Autor Thema: Der Fluch der Dunkelheit  (Gelesen 513 mal)

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Offline Ryoki

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Der Fluch der Dunkelheit
« am: Januar 29, 2010, 05:02:02 Nachmittag »
Beschreibung:
Zane führt das ganz normal abnormale Leben eines pubertierenden Teenagers. Er steht auf Kriegsfuß mit manchen Lehrerern, hat einen außergewöhnlichen Freundeskreis, hat gewisse Problemchen mit seinen Eltern und steht auf Metal. Vielleicht würde er sogar zu der ein oder anderen Saufparty gehen, oder sich anfangen für Mädchen zu interessieren, wäre da nicht der zweite, nicht ganz so gewöhnliche Teil seines Lebens. Sein Leben als Kreatur der Schatten. Aus Gründen, die er selbst nicht kennt, besitzt er die Kontrolle über die Mächte der Finsternis und Dunkelheit. Er nutzt diese um sein und das Leben der anderen Menschen in seinem Umfeld vor Dämonen, so nennt er sie zumindest, zu beschützen. Es läuft auch alles ganz gut, bis eines Tages ein neues Mädchen an seine Schule kommt, die von diesen Dämonen verfolgt und angegriffen wird. Obwohl sie einen unerklärlichen Hass gegen Zane verspürt und es ihm auch offensichtlich zeigt, entscheidet er sich ihr zu helfen und wird dadurch von einer Geschichte mitgerissen, die die gesamte Weltordnung auf den Kopf stellen könnte.




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Kapitelübersicht:
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6

Kapitel 1

Der Hinterhalt


„Wie wäre es, wenn du mal etwas zum Unterricht beitragen und meine Frage beantworten würdest Zane?“ schallte die schrille Stimme meiner Lehrerin aufgebracht durch den kleinen Klassenraum und riss mich aus meinem erholsamen Halbschlaf. Mein Blick schwenkte gemächlich vom Fenster zurück zu dieser kleinen, nervigen Frau, deren Halsschlagader mich zu erschlagen drohte. Mit gekreuzten Armen und ihrer altmodischen Dauerwelle stand Frau Genen vorwurfsvoll vorm Pult und funkelte mich wütend an. „Also?“ wiederholte sie und zog dabei ihre gezupften Augenbrauen hoch, sodass sich ihre Stirn in eine exakte Nachbildung der Rocky Mountains verwandelte. Mal wieder zweifelte ich daran, ob sie wirklich erst 28 war, wie sie es uns weiß machen wollte. „Wenn sie aufhören ihr richtiges Alter zu vertuschen, dann gerne liebe Frau Genen.“ erwiderte ich träge und ignorierte das Kichern und Lachen, das durch die Klasse schwappte. „Das bringt dir ein weiteres Mal die Hausordnung ein! Damit wären wir beim achten Mal.“ fauchte sie und ein siegreiches Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. „Ach kommen Sie! Erst acht Mal? Ich wollte eigentlich meinen Rekord vom letzten Jahr brechen, aber wenn sie nicht mitarbeiten wird das ein hartes Stück Arbeit.“ meckerte ich mit einer gehörigen Portion Sarkasmus. Irgendwo von hinten zischte Lia, eine gute Freundin von mir, zwischen zusammengepressten Zähnen ein „Übertreibs nicht!“ hervor, während der Rest der Klasse in Gelächter ausbrach. Bevor die Lehrerin etwas erwidern konnte, meinte ich noch unwirscht: „Es war übrigens ein 3/8 Takt.“ Frau Genens Schultern bebten und alles was sie erwidern konnte war ein: „Wir sprechen uns noch!“ Dann kehrte sie mit vor Wut zitternder Stimme zu ihrem monotonen Vortrag über ungerade und gerade Taktarten zurück. Ich schüttelte den Kopf, wunderte mich über ihre Unfähigkeit eine elfte Klasse zu unterrichten und schaute dann wieder aus dem Fenster. Die Wolken türmten sich vor dem Himmel auf und verschlangen gierig jedes Anzeichen, das es überhaupt eine Sonne gab. Ein mulmiges Gefühl, als ob irgendetwas die Schule beobachtete breitete sich in meinem Magen aus. Wahrscheinlich, ja sogar höchst wahrscheinlich war ich der einzige, dem es so ging. Ich spürte es schon den ganzen Morgen, auch wenn es jetzt besonders deutlich, trotzdem flüchtig war. Ich hasste solche Vorahnungen. Nicht nur, dass sie furchtbar unangenehm waren und die Lehrer es dann meistens zu spüren bekamen, nein normalerweise stellten sie sich am Ende auch noch als zumindest teilweise zutreffend heraus. Dieses Mal sollte es keine Ausnahme sein.
Das ersehnte Schellen beendete die Stunde und entließ uns ins Wochenende. Ich seufzte erleichtert, schwang mir meine Tasche auf den Rücken und wartete geduldig auf Lia. Sie warf mir einen ihrer typischen das-wird-dich-noch-einmal-den-Kopf-und-Kragen-kosten-Blicke zu und folgte mir dann aus dem Klassenzimmer. Zum Glück blieb einer ihrer belehrenden Vorträge aus, stattdessen unterhielten wir uns über unwichtigen Kram bis sich unsere Wege vor der Schule trennten. „Tut mir Leid, aber ich werde heute einen anderen Weg nehmen. Ich muss noch ein paar Nachforschungen für meine Eltern betreiben..“ meinte ich zu ihr. Sie seufzte: „Schon wieder? Können deine Eltern nicht mal ihre faulen Hintern selbst bewegen? Warum sind die überhaupt umgezogen? Das versteh ich immer noch nicht. Ständig schicken sie dich wie einen Laufburschen hin und her... “ „Das frag ich mich auch, aber was will ich machen? Wenn ich nicht nach ihrer Pfeife tanze, muss ich hier weg.“ log ich gekonnt. Meine Eltern würden lieber sterben, als noch einmal mit mir in Kontakt zu treten, geschweige denn mich bei ihnen aufnehmen. Und das sollte auch so bleiben.
„Da hasst du auch wieder Recht... Nun gut, dann sehen wir uns morgen wieder okay? Du hast hoffentlich nicht vergessen, was wir abgemacht haben oder?“ „Kino richtig?“ „Gut denk ja dran! Wir wollten in die Mittagsvorstellung und anschließend noch in die Stadt. Vergiss es ja nicht!“ „Keine Sorge, werde ich schon nicht. So lückenhaft ist mein Gedächtnis nun auch wieder nicht.“ „Ich nehme dich beim Wort. Und wenn du es brichst, dann lass ich mir für dich etwas ganz besonderes einfallen.“ Sie warf mir einen nachdrücklichen Blick zu und ich hob abwehrend meine Hände. „Schon gut schon gut, aber damit das auch wirklich klappt, muss ich jetzt wirklich los. Sonst werde ich damit nie fertig und müsste morgen noch einmal los.“ „Okay, dann bis morgen und...“ Doch ich unterbrach sie lachend: „Ja ja ich werde es schon nicht vergessen.“ Ich verabschiedete mich mit einem Winken und machte mich auf den Weg.
Ich ging in die entgegengesetzte Richtung und verschwand nach wenigen Schritten unbemerkt in einer engen Seitenstraße. Ich folgte ihrem Verlauf einige Meter und nahm dann eine Abzweigung in eine dunkle Gasse. Missmutig legte ich den Kopf in den Nacken und spähte mit zusammengekniffenen Augen eine Hauswand hinauf. Eigentlich wusste ich nicht, wofür dieses Gebäude gebaut wurde, ich vermutete es war eine alte Fabrik, aber es war verlassen und zudem das höchste Haus im Umkreis der Schule. Somit gab es keinen geeigneteren Ort, um die Umgebung ungestört in genaueren Augenschein zu nehmen, auch wenn einem die dunklen, leeren Fenster einen gruseligen Schauer über den Rücken jagen konnte. Mein Blick wanderte langsam wieder runter und dann zur Seite zu einer schäbigen kleinen Feuerleiter, die sich bis zum Dach durchzog. Ein erschöpftes Seufzen entglitt mir. „Es hilft ja doch nichts. Ist immerhin ein gutes Training.“ murmelte ich mir selbst aufmunternd zu und schlenderte lustlos weiter die Gasse entlang, bis ich direkt unter der Leiter stand. Mit einem einzigen beherzten Sprung erreichte ich die letzte Sprosse und zog mich mit einem Ruck immer weiter hoch. Das rostige Metall schnitt mir in die rauen Hände und während ich kletterte, kroch dessen Kälte langsam durch meinen Fingerspitzen in meinen ganzen Körper. Das flaue Gefühl in meiner Magengegend wurde immer stärker, was definitiv nicht an der Höhe lag. Egal wie sehr ich versuchte es zu ignorieren, irgendwie gelangte es immer wieder zurück in mein Bewusstsein. Mittlerweile befand ich mich schon über den benachbarten Dächern und kletterte unbeirrt weiter die Leiter entlang. Da mir nun der Schutz der anderen Häuser fehlte, kannte der Wind kein Erbarmen. Eisig peitschte er mir ins Gesicht, fuhr mir unter die Kleidung und jagte mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. „Verflucht, irgendetwas wird heute dafür bluten müssen!“ fluchte ich düster, als ich durchgefroren das Dach erreichte.
Etwas härter als ich es eigentlich wollte, schmiss ich meine Schultasche direkt neben die Leiter und ließ meinen Blick vorsichtig über das Dach schweifen. Alles war wie immer. Vor mir am anderen Ende der rechteckigen Fläche sprossen zwei graue Schornsteine von mehreren Metern Durchmesser aus dem Boden hervor und überdeckten alles mit ihren gigantischen Schatten. Von der Mitte aus etwas nach rechts versetzt waren ein paar Treppen, die zu einem Durchgang führten. Zumindest musste es früher so gewesen sein. Heutzutage kam man nicht weiter als drei Schritte und stand dann vor einer massiven Wand aus Trümmern der alten Decke. Ich hatte versucht sie zu beseitigen, um eventuell einen bequemeren Weg hier hoch zu finden, aber nach drei Tagen harter Knochenarbeit, geschätzten 20 Beulen am Kopf durch herunterfallende Steine und kaum einen Fortschritt hatte ich es aufgegeben.
Nachdem ich mich versichert hatte, dass es keine bösen Überraschungen geben würde und mein ungutes Gefühl völlig unbegründet war, schlenderte ich zum Rand des Daches, stieg auf die Sicherheitsmauer und ließ meinen Blick über die Dächer der Stadt wandern. Mit einem genervten Seufzen, schloss ich die Augen und erweckte die Kräfte, die tief in mir schliefen. Die vertraute Energie durchströmte mich, füllte mich aus und vertrieb jegliche unangenehme Kälte. Mein ganzer Körper kribbelte und für einen kleinen Moment fühlte ich mich so lebendig wie noch nie zuvor. Langsam öffnete ich wieder meine Augen, doch der Anblick, der sich mir bot vertrieb jedes noch so kleine Hochgefühl. Ungläubig wanderten meine Augenbrauen hoch und mit tonloser Stimme fragte ich den Wind: „Ihr wollt mich doch wohl verarschen oder?“ Missmutig blickte ich in die andere Richtung und stellte erleichtert fest, dass ich dort keine mehr entdecken konnte. Mein Blick wanderte zurück und trotz meiner wärmenden Kraft fröstelte ich. Ich zählte mindestens 20 dieser verdammten schwarzen Nebelwolken. Sie schwebten alle im unmittelbaren Umkreis der Schule, manche waren in ständiger Bewegung, andere verharrten still auf einem Fleck. „Das wird ein äußerst langer Tag.“ murmelte ich und versuchte mir die Positionen aller Wolken zu merken. Mit einem Seufzen wandte ich mich ab, um meine Tasche zu holen. Und das gerade noch rechtzeitig. In dem Moment, in dem ich mich umdrehte schoss plötzlich etwas von der Größe einer Bulldogge aus dem verschütteten Durchgang auf mich zu. „Wie zum...?“ fluchte ich überrascht, doch das Wesen gab mir keine Möglichkeit auszusprechen. Mit einem Brüllen riss es sein Maul auf und sprang mich gefletschten Zähnen an. Ich rettete mich im letzten Augenblick mit einer geschickten Rolle zur Seite. Seine messerscharfen Klauen erwischten mich trotzdem und ich spürte, wie es meine Seite entlang der Rippe aufschlitzte. Warmes Blut tränkte meine Kleidung und ein atemraubender Schmerz brachte mich aus dem Gleichgewicht. Meine Knie knickten ein, die klaren Züge der Welt verschwommen vor meinen Augen. Nichtsdestotrotz wirbelte mit dem Kopf zu dem Untier herum und entdeckte es mit gierigem Blick seine blutige Klaue leckend auf der Sicherheitsmauer stehen. Instinktiv beschwor ich meine Magie herauf, streckte meine Hand aus und entlud einen unspektakulären, aber wirksamen Schockwellenzauber. Er traf den überraschten Dämonen genau auf dem Kopf und schleuderte ihn in einem hohen Bogen das Dach herunter. Schon im Flug begann er sich zu dematerialisieren. Kleine Teilchen lösten sich von seiner schwarzen Silhouette, verdichteten sich zu dünnen Nebelschwaden und flirrten für den Bruchteil einer Sekunde in den verschiedensten Farben, um anschließend ins ewige Nichts überzugehen und von der Welt zu verschwinden. Ich bezweifelte, dass von ihm noch was übrig sein würde, wenn er den Boden erreichte.
Schnell legte ich meine Hand auf die Wunde und rief erneut die Mächte in mir an. Eine dicke, dunkle Flüssigkeit bildete sich unter meiner Hand, die ich so schnell ich konnte über meine Verletzung fließen ließ. Fast sofort trat eine erleichternde Milderung des Schmerzes ein. Ein erleichtertes Seufzen entglitt mir. Doch nachdem der Schmerz meinen Verstand wieder freigegeben hatte, verfluchte ich mich selbst für meine halsbrecherische Dummheit und mein Kopf wirbelte zu dem Durchgang aus dem das Vieh gekommen war. Alle meine Nerven waren bis zum zerreißen gespannt und ich erwartete jede Sekunde einen neuen Angriff. Ich kniff die Augen zusammen und schärfte meinen Blick so gut ich konnte. Aber da war nichts. Nichts außer die Dunkelheit des Ganges, die meine Augen ohne Probleme zu durchdringen vermochten. Doch das beruhigte mich nicht im geringsten. Nein es bewirkte eher das komplette Gegenteil. „Ich hätte ihn nicht übersehen können... Oder war er vielleicht...? Nein... Dann wäre er nicht so leicht gestorben“ grübelte ich fluchend und ließ meinen Blick, erneut ohne Erfolg, über das Dach wandern. Verwirrt beendete ich meinen provisorischen ersten Hilfe Zauber und ging in die Hocke, wobei ich vorsichtshalber, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren, mit den Fingerspitzen den Boden berührte. Ich sammelte und konzentrierte meine Kraft bis ich sie nicht mehr in mir halten konnte. Ein dichter schwarzer Dampf strömte aus mir heraus, der sich kreisförmig um mich ausbreitete. Mir wurde schwindelig, als ich meine Kräfte so explosionsartig freisetzte und kippte beinahe zur Seite weg. Ich konnte mich gerade noch halten, atmete einmal tief durch und setzte den Zauber fort. Erst umschmiegte der Dampf meine Füße und kroch langsam meine Beine hoch, doch von einen auf den anderen Augenblick schoss er wie eine gigantische Flutwelle am Boden entlang und färbte das gesamte Dach pechrabenschwarz. Eine gigantische Fülle von Eindrücken und Informationen strömten auf mich ein, als mein Zauber langsam in alles, was auf dem Dach war, in jedes Molekül, jedes Atom vordrang und sie analysierte. Fast sofort erkannte ich die Fußspuren des Dämons, der mich angegriffen hatte und verfolgte sie bis zu dem verschütteten Durchgang zurück. Und da fand ich was ich suchte. An der Decke klebten der eindeutige Beweis, das es kein Zufall gewesen sein konnte.
Wenn ein Zauber gewirkt wird, dann muss der Wirker diesem Zauber eine gewisse Menge seiner magischen Energie zuweisen, um ihn wirken zu können. Sollte er ihm einen zu hohen Betrag zugewiesen haben, wird trotzdem die gesamte Kraft für diesen Spruch verbraucht. Unter Umständen kann es ihn verstärken, aber in den meisten Fällen wird nur eine festgelegte Menge an Energie gebraucht. Aber da die überschüssige Kraft nicht einfach verschwinden kann, wird sie nach Vervollständigung des Zaubers in Form von winzigen Ablagerungen, die charakteristische Merkmale des Wirkers tragen, zwischen den einzelnen Atomen der beteiligten Stoffe oder in der Luft abgelegt.
Und so war es auch hier. Zwar konnte ich die übrigen Partikel an einer Hand abzählen, aber sie waren da und bewiesen, dass auf die Decke erst kürzlich ein Zauber gewirkt wurde. „Es musste sich wohl um einen Teleportationsspruch gehandelt haben.“ folgerte ich und stand langsam auf. Ich schaute mich noch einmal vorsichtig um, überprüfte erneut die Informationen, die mir mein eigener Zauber lieferte und rief ihn dann beruhigt, dass ich vorerst in Sicherheit war, zurück.  Wie als ob der Dampf ein Eigenleben hatte setzte er sich auf meinen Befehl hin in Bewegung und floss zurück zu mir. Er kletterte an mir hoch, mit tiefen Zügen atmete ich ihn ein und mit jedem Atemzug kehrte ein großes Stück meiner Kraft zu mir zurück. Nach einem kurzen Zögern drehte ich dem Durchgang den Rücken zu und hielt nochmal Ausschau nach den verräterischen Nebelwolken. Ich zählte durch und stellte besorgt fest, dass eine verschwunden war. „Ich werde in nächster Zeit vorsichtiger sein müssen...“ flüsterte ich mir selbst zu, wandte mich von dem tristen Anblick der Stadt ab, kletterte ohne weiteres Murren die Leiter herunter und begab mich auf die Jagd.
« Letzte Änderung: Mai 27, 2010, 07:27:45 Nachmittag von Ryoki »
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Re: Der Fluch der Dunkelheit [in Arbeit]
« Antwort #1 am: März 12, 2010, 08:40:55 Nachmittag »
Kapitel 2
Unter Freunden


