Autor Thema: Eine Geschichte von Raum und Zeit  (Gelesen 120 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Plumbum

  • Frischling
  • **
  • Beiträge: 10
  • Geschlecht: Weiblich
Eine Geschichte von Raum und Zeit
« am: September 03, 2011, 05:10:08 Nachmittag »
Inhaltsangabe:

In einer Welt, in der die Magie ihren Zauber verloren hat und der Frieden seinen Namen nie gerecht werden konnte, braut sich Unheil zusammen. Die Herrin im See ist zurückgekehrt und hat den Norden der bekannten Welt unter ihre Kontrolle gebracht. In Mitten dieses schwellenden Konfliktes gerät Felix, ein Junge, dessen  einziger Wunsch es ist zurück in seine Welt reisen. Doch die Wege zurück durch Raum und Zeit sind versperrt, während das Schicksal selbst längst einen ganz anderen Pfad für ihn bereithält.

Status: In Arbeit

Beta-Leser: Grit (Vielen lieben Dank!)

Zum Diskussionsthread: http://www.weg-des-stifts.de/smf/der-diskussionthread/eine-geschichte-von-raum-und-zeit-653/

Prolog

Heros hatte ein Problem. Nun, eigentlich hatte er, ein gerade einmal fünfzehnjähriger Junge mitten in der Pubertät, viele Probleme, aber keines erschien ihm so schwerwiegend wie das gegenwärtige. Gestern Morgen noch hatte seine größte Sorge lediglich darin bestanden, seine herrschsüchtige Partnerin zu ertragen. Diese Problematik hatte sich zwar mittlerweile mehr oder weniger wie von selbst gelöst, allerdings nicht ohne dabei noch weit besorgniserregenderen Platz zu machen. Sein größtes Problem war momentan, dass - sofern er nicht für immer und ewig in dieser Welt schmoren wollte - er es innerhalb der nächsten Minuten irgendwie schaffen musste die letzten zehn Meter zwischen sich und dem ihm genannten Treffpunkt zurückzulegen. Kein leichtes Unterfangen, zumal er währenddessen noch irgendwie sein zweites Problem loswerden musste, ohne die Verbleibenden auf sich aufmerksam zu machen. So als hätte dieses seinen Gedankengang mitbekommen, begann es sich unruhig zu regen.

„Sei still“, brummte Heros automatisch. Zu spät rief er sich in Erinnerung, dass er die Sprache dieser Welt nicht beherrschte und er bezweifelte stark, dass der kleinere grünhaarige Junge, den er gezwungener Maßen an sich gepresst hielt, die seine verstand. Er musste sich wohl oder übel mit einer etwas universelleren Art der Kommunikation verständlich  machen.

Während er mit der linken Hand seine einzige Waffe, in Form einer zerbrochenen Glasflasche, weiter an die Kehle des Jungen drückte, glitt seine rechte Hand  über dessen Mund. „Pssst“, zischte er leise, wobei er das Gelände um sich herum nicht aus den Augen ließ. Er bezweifelte, dass seine Verfolger ihn und seine Geisel einfach hatten laufen lassen. Die Art und Weise, wie sie den Platz geräumt hatten, hatte eher wie ein taktischer Rückzug gewirkt als ein ernst gemeinter.

Erneut suchten seine Augen den mittlerweile dunklen Wald um sich herum ab. Er lauschte angestrengt, doch außer ein paar Vögeln und dem Wind, der sanft durch die Baumkronen strich, rührte sich nichts. Unruhig schielte er auf die Tätowierung an seinem linken Unterarm. Schier unendlich langsam verformten sich die eingeätzten Zahlen auf seiner Haut, strebten viel zu träge der Null entgegen. Noch gut eine Minute.

Er atmete tief durch. Zeit zum Handeln. Er wusste, dass das Verlassen seiner Deckung  nicht unbedingt intelligent war, wusste aber auch ob der Zwickmühle, in der er sich befand. Einerseits konnte er hier nicht teilnahmslos verharren und darauf warten, dass ihm die Zeit davonlief. Andererseits ging er mit jedem Schritt, den er tat, und den er sich von seinem momentan sicheren Status quo wegbewegte, das Risiko ein, seinen Gegnern einen Vorteil zu verschaffen. Und doch… er hatte keine andere Wahl. Er musste sich pünktlich am vorgeschriebenen Ort befinden, zehn Meter davon entfernt waren nun einmal zehn Meter zu viel. Er mochte gar nicht daran denken, was passieren würde, wenn er es nicht schaffte. Die Geschichtsbücher waren voll von Menschen, die in einer anderen Welt festsaßen und er wollte definitiv nicht dazugehören. Den ruhigen Jungen mit sich ziehend verließ er vorsichtig seine Deckung.

