Wiehern nickte das Pferd und bestätigte sein Wohlbefinden. Ruhig führte der Reiter, dessen Gesicht man nie gesehen hatte, sein Pferd zur Stadt, die 2 Tagesritte entfernt war.
Die plätschernden Bäche und der heulende Wind in den Kronen der Bäume verrieten nicht von der Untreue der Natur und von den ankommenden Katastrophen für die Welt. Die Vögel flogen am Reiter mit seinem Pferd vorbei und zwitschernden ihren Freunden entgegen,  sie waren alle frei.
Doch die Gedanken des Reiters kreisten sich nicht um die Welt. Denn er machte sich Gedanken über seine Welt, die er doch so frei und willig verlassen hatte. Noch vor wenigen Wochen hatte er sich zwischen seinen Zeitgenossen befunden, zwischen seiner Art. Nun fand er sich in der Welt der rachedurstigen Menschen wieder, die nur zum Spaß die anderen Wesen überfallen.
In seiner Welt konnte er die Söhne und Töchter des Phönix frei fliegen und schreien sehen, die Wölfe im Einklang jagen und tollen und die Drachen als Schützer der Welt über den Himmel sausen.
Doch das alles schien nun verloren zu sein. Der Reiter schüttelte seine Gedanken ab, als sein Pferd anhielt. Nicht unweit hörte er die Schreie von Menschen und die tobenden Gedanken von Geschöpfen seiner Welt. Sofort wandte er Miran und steuerte auf die Schreie zu.
Das Massaker hielt sich nicht klein, Wölfe, wie sie bekannt sind mit ihrer Höhe von 1,70 Meter, griffen die Menschen an, rissen sie und zerrissen ihre Gliedmaßen. Der Reiter schluckte, er wollte rufen und die Wölfe halten, doch er wusste was für eine Stärke die Wölfe gemeinsam hatten, so wollte er nicht mächtige Wesen seines Landes töten. Vor allem nicht wenn er sich dessen Herkunft bewusst war.
Der Klang des Blutes, als es auf die staubige Erde klatschte, hallte noch in der ansteigenden Nacht in seinen Ohren. Miran kaute derweil genüsslich das Gras, welches er gefunden hatte.
„Miran, mein treuer Gefährte?“, das Pferd wandte den Kopf und sah seinen Reiter. „Wann denkst du, sehen wir unseren König wieder?“, der Reiter blickte dem Kaltblut in die schwarzen Augen, solange er selbst stichhelle Augen hatte, die sich von der Nacht abhoben. Das Blau, welches sich schon im Einklang mit einem weißlichen Ton fand, füllte seine Iris und ließ die Pupille in einem hohen Kontrast zu der Iris hervorstechen. Das Pferd wieherte und schritt  zurück, die Zügel nach hinten werfend, damit der Reiter sie nicht bekommt. „Miran?“, fragend sah der Reiter in die ängstlichen Augen des Pferdes. „Ruhig…Miran, komm her.“, schon kopfschüttelnd trat das Pferd auf einen Stein, knickte kurz ein, drehte sich um und galoppierte dank dem zusätzlichen Schreck hinweg. Der Reiter blickte fragend hinterher, als er dann den warmen Atem und den ungewöhnlich schlechten Geruch von jemandem im Nacken spürte.  Sich umdrehend, packte der Reiter sein Schwert und sah dann nicht in die Augen von jemand menschlichem. Nein, sein Blick beließ sich auf die Echsen artigen Augen eines mit Schuppen überzogenen Körper. Die scharfen Zähne schienen nicht nur zur Dekoration zu sein, sie schienen wirklich gespitzt zu sein…