Der Köder war gelegt, der Dämon war ahnungslos und ich hatte keine Lust mehr. Ungeduldig saß ich auf einem kleinen Dach und wartete darauf, dass meine Beute endlich verstehen würde, dass sie nur noch um die Ecke biegen müsste, um in meine Falle zu tappen. Wachsam folgten meine Auge dem unförmigen Körper über die Straße und ich wartete nur noch auf den richtigen Augenblick. „Put put put kleines Dämönchen, sei nicht so schüchtern.“ flüsterte ich leise. Meine Augen verengten, mein Körper spannte sich, als es langsam immer näher kam und es nur noch zwei Schritte von der tödlichen Falle entfernt war. Ich hatte eine beträchtliche Menge roher magischer Energie in einem Pentagramm, das ich auf den Boden gezeichnet hatte, konzentriert und es anschließend mit einem einfachen Zauber in einer Hülle aus Dunkelheit vor den Augen des Dämons verborgen.
Ich hatte das Warten auf dem unbequemen Dach satt und verfluchte das Mistvieh mit bösen Blicken. Doch gerade da sprang es vor und stand nun mitten im Pentagramm. Mit einer gewissen Genugtuung ließ ich die Falle zuschnappen. Die gelagerte Energie wurde von mir explosionsartig freigelassen und sofort darauf entzündet. Gleichzeitig glimmte das Pentagramm, das nicht nur als Medium für die Magie, sondern auch als Schutz zur Schadenbegrenzung wirkte, in einem dunklen Rotton auf. Innerhalb der Zeichnung breiteten sich geräuschlose schwarze Flammen aus und verzehrten unbarmherzig das glibbrige Fleisch des Dämons. Er versuchte sich zu wehren, aber mein Zauber war zu stark für ihn und nach wenigen Sekunden war nichts weiter als ein dunkler Fleck von ihm übrig. „Geht doch.“ brummte ich und erhob mich vom kalten Boden des Dachs. Ich streckte mich genüsslich, nur um dann mit einem genervten Seufzen zum bewölkten Himmel aufzuschauen. „Warum sind sie heute so hartnäckig? Und vor allem warum sind es so viele?“ fragte ich mich und stellte frustriert fest, dass ich noch mehr als die Hälfte erlegen musste. „Geez wenn das so weiter geht bin ich morgen früh noch beschäftigt.“ fluchte ich mit einem schnellen Blick auf meine Armbanduhr. Ich sprang das Dach herunter, dämpfte meinen Fall mit einem schnellen Zauber, ging zurück zur Straße und hielt nach weiteren Nebelwolken Ausschau, die mir die Anwesenheit der Höllenwesen ankündigten. Ich meinte weit entfernt, im Schatten eines großen Gebäude eine zu erkennen und wollte mich gerade so schnell es ging dorthin begeben, als eine vertraute Stimme an mein Ohr drang: „Hey Zane, wart mal kurz!“ Überrascht drehte ich mich um und entdeckte Teito, der mir eifrig zuwinkte, im Schlepptau von Lia und ihrer Freundin Suyi. Sie kamen zu mir gelaufen und ich konnte ein herzhaftes Lachen nicht unterdrücken, als ich einen verdächtigen Abdruck auf Teitos Backe entdeckte. Passend dazu hielt Suyi eine sichere Distanz zu ihm und warf ihm mörderische Blicke zu. „Du konntest es mal wieder nicht lassen! Du hast echt Glück, das sie dich noch nicht umgebracht hat.“ begrüßte ich den breitschultrigen und groß gewachsenen schwarz haarigen Jungen, den ich als meinen besten Freund betitelte, grinsend. Er rieb sich mit einem gespielt unschuldigen Gesichtsausdruck die rote Backe und beugte sich dann zu meinem Ohr. „Na wenigsten krieg ich ein paar weibliche Rundungen zwischen meine Finger, im Gegensatz zu einem gewissen jemand.“ flüsterte er mir provozierend ins Ohr. „Außerdem...“ fuhr er, dann nach einer kleinen Pausen und einem kühlen Blick von mir, fort, „glaub ich mittlerweile, dass je öfters ichs mache, desto mehr...“ Doch ich hörte ihm nicht weiter zu, ging an ihm vorbei und begrüßte die beiden Mädchen. „Was hat euch beide denn bitte den Verstand gezwirbelt mit IHM alleine weg zu gehen? Da ist doch schon von Anfang an klar, was passieren wird.“ Im Hintergrund meckerte Teito meinen Rücken an: „Zane was soll das? Das ist wichtig verdammt! Ich dachte wir wären Freunde.“ Aber nicht nur ich, auch Lia und Suyi schenkten ihm keine Beachtung. „War eigentlich auch nicht so geplant. Er ist uns über den Weg gelaufen und klebt seitdem wie eine Klette an uns.“ kicherte Lia schulterzuckend. „Das ist gar nicht lustig! Ihr habt gut reden, euch begrabscht dieser verfluchte Lüstling ja nicht!“ fauchte Suyi und stemmte eingeschnappt die Hände in ihre Hüften. Beschwichtigend hob Lia die Hände und versuchte sie beruhigen: „War doch nur halb so wild. Es war diesmal doch nur die Hüfte... Er ist doch gar nicht weiter gekommen. Erinnere dich daran, wo er dir unter den Rock gefasst hat.“ Meine Lippen formten bei ihrem unbeholfenen Beschwichtigungsversuch, der im Grunde alles nur noch schlimmer machte, ein breites Grinsen. Ich warf einen kurzen Blick über die Schulter auf den Übeltäter, der plötzlich verstummte. Lachend sah ich, dass sich wieder dieser typisch verträumte Ausdruck auf sein Gesicht geschlichen hatte. Ich hätte schwören können, dass er Lia beim Wort nahm und seine Erinnerungen an diesen Augenblick erneut durchlebte. Und das verräterische Zucken seiner Mundwinkel verriet, dass er es offensichtlich genoss. Ich wandte meinen Blick wieder zu den beiden Mädels. Suyi hatte sich, wie ich es erwartet habe, nicht davon beruhigen lassen und funkelte nun Lia böse an. Auch wenn ich wusste, dass es nicht die feine Art war, die ganze Situation zwang mich einfach dazu: „Genau Suyi, Lia hat Recht. Du solltest dich nicht anstellen! Nach so vielen Malen solltest du dich eigentlich schon daran gewöhnt haben, nicht wahr Teito?“ Lachend kam er hinter meinem Rücken hervor, legte mir seinen Arm auf die Schulter und stützte sich auf mir ab: „Himmel Arsch und Zwirn solch wahre Worte bin ich gar nicht von dir gewohnt Zane!“ Überrascht, dass er das für bare Münze nahm, warf ich ihm einen skeptischen Blick. Bei Suyi konnte ich ja verstehen, dass sie in ihrer Empörung die Ironie nicht verstand, scharlachrot anlief und mich mit tödlichen Blicken beschoss, aber Teito war normalerweise bei solchen Späßen immer ganz vorne dabei. Wenigstens Lia schien es verstanden zu haben. Nach wenigen Momenten steckte sie mich mit ihrem herzhaften Lachen an, was uns die verdutzten Blicke der anderen einheimste. Das Lachen tat gut. Die Anspannung und Erschöpfung der vorhergehenden Stunden fiel von mir ab und nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, legte sich ein seeliges Lächeln auf mein Gesicht. Plötzlich brummte Teito ein trockenes „Du sarkastisches Arschloch.” in mein Ohr. Ich drehte mich zu ihm um und schaute ihm in die Augen, in denen ich dieses vertraute belustigte Funkeln erkannte. „Geez, ich dachte du rallst es gar nicht mehr.“ lachte ich und diesmal schlossen sich alle, auch Suyi, mir an. „Warum seid ihr eigentlich hier? Ist ja nicht die feinste Gegend.“ fragte ich nachdem wir uns alle einigermaßen beruhigt hatten und ließ meinen Blick über die dreckigen Häuser und die leeren Gassen schweifen. „Wir wollen eine Freundin von mir bei ihrer Arbeit besuchen.“ erklärte Suyi nun wieder gut gelaunt. Lia nickte zustimmend und ergänzte mit einem lauernden Unterton in der Stimme: „Du solltest sie eigentlich kennen mein Lieber... Sie ist die Neue in der Stufe unter uns.“ „Wir haben eine Neue auf der Schule...?“ fragte ich vorsichtig nach einem kurzen Zögern. „Tse! Ich hab sie dir auf dem Schulhof gezeigt du Dummkopf!“ meckerte sie lachend und gab mir einen leichten Klaps auf den Hinterkopf. „Ach so... Ich habe trotzdem keine Ahnung von wem ihr redet.“ gestand ich und kratzte mich unschuldig am Kopf. „War so klar! Du wirst dich glaub ich niemals ändern oder?“ kicherte meine beste Freundin und fragte dann: „Kommst du mit? Sie arbeitet in einem China Restaurant gleich hier um die Ecke. Wir wollten da eine Kleinigkeit futtern und dann wieder verschwinden.“ Die Erwähnung der Worte „Restaurant“ und „futtern“ weckte plötzlich das Ungeheuer, das sich mein Magen schimpfte. „Ganz vergessen... Meine Magie zerrt nicht nur an meiner Kraft.“ dachte ich und zur Bestätigung ertönte ein lautes, forderndes Knurren. Die anderen hörten es ebenfalls und mit einem Lachen meinte Teito voller Elan: „Na dann ists wohl beschlossene Sache! Auf zum Restaurant!“ „Ach und seit wann magst DU chinesisches Essen?“ „He? Also....“ erwiderte er ausweichend und ich ließ mit einem Seufzen den Kopf fallen. „Verstehe... Seitdem es dort gut aussehende Bedienungen gibt, richtig?“ tippte ich und sein Grinsen verriet mir mehr als ich wissen brauchte. „Siehst du? Du musst mitkommen und ihn unter Kontrolle halten!“ bettelte Suyi mit einem ernsthaft besorgtem Gesichtsausdruck. Ich gab mich geschlagen und freute mich, dass ich mein Geld mitgenommen hatte. „Okay okay, ich komme mit.“
Die beiden Mädchen gingen vor und ich wollte ihnen gerade folgen, als Teito mich an der Schulter festhielt und mich todernst anstarrte. „Was ist?“ fragte ich verwundert. „Also, Suyi mag es eindeutig, wenn ich ihr...“ Doch ich ließ ihn wieder nicht ausreden, befreite mich mit einer geschickten Drehung aus seinem Griff und schlenderte den Mädchen hinterher. „Man Zane! Das ist wichtig! All meine Theorien sind wahr verdammt!“ Ich schaute über die Schulter zu ihm zurück und erwiderte trocken: „Selbst wenn, du weißt, dass mich diese Theorien nicht interessieren.“ „Grr wenn du so weiter machst, glaub ich irgendwann noch, dass du tatsächlich schwul bist!“ fluchte er aufgebracht und beeilte sich wieder mit mir auf eine Höhe zu kommen. Schmunzelnd fragte ich: „Nur weil ich nicht deine abwegigen Theorien für wahr befinde und immer Lederjacken trage?“ „Verdammt du weißt genau was ich meine! Du interessierst dich einfach kein Stück für Frauen. Das ist nicht normal.“ Ich zuckte mit den Schultern und erwiderte: „Hab einfach noch keine gefunden die mich interessiert.“ In Gedanken fügte ich noch hinzu: „Und selbst wenn ich eine finden würde, ich hätte nicht die nötige Zeit für sie... Außerdem wäre es zu gefährlich. Ich kann sie nicht vor meinem anderen Leben beschützen.“
« Letzte Änderung: Mai 15, 2010, 04:04:32 Nachmittag von Ryoki »
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Re: Der Fluch der Dunkelheit
« Antwort #2 am: Mai 15, 2010, 04:03:58 Nachmittag »
Kapitel 3
Reika