Bei jedem Schritt, den er tat, jedem Meter, den er sich von seinem Versteck entfernte und dem Treffpunkt näherte, erwartete er insgeheim den Angriff seiner Gegner. Doch es tat sich nichts. Es war ruhig, etwas zu ruhig. Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend passierte Heros die Sitzgelegenheiten, die den Treffpunkt umgaben. Fast schien es so, als ob sie eine Zuschauertribüne um den mit Erde gefüllten Holzkasten bildeten. Ein wahrlich eigenartiger Ort für den Ausgangspunkt einer Raum-Zeit-Reise, denn obwohl er vom Weg, der durch den Wald führte, nur schwer einzusehen war, barg die Lichtung, auf der er lag, selbst nur wenig Schutz vor ungewollten Augenpaaren. Unruhig glitt sein Blick zu den Sitzbänken, oder waren einige Augenpaare hier etwa gewollt?

Einmal mehr blickte er sich um, einmal mehr lauschte er, doch noch immer schien das einzige, was ihn verfolgte, die Stille selbst zu sein. Vorsichtig trat er über die hölzerne quadratische Einzäunung in den Sand hinein, nur um sodann erleichtert aufzuatmen. So weit so gut. Jetzt musste er nur noch sein Problem loswerden. Natürlich konnte er auch ganz einfach warten, bis die Zeit abgelaufen war und sich dann einfach in Nichts auflösen, allerdings befürchtete er, dass der Junge nicht allzu gelassen auf sein plötzliches Verschwinden reagieren würde. Die Dimensionshexe hatte ihn seinerzeit gewarnt keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen, um nicht die Preisgabe ihrer Welt zu riskieren, und er hatte aufgrund seiner Verhaftung schon viel zu viel Interesse erregt. Und das letzte, was er gebrauchen konnte, war, dass seine Chefin UND die Dimensionshexe sauer auf ihn waren. Eine aufgebrachte Frau war immer noch besser als zwei. Keine wäre selbstverständlich wünschenswert gewesen, aber - so hatte es ihm die Erfahrung seines mittlerweile fünfzehnjährigen Lebens gezeigt - man konnte einfach nicht alles haben, besonders, wenn Frauen involviert waren. Diese ganze verdammte Misere hier fußte eigentlich nur darauf, dass seine Partnerin sich dazu entschlossen hatte, in dieser Welt zu bleiben, oder doch nicht? Rasch blickte er sich um. Wie erwartete hatte sie  sich doch nicht umentschieden.

Immerhin hatte er einen Ersatz gefunden, so dass er die letzten Sekunden in dieser Welt  nicht allein verbringen musste. Ein kurzes humorloses Lächeln glitt über Heros‘ Gesicht, erlosch aber sogleich wieder, da seine Tätowierung plötzlich begann glühend heiß zu werden. Noch zehn Sekunden. Es war definitiv an der Zeit, den Jungen loszuwerden. Er hielt es sich zugute, dass er, obwohl ihm die Zeit davonlief, zumindest kurz darüber nachdachte den Jungen einfach von sich zu stoßen, wenn der Countdown abgelaufen war. Allerdings war die Gefahr, der Knabe könnte sich aus Versehen umdrehen und ihn verschwinden sehen, einfach zu groß. Er würde wohl oder übel etwas anders vorgehen müssen.

So unauffällig wie möglich versuchte er seinen linken Arm in eine andere Position zu bringen, wobei er allerdings nicht mit der Reaktion des anderen gerechnet hatte. Doch dieser zuckte plötzlich zurück, wobei sein Kopf schmerzhaft gegen Heros‘ Kinn schlug. Er stolperte, den Knaben mit sich ziehend, rückwärts und wäre dabei beinahe noch über die Holzumrandung gefallen. Nur mit Mühe und jahrelanger Erfahrung gelang es ihm das Gleichgewicht zu halten  und sich zugleich mit Schwung vom Kastenrand abzustoßen und den Jungen im Sand unter sich zu begraben. Er versuchte sich aufzurichten, als ein stechender Schmerz seinen ohnehin schon brennenden Unterarm durchzuckte. Insgeheim verfluchte er den um Aufmerksamkeit bettelnden Countdown, weit bevor sein von Schmerzen getrübtes Gehirn feststellte, dass nicht die Tätowierung die Ursache der Schmerzen war. Es war der Junge, oder besser gesagt, dessen Zähne, welche sich in sein Fleisch gegraben hatten. Die Finger seiner linken Hand verkrampften sich um den Flaschenhals, während er sich mit Mühe auf die Kniee kämpfte und verzweifelt versuchte, den Jungen von sich wegzustoßen.

Unter Aufwendung all seiner Kraft schaffte Heros es schließlich sich zu befreien. Der Junge kollerte durch den Sand, blieb allerdings nicht liegen, sondern sprang sogleich alarmiert wieder auf die Beine. Er spuckte kurz aus, bevor er sich panisch umblickte, wie ein Tier, das nicht wusste, ob es tapfer kämpfen oder nicht doch besser fliehen sollte.