« Letzte Änderung: Juli 26, 2010, 08:12:37 Nachmittag von LordLei´Cill »
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Re: Das Schwert des Mantikor
« Antwort #2 am: Juni 27, 2010, 11:40:01 Nachmittag »
(verzweifelter Versuch, das ganze zu kontrollieren und zu verbessern...*seufz*)
Kapitel 2 "Ich mag dich - Cáy hwal"
Mit schmerzenden Handgelenken wachte der junge Mann auf, sein Körper entblößt und nur die Hose am Leib. Sein Zustand ließ ihn frösteln, als ein kalter Wind seine Haut streichelte.
Wo er sei und was geschehen war, fiel ihm nicht mehr ein, doch der scharfe Geruch von Leder und von erlegten Beutetieren, ließ ihn nichts Gutes befürchten. Die Fesseln um seine Handgelenke bemerkte der Reiter erst später.
Sein Tier verließ ihn und der Angriff eines Drachen hatte ihm in dem Moment nur noch gefehlt.
Kurz reiste er ungewollt den Mund auf, um zu Gähnen. Das war das erste Mal seit mehr als 4 Tagen, dass er halbwegs geschlafen hatte und das ungewollt.
Langsam realisierte er seinen Aufenthalt in einem Zelt, welches nur spärlich eingeräumt war. Schnell schien jemand Felle zusammen gesucht und ihn da rauf gelegt zu haben. Neben ihm stand eine Wasserschüssel und der junge Mann fragte sich, wie er trinken solle mit gefesselten Händen. Von draußen hörte er zwei Männer mit einander reden, doch die Stimmen kannte er nicht. Er wollte sich näher an den Zelteingang setzen, denn er dachte er würde so heraus finden wo er sei, doch als er sich bewegen wollte, riss schon jemand das Zelt auf und marschierte hinein. Noch schwer diskutierend und gefolgt von einem gerüsteten Zwerg, der mit aufgerollten Skripten dem Mann hinterher ging, musterte der Mann den jungen Reiter auf den Fellen.
Der Reiter verstand die beiden nicht, denn sie sprachen in einer anderen Sprache. 
Der junge und entblößte Mann lag reglos auf den Fellen, doch er wurde mit einem lauten Gebrüll wieder hoch gerissen. „Wach sein! Wach sein du müssen!“, knurrte der Zwerg ihn an. Es fiel ihm sichtlich schwer in der Menschensprache einen richtigen Satz zu verfassen, doch damit hatte der ehemalige Reiter kein Problem. „Wer du sein?“, bellte der Kleine und hielt dem Mann einen reich verzierten Dolch an den Hals, wobei der Gefesselte zurückwich und nach Luft schnappte. Als sei es sein letztes Mal schloss er seine Augen, betete aber trotzallem nicht zu seinem Gott.
„Ido…Lass ihn in Ruhe. Ich muss ihn etwas fragen.“, die Stimme des Anderen, der hereingekommen war,  war beruhigend und weise. Daraufhin wandte sich der Zwerg ab und trat zurück, und der Andere wandte sich zum Reiter, legte ihm eine Hand auf die Brust und sprach ihn in der Menschensprache an:  „Mein Name ist Oraf. Wir sind hier um einen bestimmten Mann zu finden, der Orks anführte und Soldaten.“ Der Mann der sich Oraf nannte blickte dem Jungen in die hellen Augen, der nur fragend ins Gesicht seines gegenübers starrte.
„Wie ist dein Name und woher hast du dieses Schwert?“ Oraf zog die schwarze Klinge aus der Scheide und zeigte sie dem jungen Reiter, welcher seine Schneide ruckartig erkannte und nach ihr schnappen wollte.
„Nicht schnell! Unseres!“, bellte der Zwerg und sah den Gefangenen wütend an.
Der junge Mann wollte kein Wort sagen, also entschied sich Oraf, der einem Menschen noch ähnlich sah, seinen Gefangenen am Hals zu packen und ihm drohend in die Augen zu sehen.
„Sprich oder das hier ist das Letzte was du siehst!“
Die Worte waren klar und deutlich. Nun öffnete der Reiter auch den Mund, schnappte nach Luft und versuchte sich aus dem Griff zu winden, um diesen zu sagen, dass er sprechen wird.
„Sprechen!“, der Zwerg fuchtelte mit der Klinge herum, die er Oraf abgenommen hatte, als wäre es ein Spielzeug und lachte.
„Lasst das Schwert!“, fuhr es aus dem gefangenen Reiter heraus und wurde sogleich von Oraf auf die Felle gedrückt.
„Dann erklärt erst: Wo habt ihr das Schwert her?“
„Ich habe es gefunden!“
„Lügt nicht so frei Hand!“, Orafs Augen blitzten wieder voller Wut und er bleckte seine Zähne.
Der Zwerg sprang einmal auf, doch seine Rüstung und seine kurzen Beine schienen ihn nicht höher als 20 Zentimeter springen zu lassen.
„Nicht lügen! Reden!“
Der junge Reiter spannte seine Muskeln an und wollte sich wieder befreien, doch die Fesseln fraßen sich in seine Haut und er ließ es sein. Er konnte die Schmerzen nicht mehr ertragen, nur weil er sich befreien wollte.
„Sag die Wahrheit und wir lassen dich frei.“, warf Oraf den Kompromiss ein und seine Augen blitzten hinterhältig.
„Ich fand die Klinge in einem Tempel, ich lüge euch nicht an!“, knurrte der Reiter und die langen Strähnen seiner schwarzen Mähne fielen in sein Sichtfeld.
„Bissig Hund, bissig.“, merkte der Zwerg an.
„Du hast recht, Ido. Vielleicht lassen wir ihn noch einige Tage hier. Der Hunger soll ihn überreden.“
Der Zwerg grinste siegend und drückte die Skripte näher an die gepanzerte Brust, bevor er hinausrannte.
Von draußen erhob sich ein starker Wind, doch er schien nicht von Natur aus da zu sein. Etwas anderes erzeugte den Windstoß, welchem ein Brüllen folgte.
Der Reiter blickte erstaunt auf, es war das Rufen eines Drachens und es kam ihm sehr bekannt vor.
„Erstaunt? Du kannst ihn dir ansehen, nur sag, woher das Schwert.“
Oraf grinste, er hatte die Neugier seines Gegenübers aufgeschnappt und wollte diese für sich nutzen, doch sein Gegenüber sah ihn nur ruhig an und wechselte den Blick- Er war genervt, denn er bemerkte, dass Oraf seine Neugier ausnutzen wollte, als wäre er ein Kind, dass sich mit einer Handvoll Beeren bestechen ließ.
„Ich sagte euch die Wahrheit! Ich habe keinen Grund zu verschweigen, woher mein einziger Schutz kommt!“, fuhr der Gefesselte auf und schnaubte zum Abschluss.
„Temperament haben wir hier gefangen.“, merkte Oraf an und lachte dann, welches sich dann so nett anhörte, dass der junge Mann erstaunt aufblickte. Warum hörte sich der Mann vor ihm plötzlich so freundlich an, obwohl er ihn noch vor wenigen Sekunden hatte erwürgen wollen?
„Ich bin Kommandeur dieses Lagers, der Schreiber von vorhin ist Ido.“, erklärte Oraf und machte die Fesseln auf, nahm die Stricke dann zu sich und packte sie in eine Tasche hinter seinem aufwendigen Gewand. Seine Augen verrieten, dass er einen Plan hatte und dazu gehörte wohl anscheinend, die gespielt nette Fassade.
„Du willst mir sagen…“, Oraf sah kurz nach hinten und seine weisen braunen Augen besahen wirklich jeden einzelnen Winkel des Zelteinganges, erst als er sich sicher wahr niemanden zu sehen, wandte er sich wieder zu seinem Gesprächspartner.
„Du meinst, das Schwert hast du in einem Tempel gefunden?“
Der Reiter nickte hastig und rieb sich die schmerzenden Handgelenke.
„Mein Vater ging oft hin, als er starb bin ich zu seinem Tempel gegangen und fand dieses Schwert.“, er wies beim Erzählen auf das Schwert mit der schwarzen Klinge.
„Dir ist nicht bewusst woher es kommt?“, fragte Oraf und fand es doch etwas ungläubig, dass der junge Mann vor ihm so unwissend über die schwarze Klinge war, aber solche intellektuellen Augen hatte.
„Entschuldige, dass ich dir nicht glaubte.“, er tat es auch jetzt noch nicht, doch Oraf wollte vor seinem Gefangenen nett erscheinen, um die Basis seines Plans zu festigen und so half er dem jungen Mann auf und erklärte ihm, dass der Zustand desLagers kritisch ist und dass ein solches Schwert nur Schlechtes bedeutete, wenn es in den falschen Händen ist.
Der junge Reiter fand es etwas fragwürdig, denn  der plötzliche Sinneswandel des Mannes machte ihm Bedenken über seinen eigenen Schutz.
„Ich begleite dich zum Zelt der Frauen, dort kannst du dir was zu essen holen. Ein Mann muss essen!“, bei diesen Worten lachte Oraf und haute sich selbst mit geballter Faust auf die rechte Brust, während er mit der Linken den Mann hinaus schob.
Was hat er vor?...
Dem Reiter wollte es nicht einfallen.
Die Arbeit draußen wurde plötzlich eingestellt und alles wurde still. Jedermanns Blick fiel nun auf den halbnackten Mann, der mit einem gespielten Lachen von ihrem Kommandeur aus dem Zelt geschoben wurde. Die Männer, die sich um den Drachen gekümmert hatten, hatten sich Zaumzeug und Taschen vom Drachen auf den Rücken geworfen und blieben kurz vor dem Zelt stehen. Sie sahen den Fremden an, ihre Blicke verrieten ihre Müdigkeit, doch sobald sie ihren Kommandeur erblickten, huschten sie weiter und verschwanden in einem anderen Zelt.
Die Luft war stickig und sie schien nur noch wärmer zu werden, je näher der Reiter dem Zelt der Frauen kam.
„Oraf!“
Der Zwerg Ido rannte mit Händen voller Skripten auf den Kommandeur zu und fing an in einer fremden Sprache etwas aufgebracht zu erzählen.
Oraf wandte sich von Ido ab und besah den Reiter.
„Geh hinein. Ich habe zu tun.“, die Verabschiedung klang wieder nach dem Mann, der dem jungen Reiter den Hals umgedreht hätte.
Der Reiter sah sich um, die Blicke lagen immer noch auf ihm und es wurde unangenehmer je länger er einfach nur da stand.
Er fragte sich, ob er wirklich hinein gehen sollte, doch dann gab ihm sein Magen die Antwort.
Die Männer, die draußen arbeiteten und einige neben Schwerter und Lanzen, so wie Pfeile spitzen auch ihre Rüstungen zusammenflickten, musterten den Fremden und schienen sich teils eifersüchtig, teils angegriffen zu fühlen, als sie sahen wie geschmeidig sich der Fremde bewegte und wie dessen Muskeln agierten, als dieser im Zelt der Frauen verschwand.
Es war stickig, heiß, voll und vor allem laut. Die Frauen huschten entweder schwerbepackt mit Holz oder Säcken mit Essen durch die Reihen oder sie standen an den riesigen Töpfen und schwangen den Kochlöffel, während ihre andere Hand immer wieder über die schwitzende Stirn fuhr und die herausfallende Strähne wieder zurücksteckte.
„Hey, was suchst du hier!“, die Stimme der Frau, die gerade auf ihn zu geschoßen kam, klang nicht sehr freudig, deswegen entschied der gerade Hereingetretene nichts zu sagen.
„Sowas, sowas! Da denken diese Männer doch wirklich, dass sie etwas mehr zu essen bekommen, wenn sie hier nackt hinein spazieren!“, meckerte die Frau und sah ihn an. Sie war ein Stück kleiner, doch ihr Charakter machte sie größer, als den immer noch stillen und nun rotwerdenden Mann.
„Denkst du, du bekommst was zu essen!?“
Der Reiter entschied wieder, dass es keine Frage war, aufgrund des Tones, sondern eine Aussage.
„Mizu, lass ab von ihm. Er gehört nicht zu uns. Sonst wäre er markiert und wäre nicht so schüchtern!“ An einem Topf lehnte eine Leiter auf der eine kleine Frau stand, den Kochlöffel aus der Suppe zog und sich zu den beiden am Eingang wandte.
„Was weißt du schon. Ich wette er tut nur so! Die sagen uns doch eh nicht, wie viele Mäuler zu stopfen sind!“
Mizu, die Frau mit der riesigen Wut im Bauch drohte fuchtelnd mit dem Kochlöffel in ihrer Hand, in Richtung der kleinen Frau am Topf.
„Sieh ihn dir doch an, Mizu.“, mit einem behaglichen Lächeln trat eine weitere junge Frau dazu, sie war genau so groß wie die mürrische Frau neben dem Fremden, doch ihre langen schwarzen Haare waren zu einem locker geflochtenem Zopf zusammen gebunden worden und dieser lag über ihrer Schulter. Sie schob Mizu beiseite und meinte zu ihr, sie solle sich um das Essen kümmern, da bald auch die Späher kommen würden.
„Hallo. Hast du dich hierher verirrt?“, sie lächelte immer noch und der junge Mann konnte sich keinen Reim auf diese verschiedenen Charaktere machen.
„Nun, ich kann dir helfen, wenn du willst. Wie heißt du?“
Die Frau mit den langen schwarzen Haaren, legte die Hände vor ihrem Kleid zusammen und legte den Kopf schief.
„Astar…“, murmelte der junge Mann leise, doch sie schien ihn verstanden zu haben und nickte erfreut, dass er ihr wenigstens geantwortet hatte.
„Gut, Astar. Du bist neu, nicht wahr? Komm mit nach hinten. Mir scheint du hast einen großen Hunger.“, sie kicherte kurz, legte dabei ihre zarte Hand vor den Mund und lief dann los.