Wie üblich gab sich Teito mit meiner knappen Antwort zu diesem Thema nicht zufrieden und bombardierte mich Fragen über meine Traumfrau und was sie alles mitmachen müsste. Und wie immer erwiderte ich auf Fragen, die das Äußere betrafen nur ein knappes Schulterzucken gepaart mit dem kleinen Satz „Der Gesamteindruck muss stimmen.“ und über alles andere schwieg ich mich aus. Die beiden Mädels waren offensichtlich froh darüber, dass Teito nun an mir klebte und sie in Ruhe ließ. Sie unterhielten sich, kicherten und verliefen sich mindestens drei Mal bevor wir endlich vor dem Restaurant standen. Sie schoben das auf die vor kurzem eingesetzte Dämmerung und musterten nun den Laden genauer.
Von außen machte es keinen vertrauenerweckenden Eindruck. Die Schaufenster waren, wenn man von den halb verwelkten Blumen mal absah, schmucklos und dreckig. Eine dieser typisch chinesichen Paplaternen, ich glaub man nennt sie Andon, hing über dem Eingang und verbreitete ein fahles Licht. Lia und Suyi blieben in einigem Abstand vor der Tür stehen und warfen sich gegenseitig skeptische Blicke zu. „Was ist los?“ fragte ich, obwohl ich die Antwort schon erahnen konnte. „Der Laden... sieht nicht gerade freundlich aus.“ murmelte Lia und schaute uns unschlüssig an. Suyi zog mit einem Ausdruck leichten Unbehagens die Schultern hoch und meinte nur: „Ich bin mir sicher, dass es der Laden ist, indem Reika arbeitet.“ Mit einem Seufzen und nach einem weiteren heftigen Knurren meines Magens machte ich einen Schritt vorwärts bis ich zwischen den beiden stand, legte ihnen meine Hände auf den Rücken und schob sie neben mir her. Erschrocken stieß Lia einen unterdrückten Schrei aus und Suyis Hand zischte aus Reflex nur wenige Millimeter an meiner Backe vorbei. „Zane! Du sollst uns nicht immer so erschrecken!“ fauchten beide gleichzeitig, während sie neben mir her stolperten. „Dann sollt ihr nicht immer so ängstlich sein. Verdammt mal ehrlich. Ihr hängt fast täglich mit Teito rum und habt mehr Angst vor dem Laden, als vor ihm?“ brummte ich gut gelaunt. Von hinten vernahm ich ein halb fluchendes halb lachendes „Das habe ich gehört Zane... Aber wo du Recht hast, hast du Recht!“. Ich schob die Mädchen mehr oder weniger freiwillig durch die Tür, dicht gefolgt von Teito.
Wir befanden uns in einem dunklen Raum mit drei rechteckigen Tischen. Von der Architektur unterschied der Raum sich stark von dem zwar schäbigen, aber dennoch modernen, äußeren Erscheinungsbild. Ich fühlte mich in der Zeit zurück versetzt und betrachtete staunend die regelmäßig angeordneten Balken, die die Decke stützten. Sie waren mit unauffälligen chinesischen Schriftzeichen versehen, die beim ersten oberflächlichen Betrachten einfach in der unebenen Struktur des Holzes untergehen konnten. Der Rest der Dekoration war ebenso schlicht und typisch. An den Wänden hingen farblose Gemälde von Kirschblüten, alten Sagen und Fabelwesen, die sich auch in Schnitzereien, die überall im Raum verteilt waren, wiederfanden. Links von uns waren die matten Schaufenster mit ihren halb verwelkten Blumen und uns gegenüber führte ein schmaler Gang zu einem weiteren Raum, der komplett im Dunkeln lag. „So und nun?“ flüsterte Lia kleinlaut. Doch ehe ich etwas erwidern konnte, tippte mir Teito auf die Schulter. Fragend schaute ich ihn an und er deutete mit seinen funkelnden und plötzlich äußerst lebendigen Augen nach rechts. Ich folgte seinem Blick und musste mich erstmal ein gutes Stück nach hinten beugen, da mir einer der Balken die Sicht versperrte. Doch dann musste ich mich beherrschen nicht laut los zu prusten. Rechts von uns tat sich ein weiterer, breiter Flur auf und ungefähr in dessen Mitte befand sich an der Wand eine kleine Öffnung. Ein Mädchen war gerade dabei dort hinein, oder hinaus zu kriechen, genau konnte ich es nicht sagen, da ich zu sehr damit beschäftigt war meinen aufkeimenden Lachanfall zu unterdrücken. Sie wand sich hin und her, und so pendelten Teitos Augen im gleichen Rhythmus, wie ihr, wie ich fairer Weise doch zugeben musste, äußert knackiger Hintern immer wieder von rechts nach links und umgekehrt. Ich spürte die fragenden Blicke der anderen beiden auf mir, riss mich zusammen und schluckte das Lachen mühsam herunter. Ich scheuchte die beiden etwas weiter in den Raum rein, sodass auch sie das Mädchen sehen konnten. Plötzlich fragte Suyi besorgt: „Reika?! Bist du das?“ Erschrocken zuckte ihre Freundin zusammen und ein schmerzhaftes „Dong“ gefolgt von gedämpften Flüchen ertönte. Langsam kroch sie rückwärts heraus und gab damit Teitos gierigen Blicken neues Futter. Suyi hatte sich bereits neben die Öffnung gekniet und wartete geduldig auf den Kopf ihrer Freundin. Mit einem erleichterten Aufatmen zog Reika ihren blonden Schopf aus dem Loch und lächelte uns mit roten Wangen verlegen an. Doch dann passierte etwas, das keiner von uns erwartet hätte. Suyi schrie plötzlich panisch auf, fiel hinten über und krabbelte so schnell sie konnte einige Schritte von ihrer Freundin weg. Bei mir schrillten sofort die Alarmglocken, mein Körper spannte sich an und die Magie fing in meinem Inneren fing an zu brodeln. Als Lia dann auch noch einen Schrei ausstieß und sich hinter meinen Rücken drängte, hätte ich beinahe meine Kräfte eingesetzt, wenn ich gewusst hätte was los ist. Auch Teito hatte die Fäuste hoch gerissen und blickte aufmerksam in dem Laden umher. Doch dann entdeckte ich den kleinen Verursacher des ganzen Aufruhrs. Mein Lachen klang in dieser Situation etwas befremdlich, aber es verscheuchte den Ausdruck von blankem Entsetzten in Reikas klaren blauen Augen. Ich beruhigte die tosenden Wellen der Magie in mir und lachte Lia und Suyi vorwurfsvoll an: „Ich hab doch gesagt ihr sollt nicht immer so ängstlich sein.“ Mit einem beruhigenden Lächeln hockte ich mich vor Reika hin und forderte freundlich: „Halt mal bitte kurz still.“ Sie nickte schüchtern und als Lia verängstigt flüsterte, dass ich bloß vorsichtig sein soll und dass das Ding giftig aussieht, konnte ich sehen wie sich ihr Kehlkopf einmal hochzog und geräuschvoll wieder absenkte. „Keine Angst, die beiden haben einen ungeheuren Hang zur Übertreibung.“ lachte ich, hob langsam meine Hände, legte eine vorsichtig auf ihren Kopf und spürte dabei ihre weichen Haare. Ein leichter, angenehmer Kirschenduft kitzelte meine Nase, als ich mich ein Stückchen weiter vorbeugte um ihn besser in Augenschein nehmen zu können. Mit meiner anderen Hand stupste ich den Übeltäter sanft an. Als er sich ruckartig bewegte und einen Weg aus der Verstrickung mit ihren Haaren suchte, zuckte Reika überrascht zusammen und atmete erschrocken tief ein. Ich spürte wie ein Schauer sie durchlief und stellte überrascht fest, dass sie selbst keine Anstalten machte in Panik zu verfallen, obwohl sie mittlerweile wissen sollte was da auf ihrem Kopf saß. Da war ich anderes von den Mädchen, die ich kannte, gewöhnte. Beruhigend flüsterte ich: „Hab ihn gleich. Brauchst dir keine Sorgen machen.“ Ich stupste ihn nochmal sanft an und diesmal schaffte er es halbwegs sich aus sein Fesseln zu befreien und setzte seine haarigen Beine auf meine offene Handfläche. Langsam krabbelte er weiter und letztendlich hob ich meine Hand und betrachtete die Handteller große Spinne. Sie war wirklich eklig. Haarige und lange Beine, acht deutlich zu erkennende, weiße Augen, bedrohliche Greifzangen und ein besorgniserregendes Muster aus dunklen Tönen auf ihrem dicken Hinterteil. Als Reika den kleinen Racker entdeckte, wich ein Großteil der Farbe aus ihrem Gesicht und sie entließ ihren Atem hörbar. Nur das Rot ihrer Wangen glühte weiterhin, als sie ein erleichtertes „Danke.“ flüsterte. „Immer wieder gerne.“ erwiderte ich, drehte mich um und machte mich auf den Weg zurück zur Tür. Suyi und Lia betrachteten mich argwöhnisch und drängten sich so dicht sie konnten an die Wand. „Nun stellt euch nicht an.“ lachte ich und blieb provokativ vor ihnen stehen. Die Farbe wich nun auch aus ihren Gesichtern und sie befahlen mir, das Ding sofort rauszuschmeißen. Mit einem sadistischen Lächeln hob ich die Spinne etwas höher und hielt sie auf ihrer Augenhöhe. Und wie als hätte das Krabbeltierchen meine Absichten erahnt, hob es in dem Moment seine vorderen Beine an und tastete blind in die Richtung der Mädchen. Lia zuckte mit einem spitzen Schrei zusammen und Suyi holte schon wieder mit ihrer Hand aus. „Ach ihr seid echt kaltherzig. Da will der Kleine neue Freundschaften zu euch wunderschönen Geschöpfen schaffen und ihr weist ihn absolut desinteressiert ab.“ seufzte ich vorwurfsvoll, duckte mich lachend unter Suyis Ohrfeige hinweg und verließ das Restaurant. Ich setzte die Spinne in einer kleine Nebenstraße ab und winkte ihr zum Abschied.
Als ich zurück kam, hatten sich die Mädchen wieder beruhigt und unterhielten sich mit Reika, die mittlerweile aufgestanden war und sich mit den Händen durch die hüftlangen, rosenblonden Haare kämmte. Auch wenn sie nicht alle Spinnenweben und Staubfäden erwischte, kam ich nicht drumherum sie für einen kurzen Augenblick einfach nur bewundernd anzustarren. Sie trug ein eng anliegendes, rotes chinesisches Kleid, das ihre weiblichen Rundungen und ihren schlanken, aber kurvenreichen und sportlichen Körper perfekt betonte. Es ließ ihre Arme komplett frei und endete ein gutes Stück über ihren Kniekehlen. Ich wettete, dass Teito von diesen Beinen nicht genug bekommen würde. Dann war es noch mit aufwendigen Blumenmustern bestickt, die farblich hervorragend zu dem Rosenblond ihrer Haare, dem Blau ihrer Augen und dem knalligen Rot passten.
Nicht zuletzt wegen ihren weichen Gesichtszügen und ihrem angenehmen Duft, musste ich mir eingestehen, dass ich sie äußerst anziehend fand. Sie hatte genau das, was ich als den richtigen Gesamteindruck bezeichnete. Doch dann riss ich mich selbst aus meinen Träumereien und schallte mich einen Narren. „Denk gar nicht erst dran! Das macht mein Leben noch komplizierter als es ohnehin schon ist.“ dachte ich zähneknirschend und lenkte meine Aufmerksamkeit auf das Gespräch.
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Re: Der Fluch der Dunkelheit
« Antwort #3 am: Mai 16, 2010, 09:47:43 Nachmittag »
Kapitel 4
Unerwartete Begrüßung

