Die unendliche FluchtWenn du dies liest, ist es mir gelungen, aus dem Traum aufzuwachen, und wenn auch nur für einen winzigen Augenblick, um dies hier aufzuschreiben. Ich möchte dir meine Geschichte erzählen, in der Hoffnung, du findest mich irgendwann und rettest mich. Denn ich allein bin verloren im Reich der unendlichen Albträume...
Ich weiß nicht mehr, wie es begann, noch, ob es jemals aufgehört hat. Doch ich weiß, dass alles im Kreis verläuft und sich alles unendlich wiederholt – wenn auch vielleicht mal in einer anderen Variante.
Ich war in dem Körper eines Mädchens gefangen. Ein Mann Mitte 30 schien mich entführt und mit mir Versuche durchgeführt zu haben. Immer wieder war ich in diesem Raum - dunkel und ohne Fenster, mit nur einer Tür, die ein quadratisches Fenster aus Panzerglas besaß. Zumindest war es so dick und dumpf, dass keine Geräusche nach außen drangen.
Sobald der Mann mit mir fertig war, verdunkelte er das Zimmer, verließ es und die Tür fiel ins Schloss. Jedes Mal war ich schreiend dorthin gerannt und hatte versucht, die Tür aufzuhalten, aufzubekommen, hatte dagegen gehämmert, er solle mich doch bitte rauslassen - doch nichts half. Und während die Stille sich im Zimmer verteilte, hörte ich Pfoten auf dem Boden und ein drohendes Knurren - nein, es waren zwei; ganz plötzlich und ohne Vorwarnung. Ich schrie, doch da war es bereits zu spät. Der Schmerz fraß sich durch mich hindurch und der Geschmack von meinem Blut brannte sich in meine Erinnerung.
Viele Male sah ich mich in dieser Situation. Viele Male war es ein und dasselbe und doch war es immer ein anderer Körper, in dem ich das alles erfahren musste. Doch ein einziges Mal, da war alles ein wenig anders:
Beim letzten Mal, da hatte er das Licht angelassen. Ich stand hinter der Tür und hämmerte dagegen, schrie, er solle mich doch bitte rauslassen und sah ihm durch das Fenster der Türe nach. Plötzlich öffnete sich die Tür um einen kleinen Spalt und die Hoffnung glitzerte in meinen Augen. Freiheit? Ich legte die Hand an die Klinke und wollte die schwere Tür weiter aufdrücken, als dieses drohende Knurren erschien - direkt vor meinen Augen!
Es war ein Wolf, der seine Schnauze durch den Spalt steckte und er knurrte und schnappte nach mir. Augenblicklich begann ich, die schwere Tür zuzuziehen, doch da hatte er schon seinen Kopf dazwischen und drängte mit seiner Pfote in meine Richtung. Er schnappte und biss mich in die Hand. Durch den Schmerz verlor ich die Kraft, die Tür festzuhalten, und er schlüpfte durch den Spalt gänzlich in das Zimmer. Doch hinter ihm war schon der zweite, der nun seine Schnauze in den Spalt drückte. Während ich versuchte, die Türe wieder zuzuziehen oder zumindest auf dieser Breite der Spalte zu halten, damit der andere Wolf nicht auch noch hineinkam, hing ich halb am Boden und bekämpfte mit meinen Beinen den Wolf im Zimmer, der bereits meinen Fuß im Maul hatte und an meinem Schuh zerrte. Es tat so weh… Er zog an mir und zog meinen Körper gänzlich in die Länge. Ich konnte das Jaulen des anderen Wolfes hören, dessen Kopf durch das Ziehen des einen eingeklemmt wurde zwischen der Tür, an der ich mich nun festkrallte. Als er meinen Schuh fallen ließ, konnte ich es in seinen Augen lesen: Nun wirst du sterben.