Astar hatte Schwierigkeiten ihr zu folgen. Alle Frauen, die in diesem Zelt untergebracht waren, schienen keineswegs zusammenzustoßen. Doch Astar musste eine Menge an Konzentration aufgeben, um sich durch die Reihen der Frauen zu schlängeln ohne mit ihnen zusammen zu stoßen und dabei auch noch der jungen Frau zu folgen, die ihm was zu essen anbot.
„Hier, setz dich.“, die junge Frau reichte Astar eine Schüssel mit Suppe und bat ihn sich auf den Boden zu setzen. „Wenn du mehr willst, frag die da hinten,", sie zeigte mit einem schmalen Finger in Richtung einer dürren und älteren Frau am Kochtopf, "aber nimm dich in Acht vor Mizu, sie ist hier die Chefin.“
Lächelnd verließ die junge Dame den Platz hinter den Kochreihen, verschwand wieder zwischen der kochenden Menge und verhalf einigen beim Anrichten der Suppen.
Astar blickte sich um, es war neu für ihn, selbst der Geruch des Essens, aber auch das Verhalten dieser Frauen.
Er streifte schon lange durch diese Welt, doch er hatte noch nie so ein riesiges Lager gesehen. Sein Blick wurde etwas traurig. Er verstand es noch nicht ganz, doch er hoffte auf eine baldige Antwort. All diese verschiedenen Charaktere unter einem Dach, sie schienen sich alle auszugleichen. Das beste Beispiel waren die Frau von gerade eben und Mizu, die eine die ruhige und helfende Seele, die andere die schützende und aggressive.
„Vielleicht bin ich hier richtig.“, murmelte er undeutlich und sah dann auf, als genau vor ihm sich jemand hinhockte.
Das runde Gesicht, welches durch einen blonden Kurzhaarschnitt eingerahmt wurde, legte sich in wütende Falten und der Geruch von Suppe schien ihr auch nicht zu gefallen, aber auch nur, weil er direkt aus der Schüssel in Astars Händen kam.
Doch so plötzlich Mizu auch da war, so schnell war sie auch wieder verschwunden.
„Einmal lasse ich es durchgehen, doch ein zweites Mal…“, dann war ihre meckernde Stimme endgültig im Krach des Küchenzeltes verschwunden. Astar starrte in die Menge. Sein Herz fühlte sich so an, als ob es kurz stehend geblieben war, so erschreckend war für ihn das Auftauchen der wütenden Frau.
„Du siehst mitgenommen aus.“, merkte eine Stimme an. Der fragende Blick eines jungen Mädchens fing Astars auf und sie lächelte schließlich.Das Mädchen lief tollpatschig mit dem Holzstapel in den Armen weiter, legte es neben einen der riesigen Öfen und wandte sich wieder Astar zu.
„Keine Angst vor Mizu, sie ist zwar hier die Chefin, doch sie kann auch nett sein.“
Astar blickte skeptisch drein, er glaubte es nämlich nicht. Er war zwar nicht vielen Frauen begegnet, die einen solchen Charakter in sich trugen, wie Mizu, doch er war sich irgendwie auch sicher, dass Mizu sich gegenüber ihn auf jeden Fall nicht ändern würde. Selbst wenn er ihr Blumen und Schokolade schicken würde.
„Nein, ich meine es ernst.“, das Mädchen sah Astar nett an und hockte sich neben ihn. Ihr Gesicht war voller Ruß und ihre Kleidung hatte viele zugeflickte Löcher, außerdem schien ihr Rock hochgekrempelt worden zu sein, weil er ihr viel zu lang ist.
„Wie heißt du denn?“
„Astar…“
Das Mädchen lächelte.
„Halte mich auf, wenn ich zu viel rede.“, sie lachte schließlich, welches ihr sofort wieder aus dem Mund verbannt wurde.
„Wir sitzen hier also? Na los! Wir wollen uns hier nicht an Männer ranmachen! Wir kochen vielleicht für diese Hirnlosen, doch wir sind keine Huren!“
Mizu war wieder rechtzeitig vor Ort und scheuchte das Mädchen wieder zum Holzholen, da die Flammen unter den Töpfen wieder kleiner wurden.
„Und du!“
Wütend wandte sich die Chefin des Zeltes zu Astar und hielt ihm den Kochlöffel unter die Nase.
Astar wich zurück und hielt immer noch die Schüssel mit der nicht angefassten Suppe.
„Esse schneller oder ich verdonner dich dazu die Teller noch heute Nacht zu waschen!“
Damit hatte Mizu wieder einer ihrer siegreichen Abgänge und verschwand in der Menge.
Astar nickte nur und setzte die Schüssel an den Mund.