„Dein Chef wollte das?“ fragte Suyi ungläubig, während sie Reika dabei half die Spinnenweben aus ihrem Haar zu fischen. Sie nickte müde und erklärte: „So halb. Er hat gesagt, wenn ich es machen würde, bekäme ich für die nächsten Monate mehr Lohn.“ „Wirklich klasse Arbeit.“ bemerkte ich grinsend und hoffte mir das Thema der Unterhaltung richtig zusammengereimt zu habe. Doch anstelle mich, wie Lia und Suyi es gerne taten, mit bösen Blicken zu strafen, lächelte sie schwach. „Solange es nur kleine Spinnen sind und nicht irgendwelche gruseligen Dämonen, die einfach aus der Dunkelheit auftauchen, braucht man sich doch nicht zu fürchten oder?“ erwiderte sie mit einem seltsamen Unterton. Sie blickte mir direkt in die Augen und urplötzlich ergriff mich ein erdrückendes Gefühl. Ich wollte weg von ihr. Angst hatte ich keine, aber ich wollte weg. Eine unerklärliche Gewissheit, das sie mich nicht berühren dürfte, kam in mir auf. Instinktiv rührte sich die Magie in mir, bereit mich jederzeit zu verteidigen. Sie durchströmte mich und da konnte ich es sehen. Ohne Zweifel. In ihren Augen waren die gleichen magischen Partikel, wie ich sie auf dem Dach gefunden hatte. „Sie war es. Sie hat mich angegriffen.“ folgerte ich unausweichlich und ein beklemmendes Gefühl der Sorge ergriff mich. „Wehe sie zettelt jetzt hier einen Kampf an...“ dachte ich wütend und warf einen schnellen Seitenblick zu meinen Freunden, die uns beide schweigend ansahen. „Da hast du Recht. Vor allem die Dämonen, die einen aus dem Hinterhalt angreifen sind nervig. Nicht bedrohlich aber äußerst nervig.“ erwiderte ich kalt und lud die Luft um sie herum mit feinen Partikeln des schwarzen Dampfes auf, die sie unmöglich hätte erkennen können. Ich konnte die magischen Pulse in ihrem Körper spüren und stellte dann beruhigt fest, dass ihre Kraft mir nicht annähernd gefährlich werden könnte. Trotzdem blieb dieses unangenehme Gefühl, dieser Drang nicht von ihr berührt zu werden, bestehen und verstärkte sich, als sie sich vorbeugte und mich wütend fixierte. „Vielleicht hast du Recht, aber immerhin behalten sie noch die Reste ihrer Menschlichkeit!“ Ich schnalzte verärgert mit der Zunge und meinte: „Geez. Anstatt über so etwas zu diskutieren solltest du uns lieber einen Tisch anbieten. Ich verstehe warum dein Chef dich da rein geschickt hat! Irgendetwas musst du ja tun um deinen Lohn zu verdienen.“ Der Zorn funkelte in ihren Augen, als sie sich auf der Stelle umdrehte und uns mit einer kalten Geste bedeutete ihr zu folgen.
„Sag mal was war das gerade eben?“ fragte mich Teito ernst und legte mir freundschaftlich eine Hand auf die Schulter. Mit sanftem Druck bremste er mich und zog mich neben ihn. „Unwichtig.“ seufzte ich und schallte mich selbst einen Narren mich auf diese Andeutungen von Reika eingelassen zu haben. Es war dumm gewesen. „Das hat sich aber gar nicht so angehört. Kennt ihr euch?“ bohrte er mit gedämpfter Stimme, damit die anderen uns nicht hörten, weiter nach. Doch ich schüttelte nur niedergeschlagen den Kopf. „Tut mir Leid Teito... Das ist ne Sache die nichts mit euch anderen zu tun hat und von der ihr auch nichts wissen solltet.“ „Immer noch?“ „Immer noch.“ flüsterte ich traurig und wünschte mir in diesem Moment ihm alles zu erzählen. Aber das konnte ich nicht. „Nun gut. Du steckst in irgendeiner verdammten Scheiße, aber willst nicht, dass wir damit hingezogenen werden... Und das schon seit Jahren. Du bist echt ein Dickschädel. Egal wie oft ich dich frage, ich kriege immer die gleiche Antwort.“ beklagte sich Teito und zeigte mir dabei ein schwaches Grinsen. Auf meine Lippen schlich sich ebenfalls ungewollt ein schwaches Lächeln, als ich mich an den Unfall vor mehreren Jahren erinnerte. „Ich weiß zwar nicht was damals geschehen ist... Aber ich werde nicht das Gefühl los, das du mich gerettet hast. Ich wurde angegriffen und du hast dem Ding eins übergebraten.“ grübelte Teito und beobachtete mich dabei schon fast brüderlich. Ich legte den Kopf in den Nacken, starrte kurz gedankenverloren die Decke an, weckte wieder die Magie in mir und schaute ihm dann geradewegs in seine blauen Augen. Und da war sie. Diese Kraft, die damals den Dämon angelockt hatte und Teitos Leben in Gefahr brachte. Sie befand sich in einem tiefen Schlummer, wie bei vielen Menschen und daher konnte er sie nicht selbst verwenden.
Dennoch war es ihm möglich gewesen die unförmigen und durchsichtigen Konturen seines Angreifers zu erkennen, wozu mindestens ein geschlossener und aktiver Magiekreislauf im Körper vorhanden gewesen sein musste, was wiederum bedeutete, dass seine Kräfte kurz vor dem erwachen waren. Ich besiegte den Dämonen, aber danach befand mich in einer unangenehmen Zwickmühle. Ich brachte es nicht über mich sein Gedächtnis zu manipulieren, aber ich wollte ihn auch nicht in den gleichen Kampf, in dem ich mich seit Jahren befand, hineinziehen. Also begnügte ich mich damit seine aufkeimenden Kräfte zu versiegeln und die Läufe der Magie zu unterbrechen, damit er nie wieder die Aufmerksamkeit der Dämonen auf sich ziehen würde.
Ich wusste nicht ob es funktionieren würde, aber es war definitiv ein Versuch wert und bis heute hatte sich mein Plan als erfolgreich herausgestellt. „Na ja wie auch immer.“ meinte Teito, als er begriff, dass ich ihm nichts genaueres mehr sagen würde. „Warst du nicht ein wenig zu gemein zu ihr? Ich mein hallo? Dir so eine Schönheit zu vergraulen ist nicht die beste Strategie du Idiot.“ witzelte er und schaute demonstrativ auf Reikas Hintern. Ich gluckste und schwieg. „Auf eine Schönheit die mich hinterrücks angreift kann ich verzichten.“ flüsterte ich mehr zu mir selbst als zu Teito, dessen Aufmerksamkeit komplett auf Reikas Erscheinung ruhte und somit glücklicherweise nicht mitbekam, was ich murmelte.
Wir erreichten einen weiteren Raum, der weitaus geräumiger als der Eingangsraum und auch sehr viel gepflegter und sauberer war. Wir setzten uns an einen dunklen Tisch, direkt unter einem prächtigen Leuchter und Reika reichte uns, nicht ohne mir einen vernichtend boshaften Blick zu zuwerfen, die Speisekarte. Ich studierte gedankenverloren das mickrige Angebot, während ich ihre Augen in meinem Rücken spürte. „Warum hat sie mich angegriffen?“ fragte ich mich verwundert. „Wieso meinte sie, dass ich meine Menschlichkeit verloren hätte? Sind nun neuerdings auch Menschen meine Feinde? Hat sie einen packt mit den Dämonen geschmiedet?“ Doch ich wusste, dass mein Gegrübel zu nichts führen würde und entschloss mich daher dafür, sie nach Feierabend abzupassen und ihr einige Antworten zu entlocken. Es war die einzige Möglichkeit keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. „Hast du dir was ausgesucht Zane?“ fragte mich Lia, die links neben mir saß vorsichtig und riss mich damit aus meinen Gedanken. „Hmm? Was? Äh ja hab ich.“ murmelte ich und schloss die Speisekarte. Nach wenigen Momenten kam Reika wieder und nahm unsere Bestellungen auf. Zu den anderen war sie freundlich und ihre Stimme hatte einen warmen und herzlichen Klang, aber, als ich als letzter übrig war, wurde sie kalt und hasserfüllt. Provokativ schaute sie mir direkt in die Augen und dieses Gefühl, so weit weg von ihr wie nur möglich zu kommen, kehrte zurück und stellte meinen Magen auf den Kopf. Ausdruckslos bestellte ich meine Brutzelpfanne und fühlte erleichtert wie dieser äußerst unangenehmer Drang verschwand, sobald sie außer Sichtweite war. Ich würde definitiv später wiederkommen um einige Antworten zu bekommen.
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Re: Der Fluch der Dunkelheit
« Antwort #4 am: Mai 23, 2010, 01:20:36 Nachmittag »
Kapitel 5
Miasma

