Autor Thema: Eradicate the demon inside me  (Gelesen 111 mal)

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Eradicate the demon inside me
« am: August 19, 2011, 02:26:24 Nachmittag »
So, möchte erst einmal schauen, wie es ankommt.
http://www.weg-des-stifts.de/smf/der-diskussionthread/eradicate-the-demon-inside-me-616/
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Kapitel 1
Mit einem zufriedenen Lächeln sah ich zu, wie sie sich die Hände auf die Ohren presste und  mit ihrem eigenen Schrei all die anderen zu übertönen versuchte. Vor Angst kniff sie die Augen fest zusammen und zog die Knie schützend vor ihren Körper. Das arme Mädchen suchte Ablenkung, das spürte ich. Das sachte Wippen mit dem Oberkörper sollte sie beruhigen, doch ich erkannte, dass es seine Wirkung verfehlte. Jede Faser meines imaginären Körpers war durchtränkt von ihrem Schmerz und ihrer schieren Verzweiflung. Endlich war sie an dem Punkt angelangt, an dem ich sie haben wollte. Nach all der langen Arbeit sollte ich endlich die Belohnung für meine Mühen erhalten ! Bei der Kleinen war es gar nicht so leicht gewesen, sie in den Wahnsinn zu treiben. Irgendetwas schien sie anfangs immun gegen meine Kräfte zu sein. Aber schließlich war auch sie mir verfallen, ich hatte es nicht anders erwartet. Zumal ich es diesmal nicht hätte vermasseln dürfen, das war meine letzte Chance gewesen.
Ihr Leid war mein Vergnügen, meine Kraft, die ich aufladen musste wie einen ausgelaugten Akku. Mit einem einzigen Wort meiner Heimatsprache, das für menschliche Ohren unaussprechlich klang, weitete ich meine Befugnis über sie aus. Ich sah, wie es sie quälte, wie die Stimmen in ihrem Kopf sie dem Ende näher trieben. Doch ich konnte kein Mitleid empfinden, es war simpel das Recht des Stärkeren, schließlich musste auch ich zusehen, dass ich irgendwo abblieb. Ich hatte bloß noch diese eine Chance, um all das Vergangene ungeschehen  zu machen und die ganze Sache gerade zu biegen.
Ich wusste bloß zu genau, wie sie sich fühlen musste. Ihre schwarzen, langen Haare waren schweißnass und ihr Gesicht zu einer schmerzerfüllten Fratze verzehrt. Ihr Puls raste und ein unsichtbarer Druck lastete auf ihren zierlichen Schultern. Die Stimmen waren lauter geworden. Sie schrieen quasi um die Wette und erfüllten ihr Herz mit Schuldgefühlen, schwarz wie Teer.
„Aufhören!“, schrie sie flehend und Tränen traten aus ihren Augen hervor, „Bitte, bitte hört auf.“ Mit jedem Wort wurde ihre Stimme leiser und ihr Willen schwächer. Ihre Seele war gebrochen durch das Leid anderer. Leid, das sie meinte, verursacht zu haben. In meinem Inneren regte sich so etwas wie Reue, doch ich verdrängte sie ebenso gut aus meinem Gefühlsleben, wie ich meine Stimmen in das hübsche Köpfchen des Mädchens setzte.     
Erschöpft sank sie seitlich zu Boden und blieb regungslos liegen. Das einzige Lebenszeichen von ihr, waren ihre leisen Seufzer und das gelegentlich, unkontrollierte Röcheln, welche ihrer Kehle entfuhren
Nun war mein Teil des Auftritts gekommen. Mit einem Ruck trat ich aus dem Schatten einer Zimmerecke hervor und war erstaunt, dass die Kleine mich in einem guten Licht dastehen ließ. Sobald meine Opfer aufgaben und der Wille sie verließ, trat ich als das in Erscheinung, was sie sich vorstellten. Dass dieses Mädchen mich als hübsche, blonde Frau in einer schlichten, weißen Tora sah, verblüffte mich. Ich war einiges gewohnt, es gab sogar Menschen, die im Moment ihrer Auflösung an den leibhaftigen Teufel dachten. Was angesichts des Wahnsinns, der ihnen widerfahren war, nicht unverständlich erschien. Doch sie wollte bloße Erlösung und hoffte sie durch mich zu finden. Mit einem Seufzer keimte erneut die Reue in mir auf, was mir einen leichten Stich versetzte. Doch, wer meinen Job ausübte, wusste nur zu gut, dass ich mir solch eine Gefühlsduselei nicht erlauben durfte. Durch ein leichtes Kopfschütteln, bei dem die langen Locken um mein schmales Gesicht wirbelten, rief ich mich zur Raison. Jedoch war ich gezwungen, das Spiel mitzuspielen. Es gefiel mir gar nicht, dass ich ihr in ihren letzten Sekunden noch die Erlösung vorheucheln musste, die sie niemals erlangen würde, doch es war mein Job. Die Regeln wollten es so, und mein Meister auch.
Mit tänzelnden Schritten ging ich auf den regungslosen Körper zu und ließ mich neben ihm auf die Knie sinken. Mütterlich griff ich nach der zitternden Hand des Mädchens, welche mit kaltem Schweiß überzogen war.
„Keine Sorge, Kleines. Bald wird all dies vorbei sein. Die Schmerzen werden vergehen, genau wie die Stimmen.“ In beruhigender Stimmlage begann ich ein Lied anzustimmen, das sie zwar nicht verstehen konnte, dessen Worte jedoch ihre Wirkung nicht verfehlten. Das zittern ihres Körpers ließ nach, ihre Muskeln lösten sich aus der Verkrampfung und als wolle sie schlafen, schloss das Mädchen ihre Augen.
Aber noch während ich die letzte Strophe anstimmte, wurde mir schlagartig klar, dass ich mit ihr nicht umgehen konnte, wie mit all den anderen! Wie erstarrt schaute ich mein Ebenbild an, welches sich im Fensterglas spiegelte. Und mit ungeahnter Sicherheit fasste ich einen Entschluss!   
« Letzte Änderung: August 19, 2011, 02:27:59 Nachmittag von Saga »
Man merkt erst, wie wertvoll etwas ist, wenn man es nicht mehr besitzt.