Die Aufmerksamkeit der Frauen schien er nicht nur dadurch zu erwecken, dass er neu war, auch durch seinen unbekleideten Oberkörper hatten es die Frauen und Mädchen auf ihn abgesehen und schienen nicht nur nett zu ihm sein zu wollen.

Sobald er fertig war hielt er die leere Schüssel immer noch in der Hand und verfolgte immer noch den großen Tumult, der sich vor ihm abspielte. Allerdings schien dieser auch wieder abzuschwellen, Schüsseln wurden scheppernd hinaus gebracht und mit fluchenden Stimmen liefen die Frauen nach und nach hinaus. Sie deckten den Tisch für die Männer.
Astar seufzte, so ein Zustand im Lager bedrückte ihn, er hätte Frauen nie so behandelt. Zu mindestens glaubte er das.
„Hey.“
Die junge Frau mit den langen schwarzen Haaren trat wieder an seine Seite und lächelte.
„Hat es geschmeckt?“
Astar nickte und sah nochmals in die leere Schüssel, dabei kicherte Shimire wieder und setzte sich neben ihn, nahm ihm noch die Schüssel ab.
„Du wirkst ganz anders, als die anderen Männer hier im Lager. Hat Bimér recht und du gehörst nicht zu uns?“
Astar blickte in das Gesicht der jungen Frau und zuckte mit den Schultern.
„Nein, das tu ich eigentlich nicht.“
Bei dieser Antwort ging sein Blick hoch zu der hohen Decke des riesigen Zeltes.
„Aber?“, sie half Astar etwas nach mit seinem Reden, da sie bemerkte, dass er doch etwas schüchtern oder mehr oder weniger wortkarg war.
„Ich habe keinen Ort zum Bleiben…“
„Du willst also gerne hier bleiben?“
Die Tonlage ihrer Stimme klang mehr erstaunt als erfreut. Sie war wohl niemanden bis jetzt begegnet der freiwillig hier bleiben wollte und das sagte sie auch.
Astar nickte nur, konnte aber seine Gedanken nicht begründen. Etwas schien ihn hier zu halten.
„Die Männer werden jetzt essen. Wir werden eine Weile Stille haben. Komm mit. Ich zeige dir etwas.“
Sie stand auf, schnappte sich Astars Hand und beim Vorbeilaufen an den Kochreihen, stellte sie die Schüssel hin.
Mehr schleichend verließen die beiden das Zelt vorbei an den Frauen, die sich in einer Reihe aufgestellt hatten und die Hände, gemäß den Vorschriften im Lager, vor sich getan hatten.
Die Schnwarzhaarige zog Astar weiter, als dieser kurz stehengeblieben war und den Worten der Männer zugehört hatte. Es war wieder in der anderen Sprache, doch er empfand es als faszinierend, dass sie Etwas vor dem Einnehmen des Essens sagten. Als wäre ein Gebet an die Götter am Tisch nötig.