Ich spürte die verständnislosen Blicke der andere auf mich ruhen, als wir auf das Essen warteten. Eine unbehagliche Stille hatte sich zwischen uns ausgebreitet. Mein Gewissen meldete sich schimpfend zu Wort, aber mir fiel nichts gescheites ein, um die Stille zu brechen. Meine Gedanken kreisten einfach noch zu sehr um die jüngsten Ereignisse. Und ich machte mir Sorgen. Richtige Sorgen. Bis jetzt war es mir noch nie passiert, dass ich von Menschen angegriffen wurde. „Was ist sie? Was sind ihre Ziele?“ fragte ich mich immer wieder, wohl wissend, dass ich darauf alleine durch Grübeln keine Antwort bekommen würde.
Doch dann atmete Suyi plötzlich lautstark aus, schaute mich vorwurfsvoll an und fragte mich tadelnd: „Sag mal hast du dich Teitos Fantasien angeschlossen oder warum habt ihr euch gerade so gegenseitig angefahren?“ Ich zuckte mit den Achseln und schüttelte nachdenklich den Kopf. „Ich habe ehrlich gesagt nicht die geringste Ahnung.“ antwortete ich wahrheitsgemäß und schaute ihr dabei direkt in die Augen. „Ach komm das glaub ich dir nicht! Normalerweise geht sie nie so schnell in die Luft. Irgendwas musst du doch getan haben?“ bohrte sie hartnäckig nach. Ich zuckte wieder ratlos mit den Schultern und murmelte dann mit einem gequälten Lächeln: „Wenn du es unbedingt wissen willst, musst du sie gleich selber fragen.“ „Die Antwort ist ganz einfach!“ rief plötzlich eine wütende Stimme hinter mir. Ich drehte meinen Kopf und Reika stand mit dem Tablett auf dem unsere Getränke standen hinter mir. „Ach ist sie das?“ fragte ich ruhig und zog erwartungsvoll die Augenbrauen hoch. „Du existierst!“ fauchte sie und knallte das Tablett so auf den Tisch, dass der Inhalt der Gläser überschwappte. „Äußerst aufschlussreich...“ erwiderte ich und konnte nicht verhindern, dass sich ein sarkastischer Unterton in meine Antwort schlich. Unbeeindruckt schaute ich sie direkt an und entdeckte in ihren Augen den Ausdruck lodernder Wut und tiefen Hasses. Wenn Blicke töten könnten, wäre ich wahrscheinlich auf der Stelle tot umgefallen.
Es entstand eine unangenehme Stille, bis sich Reika plötzlich schwungvoll auf der Stelle umdrehte. Ihre langen Haare wirbelten umher, peitschten mir ins Gesicht und mit energischen Schritten verschwand sie wieder in der Küche. Ein erschöpftes Seufzen entglitt mir und ich ließ meinen Blick über die verwirrten Gesichter meiner Freunde schweifen. Ich zuckte erneut mit den Schultern und beteuerte: „Ausnahmsweise bin ich wirklich mal unschuldig. Ich habe genauso wenig Ahnung wie ihr.“ „Das werden wir noch sehen! Ich werde mich später mal mit ihr unterhalten. Dann wird sich wohl herausstellen was du angestellt hast.“ meinte Suyi und bedachte mich mit einem seltsamen, abschätzenden Blick. Ich hob abwehrend die Hände. „Gerne! Ich würde wirklich gerne wissen, was ich ihr getan habe, dass sie so extrem gut auf mich zu sprechen ist.“ murmelte ich nachdenklich. „Was es auch war, es muss auf jeden Fall richtig schlimm gewesen sein. So wie sie reagiert hat...“ sinnierte Lia und schaute dabei abwechselnd zu mir und dann zu Suyi. Plötzlich warf Teito mit einem breiten Grinsen ein: „Ich wusste es!“ „Du wusstest was?“ fragte ich vorsichtig und musterte ihn neugierig mit einer gewissen Vorahnung. „Du tust immer nur so als ob du meine Theorien ignorieren würdest, aber in Wirklichkeit führst du Versuche an lebendigen Exemplaren durch.“ lachte er mit einem bedeutungsvollem Unterton. „W-was? Das meinst du doch jetzt nicht ernst?!“ fragte ich aufgebracht. „Aber es wäre eine Erklärung.“ flüsterte Lia kleinlaut und bewirkte damit, dass mich Suyi mit einem bösen Blick bedachte. „Stimmt das?“ rief sie aufgebracht aus. „Nein natürlich nicht! Im Gegensatz zu Teito besitze ich einen Hauch von Taktgefühl!“ wehrte ich mich entrüstet. „Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass Zane so etwas tun würde... Er ist viel zu feige dafür.“ kam mir Lia mit einem frechen Grinsen zur Hilfe. Ich warf ihr einen mehr oder weniger dankbaren Blick zu und wollte gerade den Mund aufmachen und ihr Recht geben, als Teito mir zuvorkam: „Blablabla wie auch immer. Was immer ihr meint.“ An seinem breiten Grinsen konnte ich jedoch genau erkennen, dass er mir kein Wort glaubte und an seiner Überzeugung festhielt. In meinem Stolz angekratzt, warf ich ihm einen das-kriegst-du-noch-zurück-Blick zu und war erleichtert, als er dann das Thema wechselte. „Sach mal Zane, hast du schon die neue DotA Version ausprobiert?“ Seine Frage wurde von dem lauten Stöhnen der Mädchen begleitet, dass wir beide geflissentlich ignorierten. „Nein hatte noch keine Zeit dazu.“ „Noob. Ich sag dir Earthshaker ist jetzt so imba...!“ Aber er wurde durch die genervte Stimme Suyis unterbrochen. „Teito kannst du eigentlich noch über was anderes reden als über irgendwelche doofen Computerspiele?“ „Ihr Weiber versteht doch eh nichts davon. Das ist ein Männergespräch.“ meckerte er und trotz der Zankerei zwischen den beiden wurde die Atmosphäre langsam, aber sicher immer entspannter und fröhlicher. Ich schaute schnell zu Lia, die die beiden schon alarmiert beobachtete. In einem kleinen, gespannten Moment, nutzte sie die entstandene Stille und fragte schnell: „Habt ihr schon von diesem neuen Kinofilm gehört?“ Zögerlich hörte Suyi damit auf Teito und mir aufgebrachte Blicke zu zuwerfen und wandte sich ihrer Freundin zu. „Ja der soll total süß sein. Da müssen wir morgen unbedingt reingehen.“ „Süß? Hört sich ja sehr spannend an.“ meinte ich skeptisch und auch mein anderer männlicher Mitstreiter runzelte ebenfalls missmutig die Stirn. Doch Suyi ignorierte uns und schwärmte ungestört weiter: „Es geht um eine hoffnungslose Beziehung zwischen einem Deutschen und einer Jüdin, während der Nachkriegszeit. Quasi ein modernes Romeo und Julia. Und die Kritiken sind auch alle unglaublich gut.“ „Anstatt ins Kino zu gehen, sollten wir uns lieber darüber unterhalten, wie ich die Weltherrschaft an mich reißen kann!“ warf Teito plötzlich in die Runde, was mich lauthals zum prusten brachte. „Wenn du die jemals bekommen solltest wirst du eh nichts mehr beherrschen können... Jeder Mensch, egal ob mit gesundem Menschenverstand oder ohne, würde sich in dem Augenblick, in dem du die Macht bekommst, selbst umbringen!“ fauchte Suyi und wir anderen lachten zustimmend. „Nein jetzt mal im Ernst. Ich würde die Welt verändern... Natürlich braucht das seine Zeit und ich würde erst Deutschland unter meine Kontrolle bringen und es nach meinen Vorstellungen gestalten, bevor ich meine Macht auf die gesamte Welt ausdehne.“ erklärte er todernst. „Nur dafür müsstest du die Demokratie überrennen und vollkommen einstampfen...“ überlegte ich laut, wurde jedoch von Reika, die unsere Bestellungen zum Tisch trug, unterbrochen. Sie würdigte mich keines Blickes und verteilte die herrlich duftenden Gerichte. Mit einer abweisenden Kälte fragte sie, ob wir noch was haben möchten und verschwand dann wieder in der Küche. Ich machte mir keine Gedanken mehr über ihr seltsames Verhalten und stürzte mich mit knurrendem Magen auf meine Brutzelpfanne, wobei ich sie vorher noch mit meinem Miasma auf Spuren aller bekannten Gifte untersuchte.
Während des Essens führten Teito und ich noch kurz die politische Diskussion über seine Pläne weiter, bis sie von den genervten Mädchen unterbunden wurde. Unser Thema wechselte zur Schule und dem neusten Klatsch und Tratsch. So erfuhr ich unter anderem, dass unsere Schulschlampen auf der letzten Party wohl mal wieder so hacke gewesen waren, dass sie mit allen möglichen Typen rumgeleckt haben und sich am nächsten Tag an rein gar nichts mehr erinnern konnten. Ich fand es immer wieder lustig, wie sich die Mädchen, vor allem Lia, so über diese Partyluder aufregen konnten. Ich mochte sie zwar selbst nicht besonders, aber genau deswegen waren sie mir auch absolut egal.
Teito war, wie immer, als erstes fertig und fragte mich nach der Uhrzeit. „Ist schon kurz nach neun.“ antwortete ich nach einem kurzen Blick auf meine Armbanduhr und stopfte mir den letzten Hühnerbruststreifen in den Mund. Zufrieden lehnte ich mich zurück und schaute gedankenverloren zur Decke. „Bald ists Zeit... Ich werde sie heute Abend noch abpassen.“ dachte ich und seufzte erschöpft, „Ich wünschte, dass wäre nie passiert. Ich habe ein schlechtes Gefühl dabei.“