Mit schmerzverzerrter Miene erhob sich Heros von seinen Knien. Blut lief seinen Unterarm hinab, dasselbe Blut, das den Mund seines Gegners umgab. Die zerbrochene Flasche in der Hand blickte er zum ersten Mal in die Augen seiner ehemaligen Geisel. Der Junge starrte ihn  an wie ein hypnotisiertes Kaninchen, bevor er sich abwandte und - über seine eigenen Beine stolpernd - die Flucht ergriff.

Heros selbst hatte nicht einmal Zeit aufzuatmen, da sich just in diesem Augenblick im wahrsten Sinne des  Wortes der Boden unter seinen Füßen auftat und ihn verschlang. Er spürte, wie die Erde über ihm zusammenschlug, sich um ihn herum verdichtete, bis sie ihn ganz umgab. Wie bereits beim ersten Mal erfasste ihn in diesem Moment das Gefühl  keine Luft mehr zu bekommen. Doch noch ehe sich dieser Gedanke in seinem Gehirn manifestieren konnte, spürte er auf einmal wieder Boden unter den Füßen. Der Sand, der ihn zuvor nur umgeben hatten, legte sich auf ihn, bevor er zuerst seinen Kopf, dann seine Schultern, seine Brust und schlussendlich auch seine Beine freigab. Heros schüttelte sich automatisch, um sich von den letzten beharrlichen Sandkörnern zu befreien. Augenscheinlich war er wieder in der Steinhöhle gelandet, die auch den Ausgangspunkt seiner Reise markiert hatte.

„Was hast du getan?“ Sekretär Gottfried, der Gehilfe der Dimensionshexe und ein Beamter sondergleichen, war soeben in die Höhle getreten, um seine Ankunft zu überprüfen.

„Ich hatte ein paar kleine Problemchen in der anderen Welt. Nichts worüber du dir den Kopf zerbrechen müsstest“, erwiderte Heros abweisend, während er seine Wunde inspizierte. Er hatte bei der Anzahl an bevorstehenden Schelten nun wirklich keine Lust, sich auch noch vor jemandem so wichtigtuerischen, selbstherrlichen und dabei so unbedeutenden wie Gottfried rechtfertigen zu müssen. Seine Chefin Briseis würde schon schlimm genug sein. Sie würde mit Sicherheit nicht gerade erfreut über das sein, was er zu berichten hatte und sie würde ganz gewiss wie immer den Weg des geringsten Widerstandes wählen und ihm die Schuld für die schlechten Nachrichten in die Schuhe schieben. Das unvermeidliche Schicksal des Hiobsboten. Immerhin hatte er den Vorteil, dass sie ihn sowieso für unfähig hielt. Von daher würde die Befriedigung über die Bestätigung ihrer schlechten Meinung von ihm den Groll über die Botschaft mindern. So versuchte er es sich zumindest einzureden.

 „Oh, nein, deine Probleme sind sehr wohl auch die meinen, wenn du die Regeln brichst.“ Gottfrieds Gesicht nahm einen ungesunden Rotstich an.

„Was redest du da?“

„Was ich rede? Was ICH rede?“ Gottfried schien an seiner eigenen Empörung zu ersticken. Der Rotstich in seinem Gesicht breitete sich aus, bis er auch in den letzten Winkel seiner Geheimratsecken vorgedrungen war, während sein knöchriger Finger anklagend auf einen Punkt hinter Heros deutete.

Genervt drehte sich Heros um. Er schloss die Augen, öffnete sie wieder, bevor er sie schicksalsergeben aufs Neue schloss. Er hatte ein Problem.
« Letzte Änderung: September 06, 2011, 08:11:48 Nachmittag von Plumbum »

Offline Plumbum

  • Frischling
  • **
  • Beiträge: 10
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Eine Geschichte von Raum und Zeit
« Antwort #1 am: September 06, 2011, 08:08:40 Nachmittag »
Kapitel  1: Felix

Er war entführt worden. Entführt! Schon der bloße Gedanke daran sorgte dafür, dass sich sein Magen unangenehm zusammenzog. Warum er? Warum ausgerechnet er? Hastig warf er dem wohl einzigen Menschen, der ihm diese Frage beantworten konnte, einen verängstigten Seitenblick zu. Niemals in seinem ganzen Leben würde Felix den Augenblick vergessen, als er aus dem Kiosk seiner Mutter getreten und von dem Fremden überwältigt worden war. Seine zitternde Hand fuhr prüfend zu der Stelle seines Halses, an der noch vor kurzer Zeit  die tödliche Kante einer zerbrochenen Wodkaflasche geruht hatte. Er nahm die Hand von seiner Kehle und betrachtete beinahe schon andächtig seine stetig vibrierenden Finger. Doch da war kein Blut, nur die Erinnerung an den Augenblick in seinem Leben, in dem er zum ersten Mal hautnah erlebt hatte, was es bedeutete Todesangst zu haben. Und diese Angst war noch lange nicht vorbei.