Astar stolperte über einen Stein und fiel in den Rücken seiner Führerin. Sie lachte kurz, drehte sich zu Astar um, hielt ihn fest und richtete ihn wieder auf.
„Es wird dunkler, wir hätten dir etwas zum Überwerfen mit nehmen sollen.“, erwähnte sie, als sie seinen nackten Oberkörper in Augenschein nahm.
Astar winkte ab und sein Blick fiel auf den See, an den sie ihn gebracht hatte.
„Eigentlich wird er zum Abspülen, Waschen und Baden verwendet, aber ich finde ihn Nachts immer so schön.“, sagte sie mit einer Stimme, die um so viele Stufen sanfter geworden war, sobald ihr Blick den Wasserspiegel erblickt hatte. Astar musterte ihr Gesicht. Ihre Augen funkelten und spiegelten den glitzernden See wieder.
„Es hat den Anschein, als ob er leuchten würde. Als ob etwas tief unten auf seinem Grund jede Nacht eine Lampe anmachte.“
Daraufhin wandte Astar sich dem See zu und sah, dass seine Begleiterin auf irgendeiner Art und Weise recht hatte.
Kurz darauf lachte sie wieder und hielt sich die zarte Hand vor den Mund.
„Das ist dumm, ich hätte das nicht sagen sollen. Wir kennen uns ja nicht mal richtig, aber ich habe das Gefühl, dass ich schon eins über dich sagen kann.“
Astar sah sie fragend an.
„Ich mag dich.“, flüsterte sie nun verschüchtert und lief dann wieder zu den Zelten.
„Du findest den Weg.“, damit verschwand sie.
Astar sah ihr nach, er fühlte sich geschmeichelt, doch auch verwirrt. Sie kannte ihn noch gar nicht so lange und mochte ihn schon?
Außerdem kannte er ihren Namen nicht mal.
Die Sache mit dem Zurückfinden würde Astar jedoch einige Probleme bereiten, doch er sah wenigstens die Zelte, das gab ihm eine minimale Chance den Weg wieder zu finden.
Jedoch wandte er sich erst mal zu dem See und besah diesen, dann würde er sich überlegen ob er wieder zurück gehen sollte und wie vor allem.
 

Die Nacht wurde immer stiller, doch vom Lager her hörte man das berauschte Singen der Männer. Der kühle Wind um den See herum erfrischte Astar mehr, als dass er ihn frösteln ließ.
Das Geräusch des Sees rundete die ganze Atmospäre etwas ab und Astar fühlte die Einsamkeit außerhalb des Lagers. So hatte er einen Grund zurück zu gehen, obwohl er Gesellschaften nur zum Belauschen mochte. Aber er musste auch zurück weil sein Schwert und seine Ausrüstung noch im Lager waren.
« Letzte Änderung: Oktober 29, 2010, 09:54:44 Nachmittag von LordLei´Cill »
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Re: Das Schwert des Mantikor
« Antwort #3 am: November 01, 2010, 07:12:07 Nachmittag »
(hier ist es endlich xD gott hat das gedauert.....)