„So... Sind alle fertig?“ fragte Lia und fischte, genauso wie Suyi, ihr Portmonee aus ihrer Handtasche. „Sicher.“ antworten Teito und ich fast synchron und holten unsere Geldbörsen aus den Hosentaschen. Suyi holte Reika und wir bezahlten unsere Bestellung.
Dabei bat ich Teito gerade so laut, dass auch mein neuer Feind alles mitbekam und sich vorbereiten konnte. „Würdest du die beiden bitte nach Hause begleiten? Ich muss noch eine wichtige Sache erledigen.“ „Was? Du lässt mich mit diesen beiden Quälgeistern alleine? Himmel, Arsch und Zwirn, deinen Terminplan will ich nicht haben.“ meckerte er. Ich lächelte ihn entschuldigend an und fragte: „Also? Machst du es?“ „Sicher... Aber dafür schuldest du mir was.“ „Dank dir.“ lachte ich und wandte mich dann von ihm ab, um zu bezahlen. Als ich Reika das Geld gab, schaute ich ihr direkt in die Augen. Sie waren schön, aber ihr Ausdruck war hasserfüllt und eine Spur arroganter Überlegenheit hatte sich in das tiefe Blau ihrer Pupillen geschlichen. Eine spürbare Spannung entstand zwischen uns, die ich aber nach wenigen Augenblicken abbrach, indem ich ihr die Scheine in die Hand drückte und ihr den Rücken zu drehte. „Gehen wir?“ fragte ich die anderen mit einem gespielten Lächeln und ging schon einige Schritte vor. Suyi unterhielt sich noch kurz mit Reika, doch dann kam auch sie und wir verließen gemeinsam das kleine Restaurant.
Wir gingen einige Meter gemeinsam, diskutierten über die Qualität des Essens und kamen zu dem Ergebnis, das wir noch des öfteren dort hingehen werde. Wir kamen an einer dunklen Kreuzung an, wo ich mich dann verabschiedete: „Ich wünsch euch noch einen schönen Abend. Seid vorsichtig auf dem Weg. Zu dieser Zeit treiben sich gerade hier einige zwielichtige Gestalten herum.“ „Das sagst du uns? Pass lieber auf sich selber auf, du bist hier der Schlapschwanz, der ganz alleine unterwegs ist.“ brummte Teito und Lia stimmte ihm besorgt zu: „Er hat Recht. Sei bitte vorsichtig, ja?“ „Mach dir um mich keine Sorgen. Ich komme schon klar.“ beruhigte ich sie lachend und fragte mich, was sie sagen würde, wenn sie wüsste, was ich vorhatte. Ich verabschiedete mich noch ein weiteres Mal und ging dann in die entgegengesetzte Richtung, wie die anderen. Ich nahm einen verschlungenen Pfad durch die Gassen, vorbei an Ansammlungen von Mülleimern, mehreren betrunkenen Obdachlosen und ein paar Jugendlichen, die meinte mich von der anderen Straßenseite aus beleidigen zu müssen. Ich ignorierte sie und stand innerhalb weniger Minuten vor dem Restaurant. Meine Uhr sagte mir, dass es bereits kurz vor zehn war. „In einer Viertelstunde hat sie Feierabend. Ich muss mich vorbereite.“ murmelte ich in die Nacht und begann die Magie in mir zu wecken. Gekräftigt durch die leckere Brutzelpfanne, webte ich meinen Zauber und versah das Gebiet um den Ausgang des Restaurants mit einer, im Moment noch schlafenden, Barriere. Dann nutzte ich meine Kraft, um alles, was sich in der Barriere befand, vor den Sinnen normaler Menschen zu verbergen. „Sie wird mir antworten geben.“ dachte ich düster, zog meinen Mantel enger, um mich vor der schneidenden Kälte zu schützen, versteckte mich in den Schatten der Gassen und wartete geduldig bis sie kommen und in meine Falle tappen würde. Eine halbe Stunde verging, bis plötzlich die Tür geöffnet wurde und mein Opfer erschien. Anscheinend hatte sie meinen Zauber nicht bemerkt und trat nichts ahnend über die Barriere. Jetzt gab es für sie kein Entkommen mehr. Ich ließ die Magie strömen und trat aus den Schatten. Eine bläulich schimmernde Wand erhob sich und schloss uns beide in einer Kuppel ein. Reika blieb erschrocken stehen und starrte die Barriere an, die uns von der normalen Welt abschnitt. Dann entdeckte sie mich und der Hass kehrte auf ihr hübsches Gesicht zurück. „Was hast du getan?!“ fauchte sie und starrte mich mit zusammengekniffenen Augen an. „Ich habe nur die Bedingungen für eine ungestörte Unterhaltung erfüllt. Keiner wird uns belauschen oder sehen können.“ Nicht ohne mich aus den Augen zu lassen, ging sie langsam zu der Barriere und berührte sie vorsichtig mit einer Hand. Ihre Berührung hatte eine kleine Entladung magischer Energie zufolge, die ihr einen überraschten und schmerzhaften Schrei entlockte. „Und natürlich wirst du solange hier drin eingeschlossen bleiben, bis ich Antworten auf meine Fragen bekommen habe.“ ergänzte ich mit einem freundlichen Lächeln. Sie starrte mich nur wütend an und ballte ihre Hände zu zitternden Fäusten. „Nun da wir uns wohl verstehen, will ich mal anfangen. Warum hast du mich angegriffen?“ Ich meinte eine Spur von Überraschung in ihrem eiskalten Blick erkennen zu können, aber sie schwieg und ich konnte fühlen, wie sie ihre eigene Kraft sammelte. Ich war gespannt, was sie vorhatte. Viel blieb ihr ja nicht übrig, entweder versuchte sie die Barriere zu zerstören und zu fliehen, oder sie griff mich direkt an. Ich bereitete mich vor und war äußerst überrascht, als sie plötzlich den gleichen Teleportzauber wirkte, mit dem sie mich schon einmal in den Hinterhalt gelockt hatte. Sie verschwand aus meinem Blickfeld und tauchte sofort dicht hinter mir wieder auf. Ich hatte kaum Zeit zu reagieren und nutzte meine Magie um ein inneres Schutzschild aufzubauen, damit ihr unvermeidbarer Treffer keinen Schaden anrichten würde. Doch was dann kam überraschte mich noch sehr viel mehr. Sie umarmte mich von hinten. Ich spürte ihren warmen Körper und ihre Hände, die sich auf meine Brust legten. Doch als ich mich aus ihrer Umarmung befreien wollte, musste ich erschrocken feststellen, dass ich mich nicht bewegen konnte. Eine unsichtbare Kraft lähmte jeden einzigen Muskel. Fieberhaft überlegte ich, was gerade passiert, doch da spürte ich es. Eine leuchtende Kraft, die allmählich immer stärker wurde und in mich eindrang, ging von Reikas Körper aus. Langsam breitete sie sich in mir aus und jeder Teil von mir, der von diesem Leuchten erfüllt wurde, fühlte sich verloren an. So als gehörte er nicht mehr mir, als wäre meine Bindung zu ihm einfach aufgehoben worden. Und da wurde mir klar, in welcher Gefahr ich mich befand. Sie besaß eine Kraft, die keine Magie war. Sie fühlte sich uralt und mächtig an und gab mir ein Gefühl der Hilflosigkeit. Doch dann erwachte eine ungeheure Wut in mir und ich kämpfte mit all meiner Macht gegen diese seltsame Kraft an. Explosionsartig entluden sich meine Kräfte und verdrängte sie restlos aus meinem Körper. Ein ungeheurer Schmerz breitete sich in den Teilen, die von ihr angegriffen worden waren, aus und beraubte mich beinahe meiner Kontrolle über meinen Verstand. Es entstand eine Schockwelle von roher Energie, als sie meinen Körper verließ. Reika wurde, mit einem spitzen Schrei, von ihr erfasst und drohte mit voller Wucht gegen die Barriere geschleudert zu werden, was wahrscheinlich ihren Tod bedeutet hätte. Ich zähmte meine Wut, drängte meinen Schmerz beiseite und webte erneut einen schnellen Zauber. Blitzschnell wurde die gesamte Barriere von schwarzem Dampf erfüllt, der sich, kurz bevor Reika gegen das bläuliche Kraftfeld geprallt wäre, verfestige und sie aus dem Flug heraus fing und etwa einen Meter über der Erde festhielt. „Was in drei Teufelsnamen war das?“ brummte ich keuchend und beobachtete sie sorgfältig. Doch sie hörte mir nicht zu. Verängstigt starrte sie auf den schwarzen Dampf, der sich um ihren Körper wand und ihr jegliche Möglichkeit nahm sich zu bewegen. „W-was ist das?“ fragte sie mit zitternder Stimme, während sie verzweifelt versuchte gegen den Zauber anzukämpfen. Ein schiefes Lächeln schlich sich auf mein Gesicht. „Nichts besonderes. Nur die manifestierte Dunkelheit meiner Seele. Oder wenn du auf einen Namen bestehst. Miasma.“
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Re: Der Fluch der Dunkelheit
« Antwort #5 am: Mai 27, 2010, 07:27:02 Nachmittag »
Kapitel 6
Ein neuer Feind