Offline Saga

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Re: Eradicate the demon inside me
« Antwort #1 am: August 21, 2011, 03:20:51 Nachmittag »
Kapitel 2
Das Buch lag aufgeschlagen auf meinen Beinen. Mit den Fingerspitzen spürte ich das raue Papier, doch für die sorgfältig gewählten Worte des Autors hatte ich keine Augen. Gedankenverloren starrte ich aus der Windschutzscheibe und sah die stupide Autobahn an mir vorüberziehen. Die Landschaft zu meiner Rechten bestand bloß aus undefinierbaren Schemen und ebenso schnell, wie sie an mir vorbeirauschte, rasten auch die Gedanken durch meinen Kopf. Ich wusste nicht, wo ich war und hatte ebenso das Gefühl, mich selbst genauso verloren zu haben. Nach so einer langen Zeit kehrte ich eine Welt zurück, die meine war und zugleich völlig fremd.
„Amy?“ Mit einem Räuspern riss mich die Stimme meines Bruders Josh aus den Gedanken. Schreckhaft zuckte ich zusammen, so dass beinahe das Buch von meinen Beinen rutschte.
„Was?“ Sein besorgter Blick traf mich mit der Geschwindigkeit eines Pfeiles und verursachte einen schmerzhaften Stich in meinem Herzen.
„Ich habe dich gerade gefragt, ob du dich freust, nach Hause zu kommen und alle wiederzusehen?“ Während Josh sorgenvoll die Stirn in Falten legte, wandte er seinen Blick wieder der Straße zu und setzte an, einen Kleintransporter zu überholen. Die steigende Geschwindigkeit, die zum Überholen nötig war, schlug mir plötzlich auf den Magen, doch ich schaffte es, den Würgereiz erfolgreich zu unterdrücken. Mit Unbehagen horchte ich in mich hinein, aber ich konnte erleichtert festellen, dass sie in diesem Moment schwieg. Die Stimme, die mir sonst immer Ratschläge oder Warnungen zuflüsterte.
„Ich weiß es nicht.“, gestand ich seufzend. Eine kleine Weile schwiegen wir beide und mir war vollkommen bewusst, dass auch Josh realisierte, dass ich schon lange nicht mehr dieselbe war. Die Zeit, die mich von der Außenwelt abgeschottet hatte, hatte mich gleichsam verändert ohne, dass ich etwas dagegen unternehmen konnte.
„Es ist komisch, wieder in die Freiheit entlassen zu sein. Ich komme mir vor, wie der erste Mensch, der auf einem vollkommen fremden Planeten landet, um ihn neu zu erforschen. Außerdem habe ich das Gefühl, jedermann weiß, dass ich zwei Jahre in einer Nervenheilklinik verbracht habe. Es scheint wie eine böse Aura an mir zu kleben und jeder kann sie sehen, verstehst du?“ Im selben Moment, in dem ich diese Frage ausgesprochen hatte, schüttelte ich auch schon resignierend den Kopf. Josh verstand es natürlich nicht, wie sollte er auch. Niemand, der nicht meine Erlebnisse durchgemacht hatte, würde mich jemals verstehen können. Alle konnten sie sich einbilden, es nachvollziehen zu können. Doch keiner von ihnen wusste wirklich, was es bedeutete.
„Nein, ich denke, ich verstehe es nicht.“, gab mein Bruder ehrlich zu und dafür mochte ich ihn so sehr. Josh versuchte nicht, mir etwas vorzumachen, er hatte es noch nie versucht.
„Ich kann mir vielleicht vorstellen, dass du dir seltsam vorkommst. Aber ich an deiner Stelle würde mich sehr freuen, endlich wieder unter Menschen zu kommen, die mich sehr lieben. Mum und Dad haben dich wirklich vermisst.“
Mit einem lauten Knall schlug ich das Buch zu und erzürnt presste ich die Lippen fest zusammen.
„Sie haben mich vermisst? Wie kommt es, dass sie mich dann in den zwei Jahren nicht einmal besucht haben?“ Meine Stimme ähnelte einem unterdrückten Knurren und wieder schien es, als schlüge mir die gesamte Situation zu sehr auf den Magen. Doch ich war es nicht anders gewöhnt. Schon von klein auf wirkten sich emotionale Situationen auf meinen Magen aus.