Erneut blickte er in die Richtung seines Entführers, der noch immer mit seinen Komplizen diskutierte. Ihre Stimmen klangen eigenartig, ungewöhnlich hart und bedrohlich in ihrer Fremdartigkeit. Er wusste, dass sie über ihn diskutierten, besser gesagt darüber, wie sie mit ihm am besten weiter verfahren sollten. Würden sie ihn töten?

Felix konnte selbst nicht so genau sagen, warum er überhaupt zuließ, dass sich so ein furchtbarer Gedanke in seinen Kopf pflanzte. Doch kaum, dass dieser die Oberfläche seines Bewusstseins berührt hatte, begann er bereits zu wuchern, immer bestrebt, ihn noch mit weiteren beklemmenden Fragen zu malträtieren. Wie würden sie ihn töten? Würde es lange dauern, voller Qualen und Erniedrigungen, oder würde es schnell gehen?

Einmal mehr versuchte Felix, die in ihm wachsende Panik zu unterdrücken, versuchte tief ein- und auszuatmen und die in ihm aufsteigende Magensäure herunterzuschlucken. Er musste sich auf das Wesentliche konzentrieren. Doch was war überhaupt noch wesentlich, wenn das einzige, was man empfand Angst, Verzweiflung und Chaos war? Felix spürte wie seine Augen feucht wurden. Er wollte einfach nur hier raus, nach Hause zu seinen Eltern, seiner Schwester, seinen Freunden.

Tränen begannen seine Wangen hinunterzufließen. Hastig wischte er sie weg –ein letzter verzweifelter Versuch sich zusammenzureißen- und fingerte in seiner Jacke nach einem Taschentuch, wobei seine Hand gegen einen kühlen Gegenstand stieß. Es dauerte einige Sekunden, bevor Felix registrierte, was er soeben berührt hatte. Sein Handy. Sein gottverdammtes Handy!  Hoffnung, mit der aufputschenden Wirkung eines Energydrinks, wallte mit aller Kraft in ihm auf. 

Ein hektischer Blick in Richtung der beiden Männer suggerierte ihm, dass diese immer noch mit ihrer Diskussion beschäftigt waren und ihm keine Beachtung schenkten. So langsam und unauffällig wie möglich zog er das Gerät aus der Tasche. Es verfing sich ein, zweimal, bevor er es endlich sicher in der Hand hielt.

Sein erster Impuls war es seinen Vater anzurufen, doch dann überlegte er es sich anders. Er wandte sich nach einem letzten prüfenden Blick von seinen Gegnern ab, damit sie das Aufleuchten des Displays nicht sehen konnten und ertastete mit dem Daumen die gewünschte Zahlenkombination: 110.

Aus dem Augenwinkel schielte er auf sein Handy, um es - sobald jemand an der anderen Seite abhob - hochzureißen und schnell so viele Informationen wie möglich weiterzugeben, bevor sein Entführer und dessen Komplize es ihm entwenden würden. Er starrte auf das Display und plötzlich war alle Euphorie und Erleichterung vergessen, während die Übelkeit sich mit aller Macht ihren Weg zurückbahnte. Kein Empfang!

Felix hatte das Gefühl den Boden unter den Füßen zu verlieren. Er taumelte leicht zur Seite und wäre vermutlich zu Boden gestürzt, wenn nicht in letzter Sekunde jemand seinen Arm ergriffen hätte. Als er aufsah, schaute er direkt in die grünen Augen seines Entführers. Er schluckte schwer. Er hasste diese Art von Situation, die Angst, die Panik, das Gefühl, innerlich wie erstarrt zu sein, während  seine Instinkte die Oberhand über seinen Verstand gewannen.

Sein Gegner blickte ihn noch einmal prüfend an, bevor er sich - Felix immer noch am Arm haltend - seinem Partner zuwandte und etwas in der fremdländischen Sprache sagte.  Er drehte sich wieder zu ihm um und in diesem Augenblick schoss Felix‘ freie Hand, die immer noch das Handy hielt, nach vorne und schlug ihm dieses mit aller Kraft zwischen die Augen. Er hörte den Schmerzensschrei des anderen, kurz bevor er nach hinten geschleudert wurde und dieses Mal wirklich den Boden unter den Füßen verlor. Das Handy rutschte ihm aus der Hand und schlug nur unwesentlich vor ihm gegen die Wand. Er hatte das Gefühl, dass sämtliche Luft bei dem Aufprall aus seinen Lungen gedrückt wurde und er einiges an blauen Flecken davontragen würde. Doch das alles war ihm egal, während er sich aufrappelte, sein Handy schnappte und in Richtung Höhleneingang sprintete.