Eine Sekunde starrte sie mich entsetzt an, bevor sie durch wildes Zappeln versuchte dem Miasma zu entkommen. Ich kratzte mich am Kopf. „Wann wird sie wohl merken, dass es aussichtslos ist?“ fragte ich mich selbstsicher und beobachtete sie gespannt. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, schien sie begriffen zu haben, dass mit Kraft alleine nicht weit kommen würde, also versuchte sie es mit ihren magischen Kräften, die mir zuvor so sehr zugesetzt haben. Aber ich war nicht umsonst so selbstsicher. Sobald sie versuchte eine größere Menge Energie zu konzentrieren, nutzte ich mein Miasma, um die Kreisläufe der Magie schon im Ansatz zu unterbrechen. Bei ihrer geringen Stärke, würde sie sich niemals aus meinem Griff befreien können. Trotzdem versuchte sie es immer wieder. Und jedes Mal unterbrach ich ihren Zauber. Langsam nahm ihr Gesicht den Ausdruck tiefer Verzweiflung an und durch die Informationen, die mir mein Miasma lieferte, wusste ich, dass sie angefangen hatte zu zittern.

Ich fühlte mich einfach nur beschissen. Schon die ganze Zeit über rebellierte mein Gewissen und schallte mich ein Macht missbrauchendes Schwein. Aber was hätte ich tun sollen? Hätte ich mich nicht gewehrt, würde ich keine Antworten bekommen, wäre ich nicht in der Lage diejenigen, die ich zu beschützen geschworen habe, weiterhin von den Dämonen fernhalten. Ich wusste zwar nicht, was es für ein Zauber gewesen war, aber sie war sich sicher mich damit besiegen zu können. Was hätte ich anderes tun können, als mich zu wehren? Als dafür zu sorgen, dass ich weiterhin die Menschen vor den Kreaturen der Hölle beschützen kann?