„Ja Amy, auch wenn du es nicht glaubst, so war es. Dass sie dich nicht besucht haben kam daher, dass sie die Erlaubnis nicht erhalten haben. Alles, womit sie in Kontakt zu dir bleiben konnten, waren die unzähligen Briefe, die sie dir geschickt haben. Glaub mir, auch deiner Familie hat der Abschied wehgetan.“ Wieder konnte ich bloß seufzen. Zu viele Informationen prasselten seit einer Stunde auf mich ein. Denn schon zu Beginn der Fahrt hatte Josh damit begonnen, mich mit Fragen zu löchern, bloß um mir die Vorzüge aufzuzählen, die ich in meinem neuen, alten Zuhause haben würde. Nur gelegentlich hatte sich eine drückende Stille über uns ausgebreitet.
„Josh, ich kann dir keine Versprechen geben. Ich kann bloß versuchen, mich anzupassen. Aber ob mir das gelingen wird, kann ich dir nicht sagen. Die Klinik wird mein Leben niemals verlassen. Ich bin eine andere Person geworden und den Kontakt zu machen, die immer noch dort leben, möchte ich einfach nicht abbrechen. Das könnt ihr auch nicht von mir verlangen.“
„Amy, das wird auch niemand von dir verlangen.“ Etwas verärgert legte sich Joshs Stirn in Falten, doch gleich im nächsten Moment suchte seine Hand meine, ohne dass er den Blick von der Straße nahm. Seine warme Hand traf auf meine eisige und er drückte sie einmal fest.
„Schwesterchen, du weißt, dass ich immer für dich da bin. Und du wirst sehen, das Ankommen zu Hause wird bestimmt schön für dich werden.“ Mit einem Mal stahl sich ein verschmitztes Lächeln auf seine Lippen und seine Gesichtsmuskeln entspannten sich zusehends. Als ich sein Profil betrachtete und aus seinem Lächeln zu lesen versuchte, meldete sich eine Stimme in meinem Kopf.
Er hat etwas vorbereitet. Etwas Großes. Dann folgte das vorfreudige Kichern eines Kleinkindes. Schreckhaft zuckte ich zusammen.
„Amy, was ist los?“ Für einen Sekundenbruchteil schnellte der Blick meines Bruders zu mir rüber.
„Nichts, nichts. Ist schon in Ordnung.“, schüttelte ich energisch den Kopf, als könnte ich so die Stimme vertreiben. Doch ich wusste, dass es nichts nützte. Diese Stimme war anders, als die weswegen ich eingewiesen worden war. Sie schrie nicht pausenlos, sie litt nicht und – vor allem – sie war erst später aufgetreten. Vor gut einem halben Jahr. Und mit diesem halben Jahr hatte meine Genesung begonnen und ich war meiner Familie im Eilschritt immer näher gekommen. Ich würde beinahe die Vermutung anstellen, dass sie der Grund war, warum ich überhaupt erst wieder herausgekommen war. Denn sie war nicht böse! Diese weibliche, sanfte Stimme hielt sich im Hintergrund, freute sich mit mir und baute mich auf, wenn ich den Mut verlor. Sie schien mehr wie eine gute Freundin.
Und doch änderte das nicht die Tatsache, dass ich eine Stimme hörte, die nicht wirklich da war. Was mir vor Augen führte, dass ich immer noch in die Klinik gehörte und nicht für die Außenwelt geschaffen war. Bei dem Gedanken an die Umstellung und daran, dass ich diesen geregelten Ablauf vermissen würde, den ich in den letzten zwei Jahren bekommen hatte, traten mir die Tränen in die Augen. Hastig wischte ich sie mit dem Handrücken fort und unterdrückte ein aufkeimendes Schluchzen. Wieder traf mich Joshs besorgter Blick.
„Wieso weinst du denn jetzt?“ Das rhythmische Ticken des Blinkers zog meinen Blick auf  das Armaturenbrett und ich sah, dass Josh rechts ranfahren wollte. Erneut schüttelte ich energisch den Kopf.
„Das brauchst du nicht, fahr weiter. Ich habe nur gerade realisiert, dass ich mich doch irgendwie freue.“ Dabei rang ich mir sogar ein kleines Lächeln ab, was mir jedoch schief im Gesicht hing und sich nicht richtig anfühlte. Trotzdem setzte ich noch einen drauf:
„Ich möchte endlich nach Hause.“ 
« Letzte Änderung: August 21, 2011, 05:49:41 Nachmittag von Saga »
Man merkt erst, wie wertvoll etwas ist, wenn man es nicht mehr besitzt.

 

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