Kapitel 3  „Kampf - Gimeh“

Das Wetter schien sich nicht zu unseren Gunsten zu wenden. Der schreckliche Platzregen und das Gewitter mit den schwarzen Wolken hielt über unseren Köpfen an und durchnässte unsere Harnische, auf denen wir stolz das Emblem unseres Reiches trugen- der Kopf eines brüllenden Löwen. Leise traten unsere Hengste einen Schritt vor und wieder zurück. Es war kurz vor Winteranbruch und nicht nur den Reittieren, sondern auch uns Kriegern wurde  kalt.
Wir stießen, leise hauchend kleine Dunstwolken aus und gingen, jeder auf seiner Art, tief in sich hinein, um ein letztes Mal unseren Frauen alles Gute zu wünschen und dass unsere Söhne groß und stark werden.
Wir waren nur einige Hunderte, die sich freiwillig erhoben hatten. Wir versuchten unserem Reich zu dienen, nicht wie viele andere Krieger, die achtlos ihre Rüstung abgeworfen und den Harnisch, den sie so stolz am Rücken trugen, an den Haken gehängt hatten.
Unser Stolz mag das am hellsten scheinende sein, was wir mit uns tragen. Selbst die Klinge und das Schild in unseren kalten und verkrampften Händen würden nicht so hell scheinen können wie unser Stolz.
Der Regen ließ nach, doch die schwarzen Wolken blieben, als würden sie auf unser Verderben warten. Unsicher traten die Pferde hin und her, wieherten immer mal wieder und hob die Köpfe an. Leise klirrten die Zügel und wir zogen fast gleichzeitig an diesen, um die Pferde zur Ruhe zu zwingen. Der Griff um unsere Schwerter verstärkte sich. Schemenhaft zeichnete sich eine anbrechende Armee am Himmel ab. Wir schnappten schnell nach Luft, gierig und wissend, dass es unser letztes Mal sein könnte.
Barbarisches Schreien, Brüllen und Grölen zerriss den Frieden zwischen uns. Wir wurden unsicher. Wir dachten wir würden nur gegen so viele kämpfen, wie unsere Arme schlagen konnten, doch es waren weit aus mehr Gegner, denen wir entgegen blickten. Enttäuschung machte sich in unseren Gesichtszügen breit und bei wenigen erkannte man das Zucken der Zügel, wie sie ihre Pferde unbedingt wenden wollten, doch die Pflicht rief.
Die Erde fing an zu beben, nur durch das Getrampel, der anrennenden Gegner. Angst.
Wir schluckten schwer, bevor das Banner unseres Reiches hoch hinauf in den Himmel geschoben wurde und wir mit schwachem Brüllen versuchten los zu preschen. Es trennten die beiden Seiten nur noch wenige Hundert Meter, doch wir fingen Mut. Wir alle folgten der vordersten Front unseres Kampftrupps.
Mit einem Glanz von Wahnsinn empfingen uns unsere Gegner und schossen mit Pfeilen auf uns. Die ersten fielen schreiend von den Pferden, die verwirrt auf die Hinterbeine stiegen und kurz darauf mit weiteren schwarzen Pfeilen erstochen wurden.
Schweratmend kämpften wir uns vor, setzten all unsere Kenntnisse ein und doch fiel ein Krieger des roten Reiches nach dem anderen.
Blut tränkte den Boden und Schlamm überdeckte die Leichen der Stolzen. Die gegnerische Welle nahm überhand. Zu viele Kämpfer, die mit großem Blutdurst auf uns zu rannten, in der erhobenen Hand die schon blutige Axt oder das Schwert.
„Flieht!“, rief plötzlich jemand mit voller Kraft, die Stimme schmerzte ihm, als er nochmal aus vollem Halse zum Fliehen aufforderte. Ein drittes Mal erklang die Stimme, doch erstickte sie gurgelnd in der Mitte des Wortes.
Die Überlebenden machten kehrt. So schnell sie konnten zwangen sie ihre Pferde den rutschigen Hang hinauf und sahen zu, dass sie Gleichgewicht behielten, wenn die Pferde unbeholfen über Leichen galoppierten. Der Regen setzte wieder ein und auch wenn die nach vorne preschenden Reiter alles daran setzten vorwärts zu kommen, so erreichten sie dennoch nicht mal die Spitze des Hügels, von dem sie ihren Ritt in den Tod gewagt hatten...


Schweißgebadet riss es Astar aus seinem Traum und er hielt sich mit der zitternden Hand den Kopf. Es war Angstschweiß, der sich seinen Nacken entlang in Form von kleinen Tropfen entlang zog. Astar war kalt, doch er schwitzte. Ein verstörter Blick erreichte ihn schließlich, als der Zwerg Ido in das Zelt trat. „Was du suchst hier?!“, knurrte er und hätte fast die ganzen Pergamentrollen, die er in den Händen hielt in die Luft geworfen.
„Beruhige dich, Ido!“, ermahnte ihn eine tiefe, weise Stimme.
Astar kannte beide Stimmen, doch er hielt sich nur wieder am Kopf und zog die Beine an, half sich mit der freien Hand und stand auf.
„Langsam, mein Freund.“, wieder war da diese tiefe Stimme und eine sanfte Berührung an den Schultern. Astar fuhr zusammen, drehte sich um und hielt in Angriffshaltung die Arme hoch, doch dem fragenden wich der wütende Gesichtsausdruck und Astar stellte sich wieder auf.
„Keinen guten Traum gehabt?“, ein breites Lächeln zeichnete sich in dem Gesicht des Anführers ab.
„Oraf…“, flüsterte Astar zu sich selbst.
„Richtig. Ich fühle mich geehrt, dass du meinen Namen noch kannst.“, das Lächeln verschwand nicht.
Ido, der Zwerg mit den ganzen Papieren kämpfte sich an Astar vorbei und schob ihn zur Seite.
Überraschen über das Umfeld hob Astar eine Augenbraue und wandte den Blick einmal im Kreis. Es war das Zelt in dem er sich am ersten Tag seiner Anreise befunden hatte. Die vielen Felle auf denen er gefesselt gelegen hatte, waren immer noch da, wo sie auch bei seiner Ankunft waren.
Der Reiter hob fragend den Kopf, legte ihn in eine leichte Schräglage und verengte die Augen, die Gedanken an den Traum wurden erst einmal bei Seite geschoben.
„Keinen Grund misstrauisch zu sein!“, der Mann lachte laut und seine Augen funkelten wieder auf dieser hinterlistigen Art.
„Wie…komme ich hier her?“, fragte Astar schließlich und fuhr sich mit einer Hand über die nackte Brust. Oraf ging auf seine Frage nicht ein und kramte unter den Fellen das Oberteil des Reiters aus und reichte es ihm.
„Du solltest nicht unbekleidet bleiben.“, meinte der Kommandeur des Stützpunktes und ging mit seiner leise scheppernden Rüstung zum Ausgang des Zeltes, bevor er sich nochmals zu seinem Gast wandte und ihn anlächelte:
„Genehmige dir etwas zu essen im Küchenzelt. Das Lager ist ruhig um diese Zeit, du solltest kein Problem bekommen, dich um zu sehen.“, erklärte der Mann, wandte sich mit dem Rücken zu Astar und verschwand.
Immer noch fragen und erstaunt zugleich, sah sich der junge Mann im Zelt um und verlagerte das Gewicht schließlich nach hinten, um einen lockereren Stand zu bekommen.
„Der Traum schon wieder…“, er hielt sich wieder am Kopf und atmete tief ein, bevor er mit dem beigen Hemd am Oberkörper nach draußen verschwand.
Er trat direkt auf eine freie runde Mitte, in der sich einzig und allein ein mittelgroßes Lagerfeuer befand, welches aber schon lange ausgemacht worden war.
Kurz hockte sich Astar hin und legte eine Hand locker auf den Boden, atmete die frische Morgenluft ein und lauschte der Umgebung mit geschlossenen Augen. Leise knisterten noch einige Blätter vom Schreiber des Stützpunktes. In kleiner Entfernung hörte er das Aufgehen einiger Zelte und wie einige Frauen sich auf dem Weg zum Küchenzelt unterhielten. Er öffnete die Augen wieder und blickte nach vorne, das Gehör immer noch gespitzt, wie bei einem Tier, das auf Jagd war. Schnell spannte er sich an, als er leichte Schritte hinter dem Zelt des Kommandeurs hörte und stand wieder in voller Größe da, drehte sich um und sah erwartungsvoll zu der Ecke des riesigen Zeltes. Schwarze lange Haare und ein bezauberndes Lächeln, zusammengefügt mit einem zierlichen Körper liefen um die Ecke und blieben genau vor ihm stehen.
 Es war wieder das Mädchen, welches ihm den leuchtenden See gezeigt und zu gegeben hatte, dass sie den jungen Reiter mochte. Astar sah sie überrascht an und trat zurück, auch die Schwarzhaarige tat es und lächelte ihn zart an.
„Guten Morgen.“, sagte sie schließlich und hielt die Hände zusammengefaltet vor sich.
Astar nickte ihr zu und leckte sich kurz über die Lippen, bevor er wieder den Blick von ihr abwandte und gerade gehen wollte, doch da hielt ihn die zierliche Hand am Handgelenk fest und drehte ihn wieder zu dem weichen Lächeln zurück.
„Hast du Hunger? Mizu schläft noch, ich mach dir schnell was.“, bot sie ihm an und kicherte leise.
Astar sah sie wieder überrascht an, nickte dann doch und folgte ihr zwischen den vielen Zelten zum Küchenzelt.