Er kam nicht weit. Vielleicht vier, fünf Schritte, bevor sein Gegner mehr oder weniger von hinten gegen ihn prallte und ihn unter sich begrub. Er war schnell, verdammt schnell! Wie eine Raubkatze auf der Jagd und er, Felix, schien ihr Opfer zu sein. Etwas Warmes tropfte auf seine Wange. Doch er hatte keine Zeit darüber nachzudenken, was es war, da in diesem Augenblick das Gewicht, das ihn niedergerissen hatte, verschwand und er unsanft auf die Knie gezerrt wurde. Felix war sich sicher, dass sein letztes Stündlein geschlagen hatte. Er konnte es förmlich in dem über ihm thronenden, mit Blut bespritzten Gesicht seines Feindes sehen. Einmal mehr stieg die Übelkeit in ihm hoch, bahnte sich ihren Weg vom seinem Magen aus, die Speiseröhre hoch und ehe er es verhindern konnte, erbrach er sich kläglich auf den Boden, was seinen Entführer dazu veranlasste ihn loszulassen und hastig ein Stück zurückzuweichen.

Felix wusste, dass in dieser Situation ein Gefühl wie Scham gänzlich unangebracht war und doch schämte er sich. Er war nie ein mutiger Junge gewesen. Nie. Klein und zierlich seit jeher, hatte er immer zugesehen, stärkere  und größere Freunde um sich zu scharen, um nicht das Opfer anderer zu werden. Doch wo waren seine Freunde jetzt? Wo seine Beschützer? Seine Eltern? Die Polizisten, die seinen Entführer verfolgt hatte? Wo waren sie alle?

Was hatten sie getan, um ihm zu helfen, während er die beängstigende Erfahrung machte zerbrochenes Glas nur durch eine viel zu dünne Hautschicht von seiner lebensnotwendigen Halsschlagader entfernt zu wissen? Wie konnten sie ihn einfach alleine lassen, sich zurückziehen, sodass er dazu gezwungen war, jemandem ein Stück Fleisch rauszubeißen, um sich zu befreien? Und wieso, verdammt noch mal, hatten sie es einfach zugelassen, dass man ihn von dem Sandkasten, der hinter dem Kiosk seiner Mutter gelegen war, in eine Steinhöhle gebracht hatte, die sich - schon allein aufgrund ihrer Größe - nicht in der Gegend rund um seine Heimatstadt befinden konnte.

Er wurde einfach das Gefühl nicht los, dass sie ihn nicht nur im Stich gelassen hatten, sondern ihn einfach… einfach vergessen hatten.

War er eine Sekunde zuvor noch wütend gewesen, so fühlte er sich jetzt einfach nur noch müde. Er schlang die Arme um seine Beine, senkte seinen Kopf und schloss erschöpft die Augen. Langsam wippte er vor und zurück. Es beruhigte ihn irgendwie. Es beruhigte ihn so sehr, dass er, als jemand ihm vorsichtig auf die Schulter tippte, nicht einmal zusammen schrak, sondern lediglich etwas zurückzuckte. Als er aufblickte, sah er den Komplizen seines Kidnappers vor sich stehen. Er war ein älterer Mann mit wohlgepflegtem, braungrauen Bart und weit ausufernden Geheimratsecken.

„Briseis entscheiden.“ Felix glaubte seinen Ohren nicht zu trauen und doch, obwohl der alte Mann sichtlich Mühe hatte die Worte auszusprechen,  konnte er ihn dennoch verstehen. 

Der Alte schien indes seine Überraschung für Verwirrung zu halten, da er kurz überlegte, ehe er es einmal mehr versuchte: „ Du nicht hierher gehören.“ Er deutet dabei zuerst auf Felix, bevor er zu einer alles umfassenden Geste  ausholte. „Heros…“ Diesmal deutete er auf seinen Entführer, ehe er mit seinen Fingern Gehbewegungen imitierte. „…du bringen zu mächtig Mimage Briseis. Briseis entscheiden.“

„Ich will nach Hause. Bitte, lassen Sie mich nach Hause gehen. Bitte.“ Selbst in seinen eigenen Ohren klang seine Stimme heiser, kaum lauter als ein Wispern.

Doch der Alte schüttelte nur ablehnend den Kopf.

„Bitte!“ flehte Felix eindringlich. „Ich… ich werde auch nichts sagen. Ich weiß, doch eh nichts. Nur bitte, bitte lassen Sie mich nach Hause gehen.“

„Du nicht gehen nach Hause. Du gehen Briseis. Briseis entscheiden“, erwiderte der Alte bestimmt.

Seine Entscheidung klang endgültig. Eigentlich müsste Felix weiter betteln oder vor Verzweiflung weinen oder wenigstens wütend sein, doch das einzige, was diese letzte Enttäuschung hinterließ, war Resignation.  Er hatte genug von dieser Achterbahnfahrt der Gefühle. Genug davon, dass die Hoffnung des einen Momentes die Enttäuschung des nächsten nur noch verschlimmerte. Er würde sich in sein Schicksal fügen- vorerst.