Doch da riss mich Reika aus meinen Gedanken. Sie hatte ihren Widerstand aufgegeben, fast ihre gesamte Energie war verbraucht und sie ließ ihren Kopf hängen, sodass es mir nicht möglich war ihr Gesicht zu sehen. Trotzdem kam mir die Erkenntnis zugeflogen. Aber ihre Landung war hart und ließ mein Gewissen vor Grauen gegen die Wände meines Geistes hämmern. Sie versuchte es zu unterdrücken, aber ihre Schultern zuckten verdächtig und auch ihr Atem wurde immer unbeständiger. Zudem hätte ich schwören können, dass ich im blauen Schimmer der Barriere etwas feuchtes auf ihrem Gesicht glitzern gesehen hätte. Ich biss mir auf die Lippe. Egal wie sehr ich es versuchte, ich kam nicht drumherum mich schuldig zu fühlen. Ich hatte die gesamte Situation von Anfang an verabscheut, aber ich hätte nie daran gedacht, dass es mich so mitnehmen würde. Was war ich denn für ein Kerl? „Einer, der seine Macht über andere benutzt, um ein Mädchen zum heulen zu bringen.“ antwortete ich mir brummend, mit knirschenden Zähnen. „Trotzdem war es nötig... Wie zum Teufel hätte ich sie denn beruhigen sollen? Solange sie denkt, dass sie mich besiegen kann, wird sie niemals auch nur ein ernsthaftes Wort mit mir wechseln.“ beruhigte ich mein aufgebrachtes Gewissen, während ich Reika langsam und äußerst sacht auf den Boden sinken ließ. Kurz nachdem ihre zitternden Beine den Boden erreichten, löste ich das Miasma von ihr. Sie sank sofort auf ihre Knie, hielt den Kopf gesenkt und stützte sich mit beiden Armen auf dem Boden ab. Ihre Schultern zuckten und glänzende Tränen tropften zu Boden. Ihr Anblick nagte an mir. Ich wartete etwa eine Minute, bis sie sich wieder beruhigt hatte und die Tränen versiegten. Ich wollte sie nicht noch mehr demütigen, als ich es ohnehin schon getan habe.

Langsam und mit bedächtigen Schritten ging ich zu ihr. Als ich vor ihr stand und schweigend auf sie herab sah, setzte sie sich aufrecht hin und starrte meine Füße hasserfüllt mit einem traurigen und erwartungsvollen Blick an. Es verwirrte mich. „Was zum Henker denkt sie eigentlich, was ich bin?“ wunderte ich mich. Ich wartete etwa eine halbe Minuten, aber als sie nichts sagte, ergriff ich schließlich das Wort: „Was glaubst du, soll ich jetzt mit dir machen?“ Ich beobachtete verblüfft, wie sie die Hände auf ihrem Schoß zu zitternden Fäusten ballte. „Reicht es nicht, dass du gewonnen hast? Bring es einfach zu Ende.“ flehte sie mit zitternder Stimme und ich spürte, dass sie kurz vorm Weinen stand. Verwirrt ging ich in die Hocke, damit sich unsere Gesichter auf einer Höhe befanden. „Du scheinst mehr zu wissen als ich...“ setzte ich nach sorgsamer Wahl meiner Worte an, wurde aber abrupt von ihr unterbrochen. „Jetzt spiele nicht mit mir! Was soll ich denn noch machen? Ich flehe dich an, quäle mich nicht so.“ Sie hob ihren Kopf und schaute mir direkt in die Augen. Schweigend musterte ich ihr blasses Gesicht, die erschöpften Züge, die mit Tränen gefüllten Augen, deren Ausdruck sich verändert hatte. Dieser Hass, der mir so perplex war, glühte immer noch in ihnen, wurde aber von einer dicken Schicht Angst überdeckt. Ich erinnerte mich an ihre Anspielung im Restaurant und fragte in einem sanften und versöhnlichen Ton: „Du glaubst wirklich, ich will dir deine Seele stehlen?“ „Was denn sonst? Ihr Batakis seid doch alle gleich. Ich hasse dich! Ich hasse euch alle!“ „Um ehrlich zu sein, habe ich nicht die geringste Ahnung wovon du gerade redest. Batakis? Sind das japanische Bockwürste?“ fragte ich mit einem schwachen Lächeln und musste schmunzeln, als ich ihren verblüfften Gesichtsausdruck sah. „D-Du lügst oder?“ fragte sie verunsichert. „Warum sollte ich? Wenn ich dir irgendwas antun wollte, hätte ich das schon längst getan.“ beruhigte ich sie, stand auf und hielt ihr eine Hand entgegen. „Alles was ich will, sind Antworten. Wieso hasst du mich so sehr? Was sind Batakis? Und was um alles in der Welt war diese Kraft, die du vorhin eingesetzt hast?“ „Ich traue dir nicht... Warum hältst du mich so lange hin?“ fragte sie mich wieder, ignorierte meine helfende Hand und rappelte sich von alleine wieder auf. Unsicher stand sie mir gegenüber, ihren Körper hatte sie schützend mit ihren Armen umschlungen und schaute mir wieder in die Augen. „Im Restaurant ists mir gar nicht aufgefallen... Sie ist ja fast so groß wie ich.“ schoss es mir plötzlich durch den Kopf. Verärgert schob ich diese unwichtige Erkenntnis beiseite und konzentrierte mich auf das Wesentliche.

Seufzend warf ich die Hände in die Luft und schüttelte resignierend den Kopf. „Okay... Da du anscheinend eine eingefleischte Zicke bist, will ich deinem Wunsch nachkommen und dir deine Seele nehmen... Aber erst wenn du mir Antworten auf meine Fragen gegeben hast. Bist du jetzt glücklich?“ Belustigt sah ich ihren Zorn in ihren Augen auf blitzen, als sie zu ihrer Erwiderung ansetzte. „Ich weiß nicht warum sich Suyi mit dir abgibt. Du bist ein verdammtes Arschloch!“ „Wahrscheinlich weil ich der einzige bin, der Teito halbwegs im Zaum halten kann...“ schmunzelte ich, verfehlte aber damit mein Ziel. Der jähe Anflug von Wut verblasste in ihren Augen und zurück blieb wieder nur die Angst. „Was wirst du jetzt mit mir machen? Ich glaub kaum, dass du das Risiko eingehen wirst mich leben zu lassen, nachdem ich weiß, was du bist.“ „Arghh.“ rief ich aus und raufte mir spielerisch die Harre. „Du bist wirklich ein schwieriger Fall. Was ist so schwer daran zu verstehen, dass ich dir nichts tun will? Selbst ein Grundschüler würde das verstehen.“ mopperte ich und warf ihr dabei einen genervten Blick zu. Diesmal war meine Provokation erfolgreich. Aufgebracht stach sie mir mit ihrem Zeigefinger in die Brust und setzte gerade zu einer gehässigen Erwiderung an, als etwas total unerwartetes passierte. Urplötzlich spürte ich außerhalb der Barriere drei Dämonen mit unglaublicher Geschwindigkeit auf uns zu kommen. Ich hatte gerade noch genug Zeit Reika am Handgelenk zu packen und zur Seite mitzureißen. Sie stieß einen ängstlichen und überraschten Schrei aus und versuchte sich panisch aus meinem Griff zu befreien. Ihre langen Fingernägel bohrten sich schmerzhaft in meinen Arm und in mein Gesicht. Trotzdem schaffte ich es irgendwie sie solange festzuhalten, bis wir gemeinsam auf den feuchten Boden landeten und eine kleine Strecke zusammen schlitterten. Gerade als ich ihr Handgelenk losließ, sprengten die drei Dämonen die Barriere mit einem ohrenbetäubenden Kreischen und landeten dort, wo wir einen Augenblick vorher noch gestanden hatten. Ein blendendes blaues Licht glühte für eine Sekunde auf, blendete mich und Reika und erlosch dann mitsamt dem Zauber, der uns vor der Außenwelt abschirmte. Mit einem Fluch auf den Lippen sprang ich auf, wirbelte zu den Kreaturen herum und nahm die Umgebung mithilfe meines Miasmas in genaueren Augenschein. Das Glück schien mir hold zu sein. Keine Menschenseele war weit und breit zu sehen. Alle Fenster waren geschlossen oder mit Brettern zugenagelt. Niemand würde etwas mitbekommen, wenn ich es schnell beenden könnte. Die Dämonen waren nicht sehr groß, höchstens zwei Meter dreißig, aber trotzdem wusste ich, dass sie mächtig waren. Sehr mächtig. Nicht nur, weil sie die Barriere spielend zerstört haben, sondern auch weil sie alle unverkennbare menschliche Züge hatten. Solche Dämonen tauchen normalerweise nur sehr selten auf, das letzte Exemplar hatte ich vor einem Jahr zurück in die Hölle geschickt und es beunruhigte mich, dass gleich drei auf einmal vor mir standen. Ihre dämonisch glühenden Augen, die bereits den Ansatz von menschlichen Pupillen hatten, waren starr auf mich gerichtet. Ein kalter Schauer lief mir den Rücken herab. „Das wird hart werden.“ murmelte ich mehr zu mehr selber, als zu Reika, die plötzlich dicht hinter mir stand und über meine Schulter zu ihnen lugte. Ihre Augen waren weit aufgerissen und sie hauchte fast wie erstarrt: „Nein... Nein... Das kann nicht sein! Wir sind tot, wir werden unsere Seelen verlieren...“ Doch ehe ich sie beruhigen konnte, ertönte plötzlich ein sägendes und furchtbar lautes Geräusch, das von einem der Dämonen auszugehen schien. Ich brauchte ein bisschen, aber dann hörte ich plötzlich so etwas ähnliches wie eine Stimme aus dem Geräusch heraus. Auch sie verzehrt klang und mir das Gefühl gab, das mein Trommelfell in tausende Fetzen gerissen werden würde „Hörst du es?“ fragte ich Reika, die nur schwach nickte und einen Namen flüsterte: „Satsubas...“ Die Stimme und damit auch das Sägen, nahm an Lautstärke zu und wir verstummten: „Finsternis des Himmels übergebe das Mädchen und lebe oder kämpfe und werde unser.“
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