Schnell war etwas für den hungrigen Magen des Reiters gemacht worden und er hatte es auch schnell aufgegessen.
„Danke.“, flüsterte er und erhob den Blick von der Schüssel.
„Nichts zu danken.“, erwiderte die junge Frau und nahm die Schüssel aus Astars Händen und legte es zu den restlichen schmutzigen.
Astar beugte sich vor, winkelte die Beine an, damit er seine Arme auf die Knie legen konnte und beobachtete das Mädchen vor sich, welches noch mit einigen eleganten und fast schon schwebenden Schritten etwas holte. Als sie wieder kam, reichte sie ihm ein Glas Wasser, hockte sich vor ihn und lächelte.
Astar nahm die kleine Tasse an sich und betrachtete eine Weile das Wasser darin, dann blickte er wieder das Mädchen vor sich an.
„Wie heißt du?“, fragte er sie schließlich.
Sie kicherte wieder und hielt eine ihrer Hände vor den Mund, bevor sie mit strahlenden Augen den jungen Mann ansah und die Hände in ihrem Schoß wieder zusammenlegte.
„Ich bin Shiou.“, meinte sie mit sanfter Stimme, legte den Kopf etwas zur Seite und blieb mit geradem Rücken sitzen.
Astar nickte und nahm einen Schluck Wasser, bevor er grübelnd über den Boden sah.
Es gab vieles was er in diesem Moment klarstellen wollte.
Was hatte Oraf vor und wieso gab es einen gefangenen Drachen?
Wieso kümmerten sich die Frauen, um die Männer, die nichts anderes als Gaffen konnten?
Wie würde er sein Schwert wieder bekommen?
Warum hatte er das Gefühl hier einen erfolgreichen Neuanfang machen zu können?
Und so gab es nur noch mehr Fragen, doch das waren die wichtigsten, die Astar beschäftigten und die er unbedingt so früh wie möglich lösen wollte.
„Shiou? Ah perfekt hier bist du!“, rief eine strenge Frauenstimme und schien einen Nachklang von Erleichterung in sich zu tragen. Es war Mizu, die heran trat und sich eine verdreckte Schürze umband. Ruckartig blieb sie stehen, als ihr Blick den jungen Mann streifte. Sofort sah sie ihn wütend an und trat mit in die Hüfte gestemmten Händen an die beiden Sitzenden heran.
„Was soll das? Er kriegt umsonst Essen und Trinken?“, fragte sie vorwurfsvoll und nahm die Tasse aus Astars Händen, gab sie Shiou, dem Mädchen mit den langen schwarzen Haaren und meinte schließlich mit strengem Blick zu ihr:
„Das gibt nur Ärger mit den anderen!“
Astar spitzte die Ohren, doch wurde er sogleich total überrumpelt und stand in wenigen Sekunden, mitgerissen von der Chefin des Küchenzeltes, vor einem Berg von schmutzigem Geschirr.
„Wenn du hier schon denkst du kannst essen, dann hilf mit und bring das hier runter zum See.“, wies Mizu an und packte selbst mit an, nachdem sie ihre Ärmel hochgekrempelt hatte.
Shiou lächelte und hob einige Teller an und ging schließlich los. Schnell packte Astar mit an, was sollte er anderes tun und mit Mizu wollte er nun nicht wirklich diskutieren.
 