Unauffällig ließ er sein Handy in seiner Jackentasche verschwinden, während der Alte sich bereits abgewandt hatte, um einmal mehr auf seinen Komplizen einzureden. Dieser schien, ebenso wie Felix selbst, alles andere als glücklich über die Entscheidung des Alten zu sein. Doch schlussendlich gab sein Entführer nach. Mit mürrischer Miene drückte er seinem Partner die zerbrochene Flasche in die Hand und wandte sich, während dieser gewichtig die Glasflasche vor sich her tragend aus der Höhle eilte, Felix zu. In seinem Gesicht spiegelte sich neben Widerwillen auch leichter Ekel, bei dem Felix nicht genau wusste, ob er nun ihm selbst oder dem Erbrochenen zu seinen Füßen galt. Sein Entführer musterte ihn eine ganze Weile lang, ehe er seufzte und sich mit den Fingern durch das Haar fuhr. Dann deutete er mit seiner Hand auf sich und brummte: „Heros“, ehe er ihn auffordernd anschaute.

Felix überlegte kurz, ob er ihm einen falschen Namen nennen sollte, verwarf diesen Gedanken allerdings sogleich wieder. Sein Entführer war derjenige, der etwas Illegales getan hatte, nicht er. Gut, er hatte die Wodkaflasche aus dem Kiosk seiner Mutter entwendet, um sich zu aus Frust zu betrinken. Allerdings konnte er das bei Bedarf auch jederzeit der alten Marliese unterschieben. Die schrullige Alte hatte sowieso nichts Besseres zu tun, als sich in ihren Wochenendschichten im Kiosk an den Alkoholvorräten seiner Mutter gütlich zu tun, wenn sie nicht gerade im Sandkasten mit einem ganz und gar unangemessenen Eifer nach Katzenkot suchte.

„Felix“, erwiderte er schließlich. Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern gewesen.

Sein Kidnapper nickte dennoch verstehend und deutete in einer auffordernden Geste in Richtung Höhlenöffnung.

Felix‘ Hand glitt in seine Jackentasche und schloss sich um das beruhigend kühle Gehäuse seines Handys. Dann straffte er die Schultern und trat durch den Höhlenausgang auf ein kleines Plateau hinaus. Der Wind wehte kräftig hier oben, kalt und rau. Unwillkürlich zog Felix seine Jacke etwas fester um sich, bevor er sich neugierig umschaute. Hinter ihm erhob sich eine steile Felsenwand bis weit hinauf, während sich gut einige Dutzend Meter unter ihm ein riesiger Wald erstreckte. Er war so gigantisch, dass Felix selbst von seiner erhöhten Position aus nicht erkennen konnte, wo er endete.

Er blickte sich suchend nach dem Alten um, doch dieser war verschwunden, aber wohin? Erst beim zweiten Hinsehen erkannte er, dass an der einen Seite des Plateaus, nur unwesentlich entfernt von zwei struppigen Büschen, die als einzige, dem rauen Klima und dem kahlen Boden hier oben trotzten, ein kleiner Pfad zu erkennen war, auf den sein Entführer gerade zustrebte.

Zögernd folgte Felix ihm. Als er näher kam, stellte er jedoch fest, dass es nicht direkt ein Pfad gewesen war, den er gesehen hatte. Es war vielmehr eine Art in den Fels eingelassene Steintreppe mit einem passenden Steingeländer an der einen Seite  und einer vollkommen ungesicherten Schlucht an der anderen Seite. Obgleich Felix eigentlich keine Höhenangst hatte, fühlte er sich nicht ganz wohl dabei, als er seinem Entführer den schier unendlich langen Weg nach unten folgte. Die Treppe ging gut fünf Meter hinab, ehe sie eine 180 ° Wendung machte, weitere fünf Meter nach unten führte, nur um dort einmal mehr abzuknicken.

Während sie Stufe um Stufe hinabstiegen, fragte sich Felix insgeheim, wie hoch diese Steinhöhle, in die sie ihn gebracht hatten, eigentlich gelegen war und wie weit somit der Wald sein musste, der sich direkt unter ihm erstreckte. In Anbetracht der Stufen, die noch vor ihm lagen, war nicht nur die Fläche des Waldes beeindruckend, sondern auch die Höhe der Bäume selbst. Sie mussten fast doppelt so groß sein wie die Laubwälder, durch die er erst vor wenigen Tagen mit seiner Freundin geradelt war. Ex-Freundin wäre wohl die passendere Bezeichnung gewesen. Er glaubte kaum, dass nach dem heftigen Streit vom Morgen und seiner überstürzten Abreise ihre Beziehung weiter Bestand hatte. Oder war es gestern Morgen gewesen?

