Okay: Also erst einmal muss ich hier sagen, dass es sich hierbei um Ideen handeln, die mir gerade eben so in den Sinn kommen. Ich weiß nicht, ob es was wird und deshalb weiß ich auch nicht, zu welchem Genre das Ganze hier zählt. Darum packe ich es erst einmal hier herein.
Ich hoffe, lesen lässt es sich trotzdem

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http://www.weg-des-stifts.de/smf/der-diskussionthread/freie-entscheidung-312/____________
Es war ein Paradoxon! Sie auf einem Drahtseil, welches sich in schwindelerrengender Höhe über Meter hinweg zwischen zwei Pfeilern spannte. Noch stand sie auf einem der Pfeiler und betastete mit ihren nackten Füßen vorsichtig den Untergrund. Wieso sie das machte? Sie konnte sich selbst keine Antwort darauf geben, schließlich sprossen aus ihrem Rücken, genau zwischen ihren Schulterblättern, zwei wuchtige Flügel. Warum also sollte sie versuchen, balancierend ans andere Ende zu gelangen?
Was tue ich hier eigentlich?, überkam es sie plötzlich. Doch ein Zurück gab es nicht mehr. Unten am Boden hatte sich eine gewaltige Meute Schaulustiger angesammelt, die gaffend darauf wartete, dass sie den ersten Schritt auf dem wackeligen Seil machte.
Nun stehen sie da und beinahe scheint ihnen der Geifer aus ihren Mündern zu laufen! Sie benehmen sich wie räudige Hunde, bereit zum Sprung auf das Frischfleisch. In ihr machte sich Ekel breit und am Liebsten hätte sie nach unten ausgespuckt. Doch schließlich besaß sie Anstand. Beleidigungen, sowie Betrug, in dem sie ihre Flügel einsetzte und einfach herüberflog, waren nicht drin!
Das hat man nun davon, ein Individuum sein zu wollen. Man wird begafft und verhöhnt, sobald man anders ist! Ein gieriges Zucken durchfuhr ihre kräftigen Schwingen. Sie wollten sich ausbreiten und sie sicher an ihr Ziel tragen, unbeachtet der Masse am Boden. Doch das konnte sie nicht tun. Sie musste mit fairen Mitteln kämpfen und wusste, würde sie am Ziel ankommen, wäre sie endlich frei und konnte ihre Ketten ablegen!
Ich werds euch allen zeigen! Na dann mal los. Wie zur Bekräftigung ihrer Gedanken, stupste sie von hinten eine kräftige Windbö nach vorn und brachte ihr lindgrünes Seidennachthemd in Wallung. Noch einmal sammelte sie sich innerlich, schloss die Augen, atmete tief ein.
Dann, am ganzen Körper zitternd, streckte sie den linken Fuß vor und ertastete den gestärkten Draht. Er schnitt ihr ins Fleisch und der leichte Schmerz durchzuckte ihr Bein. Doch festentschlossen biss sie sich auf die Unterlippe, um nicht aufzuschreien.
Was tut man nicht alles, um ein wenig Anerkennung zu erlangen? Um auch als "Andersartige" aufgenommen zu werden...Unter ihr begann die Meute zu jubeln und zu johlen, doch sie versuchte es zu ignorieren. Konzentriert setzte sie einen Fuß vor den anderen und versuchte mit ausgestreckten Armen das Gleichgewicht zu halten.
Sie hatte sich gerade wenige Zentimeter vorwärts gewagt, da begann das Seil bedrohlich zu schwanken und sie sog verschreckt die Luft ein.
Vor ihr tauchte er plötzlich auf! Derjenige, der ihr Leben ruiniert hatte!
"Was willst du hier?!", zischte sie durch ihre zusammengebissenen Zähne und kämpfte darum, ihr Gleichgewicht und ihre Konzentration wieder zu erlangen.
"Tu es nicht, Kuraiko! Wirklich, ich kann dir alles erklären, wenn du mich nur lässt. Ich bitte dich, höre mich an." Flehend schaute er ihr in die grünen Augen. Schützend legte er einen Arm um ihre Taille, als sie gefährlich ins Wanken geriet.
"Für Erklärungen ist es bereits zu spät, Teshi.", fauchte sie und Tränen der Wut traten in ihre Augen, "Also geh mir gefälligst aus dem Weg. Wie sagtest du noch: >Man muss tun, was man nicht lassen kann.< Waren es nicht deine Worte, als du mein Leben in Stück gerissen hast?" Blanker Hass schleuderte sie ihm entgegen und riss sich ruckartig aus seiner Umarmung.
Dies war eine Bewegung zu viel! Das Seil wurde in Schwingung versetzt und wie in Zeitlupe verlor Kuraiko den Halt. Für den Bruchteil einer Sekunde schien es, als würde der Wind sie tragen, sanft zu Boden gleiten lassen. Doch so schnell diese Hoffnung in ihr aufkeimte, wurde sie auch wieder zerstört, als sie während des Falls stetig an Geschwindigkeit zulegte.
Ihr letzter Gedanke, den sie klar fassen konnte, galt ihren gebannten, wie auch gebrochenen Schwingen, die ihr Leben nun auch nicht mehr retten konnten...