Am See angekommen erblickte er schon einige andere Frauen, die kauernd über dem Wasser knieten und wie maschinell die Teller und Schüssel wuschen.
Astar schüttelte den Kopf und stellte zögernd die Teller zwischen Shiou und Mizu ab, die sich zum Abwasch hingekniet haben.
„Du, Nichtsnutz, holst das andere Geschirr, aber trödel nicht!“, kommandierte Mizu und sah Astar noch mit einem warnenden Blick, welcher so viel heißen sollte wie: Und wag es nicht es nicht zu tun, an. Nachgebend nickte Astar und ignorierte das Gekicher der Frauen.
„Er ist doch süß.“, hörte er schließlich und verkniff es sich nach hinten zu schauen, um diejenige zu entlarven, die das gesagt hatte.
Er lief zwischen den Zelten wieder zu dem Küchenzelt und sah es sich nochmals in der Stille, die nun herrschte, an. In parallelen Reichen standen die Kochtöpfe auf den riesigen Herden und warteten nur darauf wieder zu brennen und zu kochen. 
Astar schüttelte den Kopf und kümmerte sich schließlich um das Geschirr, dass er mit einigen Malen hin und her Laufen an den See brachte. Als er endlich die letzte Ladung von schmutzigen Schüsseln an den See brachte, sah er sich noch einmal die Frauen an, die ihre Ärmel der mickrigen Hemden hochgekrempelt hatten und die Röcke unbeholfen immer wieder nachzogen.
Mizu stand schließlich als Erste auf und wischte sich über die Stirn. Mit einem grimmigen Gesicht wandte sie sich Astar zu und trat zu ihm, sie war um fast zwei Köpfe kleiner als er.
„Was guckst du noch? Hast du alles gebracht?!“, fragte sie mit weit ausfahrenden Armen und stemmte diese wieder in die Hüfte.
Astar trat leicht zurück und nickte schließlich.
„Gut, dann erklär mir mal, was du hier suchst! Du bist ein Mann, warum bist du also nicht mit den anderen zum Erkunden gegangen?“
Astar hoch fragend die Brauen und hob schließlich eine Hand, um sich durch die Haare zu fahren, wovor Mizu schreckhaft zurückwich, als sie die Hand hoch gehen sah. Der junge Mann musterte sie fragend und etwas besorgt.
„Ich bin hier neu…wahrscheinlich…“, murmelte er schließlich unsicher und wurde von Mizu mit einem aggressiven Fauchen zurück zu den Zelten geschickt.

Es war schon ein Wunder, dass Astar gestern den Weg gefunden hatte, doch wie er bei Oraf aufwachen konnte verstand er noch nicht ganz. Jedoch beunruhigte ihn dieser Gedanke nicht so sehr, wie die anderen vielen offenen Fragen die er hatte.
Seufzend senkte er sich wieder auf den Boden und hockte vor dem ausgemachten Lagerfeuer. Es roch nach Asche, von der er dann etwas in die Hand nahm und zwischen Zeigefinger und Daumen zerrieb.
„Diese Welt ist so traurig und trostlos, wenn man sie durchquert…Manchmal bereue ich es hier her gegangen zu sein…Die andere Welt war doch um so vieles interessanter…“, sprach er zu sich selbst und schloss dann die Augen, als ein Wind sich zwischen de vielen Zelte verirrte und Astars Gesicht erfrischte.
Gerade wollte sich Astar seinen Fragen wenden, um sie zu beantworten, als ein riesiger Aufwind seine Ruhe störte und die Asche vor ihm aufwirbelte. Mit einem tiefen Kreischen setzte sich der Drache auf den Platz des Lagers und riss weit das sabbernde Maul auf. Astar wich zurück und wäre beim Aufstehen fast wieder auf seinen Hosenboden gefallen.
„Ha ha, seht euch den an! Kein Mumm in den Knochen!“, es war ein Mann der lachend von dem Drachen runter ging und diesem über die schuppige Haut strich, bevor er den Blick zu dem Reiter wandte.
„Der Kommandeur meinte du wärst einer der großen Außerwählten.“, der Mann grinste breit und reichte Astar eine Hand.
„Ich wette du hast nichts drauf und kannst nicht einmal einem Drachen befehligen!“
Astar schnaubte dem Mann entgegen und hob den Kopf an. Er mochte es nicht, wenn man so herablassend über ihn sprach.
„Drachen sind heilige Tiere. Wer sie als Reittiere nutzt hat keine Ahnung von deren Kräften!“, sagte Astar und ballte dabei die Hände zu Fäusten.
„Es ist ein Wunder, dass du überhaupt noch lebst. Wie dumm ist der eigentlich. Männer hört euch den an!“, der Drachenreiter wandte sich mit herzhaften Lachen von Astar ab und blickte seinem Gefolge, einige untalentierte Fußsoldaten, entgegen.
Ein schallendes Lachen ging durch die Reihe. Bevor sich Astar noch versehen konnte, stand er mitten einem Kreis aus Soldaten und es schien so, als würde ihn der Reiter des Drachen dazu auffordern zu kämpfen. Dabei trat der Drache jedoch nicht aus dem Kreis und erhob noch einmal seine Stimme.
Astars Blick ging zwischen dem Drachen und dessen Reiter, dann jedoch stellte er sich locker hin und nickte.
„Ich habe keinen Grund zu kämpfen…“
„Du wirst diesen aber gleich haben!“, der Gegner lachte wieder und warf gekonnt ein normales Schwert vor die Füße des jungen Mannes.
„Ich will wissen, ob die schwarze Klinge dir überhaupt gehören kann!“ und schon rannte der Drachenreiter auf Astar los und erhob seine eigene gewundene Klinge in den Himmel.
Astar war gerad eben dabei gewesen das Schwert vor sich aufzuheben, sah auf und sah noch auf die niedersausende Klinge vor sich, ließ sich bewusst auf den Rücken fallen und stemmte die Beine auf die Brust des Gegners, der mit soviel Schwung auf Astar zu gerannt war. Der junge Mann drückte sich vom Boden an und warf den Drachenreiter über sich hinweg, damit dieser ungemütlich mit dem Gesicht im Dreck landen sollte, doch gekonnt rollte dieser sich ab und stand wieder angriffsbereit.
Astar sprang vor, um einen Abstand aufzubauen, rollte sich ab und stand mit einer halben Drehung wieder auf.
Der Mann grinste breit, doch das Lachen schien ihm schon vergangen zu sein.
„Interessant…“, knurrte er und zog seinen Mantel aus, um beweglicher zu sein.
Astar schloss kurz die Augen und wankte zurück, erhob die einfache Klinge vor sein Gesicht und blickte seinen Gegner wieder an. Dieser befand sich wieder kurz vor Astar und holte mit dem Schwert aus…

~die trügerische Anmut der Finsternis oder die scheinende Schwäche des Lichtes...Wähle deine Waffe weise...~

 

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