Nachdenklich rieb Felix sich die Stirn. Es war bereits dunkel gewesen, als sein Kidnapper ihn gefangengenommen hatte und doch war es jetzt wieder hell draußen, auch wenn die Sonne schon relativ tief am Horizont stand. Das konnte eigentlich nur bedeuten, dass mindestens ein Tag vergangen sein musste. Ein ganzer Tag. Anscheinend war sein Filmriss doch weit schlimmer gewesen, als er gedachte hatte und dabei war er sich sicher gewesen, gar nicht so viel Alkohol getrunken zu haben. Doch anscheinend hatte er sich geirrt. Oder hatte sein Entführer ihn während ihrer Rangelei bewusstlos geschlagen? War seine Flucht am Ende nichts anderes als ein Traum gewesen? Felix grübelte. Irgendwie konnte er nicht so recht glauben, dass er sich das alles nur eingebildete haben sollte. Er spürte förmlich noch den metallischen Geschmack von Blut in seinem Mund, und der Unterarm seines Gegners schien definitiv verletzt zu sein und doch…

 Felix grübelte und grübelte, er grübelte so lange, bis sie den Fuß des Berges erreicht hatten und sein Entführer auf einen schmalen Waldpfad zustrebte, aber das Ergebnis war immer dasselbe: Er fand einfach keine  Antwort.

Hatte sich die Luft oben in den Bergen, kalt und rau angefühlt, so roch sie hier unten im Wald nach Regen und etwas anderem. Etwas, das Felix nicht so recht zuordnen konnte. Es war definitiv da und dennoch verströmte es dieselbe Fremdartigkeit, wie auch die Stimmen seiner Entführer. Er wusste nicht, wie er es anders beschreiben sollte: Es war einfach, einfach anders als daheim im Obstgarten, wo sein Vater jedes Jahr die Früchte erntete, anders als der Park, in dem der Kiosk seiner Mutter stand, anders als der Wald, durch den er mit Nicole gefahren war. Es war schlicht und ergreifend fremd und irgendwie falsch in seiner Fremdartigkeit.

Genauso falsch wie der steinerne Richtungsweiser, der, nachdem sie nur wenige Minuten gegangen waren, unvermittelt vor ihnen auftauchte. Er passte einfach nicht hierher. Sie befanden sich schließlich tief in irgendeinem Urwald, keine Straße weit und breit, nur ein Weg, der aufgrund seiner immer wieder herauswuchernden Wurzeln und herabhängenden Äste kaum als solcher bezeichnet werden konnte. Und doch stand inmitten dieser nahezu unberührten Natur unverhofft dieser große steinerne Wegweiser. Ein Wegweiser, der so filigran, so reich verziert war, dass er besser in eine Kunstausstellung gepasst hätte als hierher. Sein Entführer schenkte dem Richtungsanzeiger, geschweige denn den drei angegebenen Richtungen, jedoch keinerlei Beachtung, sonder peilte zielstrebig den rechten Weg an.

Es dämmerte bereits und der Wald wurde von Minute zu Minute dunkler. Felix fragte sich insgeheim, ob er vorhatte, die ganze Nacht durchzumarschieren und wie er ihm am besten -  ohne seine unberechenbare Wut auf sich zu ziehen - klar machen konnte, dass er selbst einen solchen Marsch nicht durchhalten würde. Der Kampf, der Stress, das Erbrechen und letztendlich der Abstieg vom Plateau hatten dafür gesorgt, dass er sich einfach nur noch ausgelaugt fühlte. Körperlich zumindest. Sein Geist war unterdessen –sei es nun aufgrund der frischen Luft oder der vorläufigen Akzeptanz seines Schicksals - wesentlich weniger aufgewühlt als noch vor kurzem. Dennoch beschleunigte sich sein Herzschlag drastisch, als der Weg vor ihnen jäh breiter wurde und er inmitten einer von Bäumen und Sträuchern eingebetteten kleinen Lichtung ein großes Steinhaus erblickte.

Es war das wohl mit Abstand eigenartigste Gebäude, das er je gesehen hatte. Es schien nicht gebaut worden zu sein, sondern vielmehr geformt. Ecken und Kanten, wie sie die meisten Häuser hatten, fehlten ihm komplett, ebenso wie Rillen und Riefen. Fast schien es so, als ob es aus einem einzigen riesigen Sandstein in mühevoller Handarbeit entstanden war.

Nur zögernd folgte Felix seinem Entführer, der zielsicher auf die weitläufige steinerne Veranda zuging. War das das Haus von der Frau, die über sein Leben entscheiden sollte? War das das Haus von Briseis? Er hatte mit vielem gerechnet, aber nicht, dass der Mensch, dessen Name so eigenartig klang und der über sein Schicksal entscheiden sollte, so nahe war. Felix‘ Schritte wurden unwillkürlich langsamer.