Irgendwie hatte das wohl meinen Kampfgeist angezogen und ich holte mit meinen Füßen aus. Ich verpasste dem Wolf mit meinem anderen Fuß genau eine auf seine Schnauze und er schien etwas benommen. Währenddessen versuchte der zweite Wolf hineinzuschlüpfen und durch die Zerrbewegungen an der Tür, wurde ich wieder etwas von dem ersten Wolf weggezogen. Ich kämpfte dagegen an und mir gelang es, meine Beinen um den Hals des Wolfes zu schlingen und auf seine Kehle zu drücken. Während ich versuchte, mit meinen Beinen Druck auszuüben, um ihn zu ersticken, versuchte er sich da rauszuwinden. Er schnappte erneut nach mir und ich glaube, er streifte meinen Bauch. Währenddessen ließ langsam meine Kraft in den Armen nach und der andere Wolf kam bedrohlich ins Zimmer hinein. Ich sammelte alle meine Kraft in den Beinen und hörte ein Knacken. Den ersten Wolf hatte ich erledigt.
Der zweite lief etwas auf Abstand um uns herum und schien sich die Situation anzusehen. Ich konnte sehen, dass eins seiner Augen blutete. Vielleicht von der Türe. Vielleicht konnte er mich so nicht richtig wahrnehmen, dachte ich und schielte zur Türe. Sie war einen großen Spalt offen - groß genug, dass ich hindurch schlüpfen konnte. Doch die Kraft in meinen Beinen und Armen war erschöpft und ich bemerkte, wie sie zu flattern begannen. Nur noch ein bisschen, dachte ich - ich flehte geradezu darum. Und als sich der Wolf dem anderen näherte und scheinbar erschnüffeln wollte, was passiert war, sah ich meine Chance. Ich sprang auf, schlüpfte durch den Spalt und drückte die Tür mit meinen letzten Kraftreserven zu. Ich bemerkte, wie der Wolf wohl gegen die Tür gesprungen war, denn ein lautes Bollern war zu hören - doch nur so lange, bis ich die Tür gänzlich geschlossen hatte.
Ich taumelte. Mein Körper war am Ende. Doch hier konnte ich nicht bleiben. Was, wenn der Mann zurückkommen würde? Oder es dem Wolf doch noch gelingen würde, die Türe zu öffnen? Also rannte ich den Flur hinab, immer geradeaus, einfach raus hier, immer weiter und weiter.
Als ich durch eine große Holztür stürzte, war ich plötzlich im Freien. Doch was ich dort sah, benebelte völlig meinen Verstand. Ich ließ mich erschrocken auf die Knie fallen und blieb so sitzen. Der Himmel war blau, die Sonne schien - ein schöner Sommertag: und das auf einem Schulgelände. Ich sah um mich herum einige bekannte Gesichter und sie hatten Bücher und Taschen in der Hand. Es schien Mittagspause zu sein. Eine Mittagspause!
Und dann kam ein Mädchen mir entgegen und hielt mir eine Wasserflasche entgegen und meinte: „Und was wollte der Professor noch von dir? Du warst ganz schön lange weg.“
Ich war so entsetzt.. nicht zu beschreiben. Ich war überall voller Blut! Mir fehlte ein Schuh, alles tat weh und sie.. sie fragte ernsthaft, was der Professor von mir wollte!?
Ich nahm ihr die Flasche aus der Hand, öffnete sie und nahm einen großen Schluck Wasser zu mir. Dann schloss ich die Augen und kippte mir das restliche Wasser über den Kopf. Nur die Ruhe bewahren, dachte ich, es ist vorbei.
Doch als ich die Augen wieder öffnete, saß ich wieder in diesem Zimmer - und vor mir dieser Mann, der sich Professor nannte. Und in mir schrie etwas auf und mahnte mich, dass die nächste Flucht gelingen müsse.
Noch heute versuche ich, in die reale Welt zurückzukehren und aus diesem Albtraum zu erwachen… --------
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