Seine Finger begannen zu kribbeln und er tastete nervös nach seinem Handy. Sollte er einen weiteren Versuch wagen? Sollte er einmal mehr probieren Hilfe zu rufen? Vielleicht würde das seine letzte Chance sein. Seine Muskeln spannten sich an, während er das Handy noch in seiner Jackentasche vorsichtig aufklappte. Er drehte sich prüfend zu seinem Entführer um, der gerade die wenigen Stufen zu Veranda hinaufsprang, und entschied, dass er noch einen weiteren Versuch wagen musste. Er zog sein geöffnetes Handy aus der Jackentasche hervor. Von der oberen linken Ecke des Displays zog sich ein langer Riss, der bis zur Mitte reichte, und doch konnte er erkennen, dass er auch hier kein Empfang hatte. Innerlich fluchend stopfte er das Handy in seine Tasche zurück. Und was nun? Einmal mehr blickte er zu seinem Kidnapper auf, der mittlerweile in einer der hinteren Ecken der Veranda kniete und etwas unter einer Sitzbank, die  zu einer kleinen Sitzgruppe gehörte, hervorzog.

Felix zögerte. Sollte er die Chance nutzen und fliehen? Sein Entführer war beschäftigt und  einige Meter von ihm entfernt und doch… und doch glaubte er, dass – selbst wenn er so schnell lief wie noch nie zuvor in seinem Leben - der andere ihn einholen würde. Und dieses Mal war niemand da, der ihm helfen konnte. Wenn er floh, musste er sich wirklich sicher sein, dass seine Flucht auch gelang. Nachdenklich starrte er nach oben in die Baumkronen, die im verschwindenden Lichte des Tages rot leuchteten. Er schloss die Augen und zog die kühle Abendbrise tief in seine Lungen. Langsam atmete er aus. Er würde warten, er würde warten bis zur Nacht und sich dann davonschleichen.

„Felix.“

Felix öffnete die Augen. Sein Blick fiel auf seinen Gegner, der die Arme übereinander geschlungen an einem der Pfeiler der Terrasse lehnte  und ihn auffordernd musterte. Felix schluckte den Kloß, der sich in seinem Hals gebildet hatte, hinunter und ging die Haustür nicht aus den Augen lassend langsam auf die Veranda zu. Er wartete, wartete insgeheim darauf, dass eine zweite Person auftauchen würde, die Frau, die über seinen weiteren Werdegang, ja sein weiteres Leben, entscheiden konnte, doch nichts passierte.

Die Steinstufen unter seinen Turnschuhen waren glatt ob des Regens, der vor kurzem noch hier gewütet hatte. Noch während er die Treppe erklomm, wandte sich sein Entführer von ihm ab und zog sich in Richtung Hauswand zurück. Als Felix ihm folgte, erkannte er, was dieser zuvor unter einer der beiden steinernen Sitzbänke hervorgeholt hatte. Ein großer, wettergegerbter Lederrucksack, aus dem er gerade mehrere Decken und etwas zu Essen hervorzog. Augenscheinlich hatte sein Geiselnehmer beschlossen hier zu übernachten, auf der Veranda, da die Tür zum Haus nach wie vor fest verschlossen war.

Er blickte zu Felix auf und deutete ihn an, sich zu ihm zu setzen. Felix folgte dieser Aufforderung, wenn er sich auch ein gutes Stück von seinem Entführer entfernt auf den Boden sinken ließ. Sein Gegenüber musterte ihn einen Augenblick lang und Felix glaubte ein leicht amüsiertes Schmunzeln auf seinem Gesicht zu erkennen, doch dieses erlosch sofort wieder, als Felix sich weigerte etwas von dem ihm angebotenen Essen zu nehmen. Er schüttelte mehr oder weniger missbilligend mit dem Kopf, bot ihm allerdings bereits kurze Zeit später trotz seines offensichtlichen Missfallens eine der Decken an. Mit einem leichten Nicken nahm Felix ihm die Zudecke ab, rückte von seinem Entführer weg, was dieser mit einem Stirnrunzeln quittierte, bis sein Rücken gegen die Wand des Hauses stieß. Dort schlang er die etwas unangenehm nach nasser Katze riechende Decke eng um sich, rollte sich zusammen und gab vor zu schlafen.

Eine ganze Zeit lang hatte er das unangenehme Gefühl, die missbilligenden Blicke seines Entführers auf sich zu spüren, dessen  Mahlzeit schier unendlich lange dauerte. Und selbst danach schien er nicht einmal daran zu denken, sich ebenfalls zu Bett zu begeben, sondern begann stattdessen, seine Wunden zu reinigen und zu verarzten. 

Letztendlich dauerte es länger als Felix erhofft hatte, bevor sich auch sein Kidnapper zur Ruhe begab. Der Wald um sie herum war still. Nur hier und dort hörte man das sanfte Rascheln der Blätter im Wind.

Langsam öffnete Felix die Augen. Heute Nacht würde er fliehen.

 

SimplePortal 2.3.3 © 2008-2010, SimplePortal